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Polizistenmangel spitzt sich wegen Pensionierungs-Welle dramatisch zu

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Zwei SEK-Polizisten während des Terroralarms am Münchner Hauptbahnhof | Getty
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In Deutschland fehlen schon heute mehrere zehntausend Polizisten. Die Deutsche Polizeigewerkschaft geht davon aus, dass sich der ohnehin schon bestehende Mangel ab 2017 massiv verschärfen wird. Experten warnen vor einer Welle unaufgeklärter Straftaten.

Es war aus Sicht von vielen Sicherheitsexperten Staatsversagen, was sich in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof ereignete. Zwar kritisieren manche Politiker auch die Rolle der zuständigen Beamten vor Ort. Klar ist, dass die Sicherheitsbehörden massiv unterbesetzt waren. Das kritisiere unter anderem CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl gegenüber der Huffington Post in der vergangenen Woche.

Polizistin behauptet: Die offiziellen Zahlen stimmen nicht

Zehntausende Beamte fehlen

Gerade einmal 143 Polizisten waren in ganz Köln in der Silvesternacht im Einsatz. Für Uhl ist klar: "Nordrhein-Westfalen hat wie auch viele andere Bundesländer die Polizei kaputtgespart."

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sagt im Gespräch mit der Huffington Post: "Bereits vor der Flüchtlingskrise waren die Sicherheitsbehörden komplett am Limit. Nach Berechnungen der konkurrierenden Gewerkschaft der Polizei (GdP) haben Bund und Länder bei der Polizei seit 1997 etwa 17.000 Stellen eingespart.

Anfang vergangenen Jahres arbeiteten in Deutschland nur noch 309.000 Polizisten. Wegen in den vergangenen Jahren Wendt zufolge hinzugekommenen Bedrohungen etwa "durch Salafisten, Rockerbanden und mehr Hooligan-Gewalt" sei die Polizei bereits vor der Ankunft von über einer Million Flüchtlingen überfordert gewesen, kritisiert Wendt.

"Einbrüche und Verkehrsdelikte bleiben massenhaft liegen"

Aufgrund der sich laut dem Sicherheitsexperten zuletzt häufenden Einsätze in Asylbewerberheimen, den wieder eingeführten Grenzkontrollen, der Terrorgefahr und zunehmender Großeinsätze etwa bei Pegida leide zunehmend die eigentliche Polizeiarbeit, klagt Wendt: "Einbrüche und Verkehrsdelikte bleiben massenhaft liegen."

Wendt zufolge müssten die Länder und der Bund deutschlandweit etwa 37.000 Stellen schaffen, um der aktuellen Sicherheitslage Herr zu werden. Zwar stelle Nordrhein-Westfalen mittlerweile 2000, statt wie noch vor einigen Jahren nur 500 Beamte pro Jahr ein – "doch das reicht nicht einmal, um das jetzige Defizit auszugleichen."

Bereits ab dem kommenden Jahr drohe ein weiteres Problem. Denn dann würden viele Polizisten, die in den 1970er-Jahren zu Zeiten des RAF-Terrors eingestellt wurden, in den Ruhestand gehen. Wenn die innere Sicherheit gewährleistet bleiben solle, müssten rasch zehntausende Beamte eingestellt werden. "Ansonsten steuert Deutschland auf eine sicherheitspolitische Katastrophe zu."

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