WIRTSCHAFT
17/01/2016 11:50 CET | Aktualisiert 17/01/2016 15:27 CET

Experten warnen: Europa droht eine Job-Katastrophe - und Deutschland wäre besonders betroffen

dpa

Für die Deutschen gehörte Arbeitslosigkeit in letzter Zeit zu den kleineren Problemen. Mit einer Arbeitslosenquote von aktuell 4,5 Prozent haben in Deutschland so viele Menschen eine Anstellung, wie in keinem anderen europäischen Land. Könnte sich das bald ändern?

Etwa fünf Millionen Arbeitsplätze sollen in den nächsten fünf Jahren in den Industrieländern wegfallen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Weltwirtschaftsforum in Davos am Montag veröffentlichen wird - und die der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" exklusiv vorliegt. Die Prognose beruht auf einer Umfrage unter Top-Managern der 350 größten Konzerne der Welt.

Schuld ist wohl die neue industrielle Revolution. Die zunehmende Automatisierung von Arbeit, etwa durch den Einsatz von Robotern und Computerprogramme, soll laut der Studie mehr als sieben Millionen Jobs überflüssig machen – und zwar vor allem im Verwaltungsbereich und nicht etwa in der Produktion. Dem gegenüber stehen nur zwei Millionen neue Arbeitsstellen, die im gleichen Zeitraum geschaffen werden sollen.

Aus dem Bericht geht hervor, dass vor allem Deutschland den Wandel zu spüren bekommen wird. Speziell Frauen hierzulande sollen in Gefahr stehen, ihren Arbeitsplatz in den nächsten fünf Jahren zu verlieren. In Bereichen, in denen neue Jobs entstehen sollen – also vor allem im IT- und Naturwissenschaftsbereich – sind sie immer noch unterdurchschnittlich repräsentiert, heißt es im Bericht.

Die IT-Branche boomt, andere Branchen werden durch den Wandel hart getroffen. Die Experten des Weltwirtschaftsforums gehen davon aus, dass der Mittelstand des Gesundheitssektors und der Energie- und Finanzwirtschaft besonders leiden werden. Weniger überraschend ist, dass besonders die IT-Branche mit einem Aufschwung rechnen kann. Für Deutschland sehen die Experten außerdem die Zukunft für Vertrieb, Logistik, Informatik und das Ingenieurswesen optimistisch.

In Europa soll die Arbeitslosigkeit nur in Großbritannien und der Türkei sinken. Weltweit sollen in Südostasien, Mexiko und den USA mehr Arbeitskräfte nachgefragt werden. Für den Rest der Welt, inklusive Deutschland sagt der Bericht einen Anstieg der Arbeitslosenquote bis 2020 voraus.

Diese düstere Prognose ist durchaus kritisch zu sehen. Schon seit Jahren sagen Experten den Wegfall von Arbeitsplätzen durch die zunehmende Digitalisierung voraus – und trotzdem sanken die Arbeitslosenzahlen in Deutschland weiter. Auch der Bericht des Weltwirtschaftsforums relativiert die Zukunftsaussichten – und rät zu Investitionen in die Ausbildung neuer Technologien.

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