Studie: Wie Dankbarkeit das Gehirn verändert

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Frau im Herbst | brickrena via Getty Images
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Dankbarkeit wird unterschätzt. Vieles, was das Leben schöner und einfacher macht, wird als selbstverständlich wahrgenommen.

Das kann zum Beispiel die Partnerschaft sein oder einfach nur der Straßenmusiker, der uns in der Einkaufspassage unterhält.

Martin Luther nannte Dankbarkeit eine „wesentliche christliche Haltung“.

Dieses Gefühl schwand wohl zusammen mit dem Einfluss der Religionen auf unser Leben. Das ist aber nicht nur aus religiös-gesellschaftlichen Gründen schade, sondern auch schlecht für das persönliche Wohlbefinden.

Das heißt nicht, dass wir jetzt jeden Tag „Danke für diesen guten Morgen“ singen sollten, sondern dass wir uns besser auf das konzentrieren, was unser Leben schöner macht.

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Das ist nichts Neues. So legte schon im Jahre 2005 eine Studie der University of Pennsylvania nahe, dass Dankbarkeits-Tagebücher und Dankesbriefe dazu führen, das Wohlbefinden zu erhöhen und Anzeichen von Depressionen zu lindern.

Neu sind jedoch die Ergebnisse einer Studie, die zeigen, wie Dankbarkeit das Gehirn verändern kann.

Wissenschaftler der University of Indiana untersuchten 43 Personen, die wegen Angstgefühlen oder Depression Beratungsrunden aufsuchten. Mit 22 von ihnen absolvierten die Forscher eine wöchentliche Sitzung, in der es um Dankbarkeit ging. Dabei sollten die Teilnehmer Dankesbriefe schreiben.

Sie konnten sich anschließend aussuchen, ob sie dem Adressaten den Dankesbrief zuschicken wollten oder nicht. Die übrigen 21 Teilnehmer fungierten als Kontrollgruppe, die neben den Beratungsrunden keine zusätzliche Dankbarkeits-Sitzung aufsuchte.

Drei Monate später machten die Wissenschaftler von den Teilnehmern Gehirn-Scans, während sie ihnen erzählten, dass sie von einem reichen Spender Geld bekommen würden. Dieser würde nichts dafür verlangen, sich aber freuen freuen, wenn sie zum Dank einen Teil davon an eine Wohltätigkeitsorganisation oder an eine andere Person spenden würden. Die Forscher versicherten den Probanden, dass sie nach dem Test den Geldbetrag wirklich bekämen – minus den Betrag, den sie spenden würden.

Die Forscher entdeckten, dass auf den Scans der Teilnehmer, die angaben, starke Dankbarkeit zu fühlen und viel spendeten, bei dem Vorgang verschiedenste Gehirnbereiche aktiv wurden – und zwar andere Gehirnbereiche, als die, die mit Empathie in Zusammenhang gebracht werden.

Dies könnte darauf hinweisen, dass Dankbarkeit eine eigene Emotion ist.

Die größte Überraschung war jedoch, dass die Teilnehmer, die vorher die Dankbarkeits-Sitzungen absolviert hatten, signifikant stärkere Aktivitäten in den Gehirnbereichen zeigten, die die Forscher vorher mit Dankbarkeit in Zusammenhang gebracht hatten. Diese Ergebnisse sind deshalb so bemerkenswert, da sie nahelegen, dass man Dankbarkeit trainieren könnte. Und das Beste daran ist: Je dankbarer man sich fühlt, desto eher ist man bereit, etwas weiter zu geben.

Die Studie ist zwar sehr klein und hat auch einige Mängel.

Beispielsweise hat die Kontrollgruppe keine zusätzliche Aufgabe oder Sitzung bekommen, um sicherzustellen, dass die besseren Ergebnisse der Dankbarkeits-Gruppe nicht einfach durch die zusätzliche Aufmerksamkeit und Reflexion erzielt worden sind. Mehr Forschungen in diesem Bereich wären sicher sinnvoll – denn wenn Dankbarkeit mit ein paar einfachen Übungen so positive Auswirkungen hat, dann könnte dies die Welt ein klein wenig besser machen.

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