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"Kollektiver Selbstmord": So hart rechnet die Schriftstellerin Monika Maron mit der Flüchtlingspolitik ab

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MERKEL
dpa
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Es ist eine harte Abrechnung mit der Politik der Bundesregierung. Es ist vielleicht die härteste, die es bisher gab.

Die Schriftstellerin Monika Maron, unter anderem Preisträgerin des renommierten Kleistpreises, hat in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einen regelrechten Hassbrief in Richtung Berlin geschrieben.

Ihre Anklage: Die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin Angela Merkel und der Bundesregierung treibe Deutschland "in den kollektiven Selbstmord".

Verheerende Folgen für die Gesellschaft

Dabei bezieht sich Maron auf ein Buch des britischen Historikers Paul Collier, der in einem Buch über die Völkerwanderung schreibe:

"Eine Zuwanderung, die in ihrer Masse die einheimische Gesellschaft überfordert, zerstört das Vertrauen zuerst zwischen Einheimischen und Zuwanderern und in der Folge auch das Vertrauen innerhalb dieser Bevölkerungsgruppen, was in unserer auf Vertrauen und Kooperation begründeten Gesellschaft verheerende Folgen hat."

Maron sagt also, dass die Flüchtlingskrise am Ende nicht nur das Vertrauen zwischen den Deutschen und den Neuankömmlingen zerstört, sondern auch das zwischen den Deutschen.

Belege dafür sieht sie an den Straßenschlachten radikalisierter Rechter und Linker wie kürzlich in Leipzig. Aber auch das zerstörte Vertrauen in die Medien, die öffentlichen Institutionen und die Kanzlerin Angela Merkel.

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Der Hass wächst

Sie schreibt:

Wir misstrauen einander, wir beginnen sogar einander zu hassen, weil die andere Meinung nicht nur eine andere Meinung ist, sondern an unser Existenzrecht rührt.

Und tatsächlich ist die Beobachtung von Maron richtig: Die Stimmung im Land verändert sich gerade rasend schnell. Wer vor ein paar Monaten noch eine konsequentere Flüchtlingspolitik forderte, galt als "aber-Nazi". Inzwischen wollen Politiker der Regierungsparteien straffällige Flüchtlinge ohne Prozess aus dem Land werfen. Andere wollen alle Flüchtlinge auf ihre "Sicherheit" überprüfen lassen.

Solchen Ideen, die in Folge der Vorfälle in Köln jeden Tag ein bisschen radikaler werden, rufen ungute Erinnerungen an die dunkelsten Zeiten Deutschlands wach.

Maron kreidet diese Entwicklung Kanzlerin Merkel und der Bundesregierung an. Die Politik hat durch ihr eigenes Versagen eine Radikalisierung im Land ausgelöst - und ihre eigene Radikalisierung.

Als sei das noch nicht genug, schreibt Maron, würden im kommenden Jahr statt der einen Million Flüchtlinge, die 2015 nach Deutschland kamen, 1,8 Millionen Menschen in Deutschland erwartet.

Zustand wie vor Hitlers Machtergreifung

Ihr Urteil:

"Ich weiß nicht, woran es unseren Regierenden mehr mangelt: an Phantasie, Mut oder Verstand."

Maron fragt sich also:

Wie wird das veränderte Deutschland aussehen, auf das Katrin Göring-Eckardt sich so freut, wenn der Kampf um Arbeitsplätze und billige Wohnungen erst einmal begonnen hat, wenn Hunderttausende junge Männer hier keine Frauen finden, wenn sie überhaupt erleben, dass wenig von dem, was sie für ein Versprechen hielten, sich erfüllen wird?

Marons Antwort ist düster. Sie erwartet Bürgerkriegsartige Zustände auf den Straßen und "Terror" in der Form der Übergriffe in Köln. Und ein tiefes Misstrauen der Deutschen gegen den Staat, der ihre Ordnung nicht mehr garantieren können. Was Maron in ihrem Essay beschreibt, erinnert an die Zustände in der Weimarer Republik, kurz vor Hitlers Machtergreifung.

Aber Maron belässt es nicht bei der Abrechnung. Sie präsentiert auch Lösungen. Deutschland müssen denen helfen, die wirklich Hilfe brauchen, schreibt sie. Nicht aber jenen, die nicht verfolgt würden und kein Anrecht auf Asyl hätten.

Außerdem müsse Deutschland mehr in den Grenzländern zu Syrien tun und den Flüchtlingen dort ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.

All das - auch wenn Maron das vielleicht nicht sehen will - sind politische Forderungen, die derzeit im Raum stehen. Ja, für die sogar Angela Merkel kämpft. Nur: Bisher versucht die Kanzlerin vergeblich das Problem zu lösen. Zu zerstritten ist Europa, zu unzuverlässig sind Länder wie die Türkei in der Zusammenarbeit in der Flüchtlingskrise.

Maron beendet ihren Text mit einigen Fragen, die sich derzeit wahrscheinlich viele Deutsche stellen:

Aber was tun wir, die weder mit Pegida spazieren gehen noch die AfD wählen wollen und trotzdem davon überzeugt sind, dass ein nicht absehbarer Flüchtlingsstrom Deutschland nicht ökonomisch, aber in seinem politischen und kulturellen Fundament gefährdet? Warum gehen wir nicht wie die freiheitsliebenden Polen auf die Straße, um von der Regierung zu fordern, dass sie das Gesetz nicht bricht? Warum stehen wir nicht an einem Sonnabend vor dem Reichstag und protestieren gegen eine kopflose Flüchtlingspolitik, die zudem rassistischen und rechtsextremen Kräften, die sie bekämpfen will, Vorschub leistet? Wir sind selbst verantwortlich für unser Land.

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