WIRTSCHAFT
14/01/2016 18:39 CET

Wegen Flüchtlingskrise: Mehrheit der Deutschen fürchtet um ihr Geld

dpa

Bisher ist die Bedrohung abstrakt - aber sie ist da: Die Mehrheit der Deutschen hat offenbar Angst, dass die Flüchtlingskrise Einfluss auf ihr Vermögen haben wird. Laut einer aktuellen Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY), über die die “Welt” berichtet, fürchten 85 Prozent der Deutschen finanzielle Einbußen wegen des großen Stroms an Asylsuchenden.

Bei über der Hälfte ist diese Angst massiv. 60 Prozent der Befragten stuften sich sogar als “sehr besorgt” um ihre persönliche finanzielle Situation ein.

"Die Flüchtlingskrise bestimmt schon seit Monaten die Debatten und die Medienberichterstattung hier im Land. Dadurch bekommt sie eine größere Bedeutung für den Einzelnen, als sie tatsächlich im täglichen Leben der meisten Bürger einnimmt", sagte Thomas Harms, der Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei EY, der “Welt”.

Das hat Auswirkungen auf das Vertrauen der Verbraucher: Blickte Anfang 2015 noch jeder dritte Deutsche optimistisch ins neue Jahr, ist es jetzt nur noch jeder vierte.

Das Paradoxe an der Angst der Befragten ist: Die Zufriedenheit mit der eigenen Finanzlage ist laut dem Bericht der “Welt” bei den Deutschen so hoch wie seit dem Beginn der jährlichen Umfrage im Jahr 2008 nicht mehr. Jeder zweite Befragte ist mit dem Geld, das ihm zur Verfügung steht, derzeit zufrieden. Nur acht Prozent der Bürger gaben das Gegenteil an.

“Die Grundstimmung ist äußerst gut”, sagte Harms der Zeitung. Der Grund seien eine niedrige Arbeitslosigkeit, steigende Reallöhne und eine niedrige Inflation. Hinzu kämen die derzeit moderaten Energiepreise.

Die komfortable Situation bedeutet aber auch: Wer viel Geld hat, hat auch viel zu verlieren. Die Deutschen haben Angst, dass sich ihr angestiegener Lebensstandard durch die ankommenden Flüchtlinge wieder verschlechtert.

Angst haben nun vor allem die Geringverdiener. Die Erwartungen seien nicht mehr so rosig, erklärte Harms. Deutsche mit niedrigem Einkommen rechneten damit, dass sich ihre persönliche Situation im neuen Jahr verschlechtert.

Besonders kritisch sind ältere Verbraucher. Befragte bis 35 Jahre haben laut der Studie noch hohe Erwartungen an eine bessere Zukunft. Die darauffolgenden Generationen äußerten sich weit weniger zuversichtlich.

Sparen wollen sie nun vor allem in diesen Bereichen: Laut der EY-Befragung machen sich die Deutschen für 2016 Sorgen um steigende Lebenshaltungskosten. Daher wollen sie tendenziell in diesem Jahr keine größeren Anschaffungen wie Autos oder Küchen machen. Auch bei Restaurantbesuchen und Unterhaltungselekronik wollen die Befragten kürzer treten.

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