"Marokkaner bei Kriminalität überrepräsentiert": Terrorexperte Steinberg spricht Klartext bei "Maybrit Illner"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GUIDO STEINBERG
Terror-Experte Guido Steinberg bei "Maybrit Illner" | ZDF Mediathek
Drucken

Zwei schreckliche Themen hatte Maybrit Illner in ihrer ersten Sendung aufzubereiten. Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in Köln, dazu die mindestens neun getöteten deutschen Urlauber beim Anschlag in Istanbul. Das Jahr 2016 begann mit Gewalt. Die Angst ist groß. Müssen wir Terror als Teil des Alltags akzeptieren? Welche Konsequenzen sollen aus Köln und Istanbul gezogen werden?

Das waren die wichtigsten Aussagen der Gäste:

Thomas de Maizière, Bundesinnenminister: "Herkunft der Täter klar benennen"

Bei Männern aus Nordafrika gebe es eine "überdurchschnittliche Beteiligung an Kriminalität", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Ganz anders sehe es bei Syrern aus. Er ist erfreut darüber, "dass man die Dinge klar benennt" und über die Herkunft von Tatverdächtigen klar diskutiert. Der Minister sagte, bisher würden zu wenige Täter verurteilt. Er sprach sich für Schnellverfahren aus, wie sie bereits bei Hooligans angewendet werden.

Zum Attentat in Istanbul sagte der Innenminister: "Wir haben nach bisherigem Stand der Ermittlungen keine Hinweise darauf, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war. Das ändert aber nichts daran, dass wir im Fokus des internationalen Terrorismus sind. Damit müssen wir umgehen lernen!"

Guido Steinberg, Terror-Experte: "Marokkaner sind bei Kriminalität überrepräsentiert"

Der Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte: "Marokkaner sind bei der Kriminalität enorm überrepräsentiert." Allerdings gebe es in Ländern wie Marokko, Tunesien und Algerien Übergriffe wie in Köln nicht, weil weder die Gesellschaft noch der Staat so etwas hinnehmen würden. Er wies auf einen interessanten Zusammenhang zwischen den Übergriffen und dem Terror hin: Auch unter den Muslimen, die sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschließen, seien überraschend viele Marokkaner und Tunesier.

Sebastian Fiedler, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter: "Vermisse Bekenntnis der Politik zu Polizei"

Nordafrikanische Täter, die Raubüberfälle und Diebstähle begehen, kenne man aus vielen deutschen Städten, sagte Fiedler. Allerdings seien Übergriffe wie in Köln neu. Er warf Politikern vor, dass sie sich zu wenig hinter die Polizei stellten: "Ich vermisse ein wirklich tiefes Bekenntnis aller politischer Parteien für ihre Belegschaft. Das erwarten die Beamten von der Politik."

Cem Özdemir: "Politiker sollten sich auf die Seite der Polizei stellen"

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir wies darauf hin, dass das deutsche Recht Frauen bei Sexualdelikten wesentlich schwächer stellt als Gesetze in anderen europäischen Ländern. "Wir müssen die Polizei besser ausstatten", sagte er. Er stellte sich hinter Fiedler und forderte mehr Unterstützung der Polizei durch die Politik. "Wir Politiker sollten uns immer erst einmal auf die Seite der Polizei stellen. Gerade als Innenminister würde ich mich vor meine Polizisten stellen", sagte er an de Maizière gerichtet.

Menschenrechtlerin Seyran Ates: "Es geht doch um den Islam!"

Die Anwältin und Menschenrechtlerin warnte davor, sexuelle Übergriffe allein nordafrikanischen Männern zuzutrauen. Ein kulturübergreifendes Problem sei Alkohol: "Auch viele Muslime trinken heimlich Alkohol." Massenweise sexuelle Übergriffe von betrunkenen Männern gebe es auch beim Oktoberfest und dem Karneval in Rio.

Sie rief dazu auf, die Debatte ehrlich zu führen - und dabei dürfe man die Kultur der Täter nicht außer Acht lassen. So fuhr sie einmal sogar die Moderatorin an: "Es geht doch um den Islam. Sprechen Sie das offen aus!" Gleichzeitig sagte sie, dass man die Debatte mit Fingerspitzengefühl führen müsse. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Islam verhöhnen. Aber wir dürfen jetzt auch nicht den Fehler machen, Dinge nicht anzusprechen, weil wir Angst haben!"

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der "Zeit": "Wir kriegen kein Best-Of der Flüchtlinge"

Das beste Zitat des Abends lieferte der "Zeit"-Chef Ulrich. Er warf den Deutschen vor, mit naiven Vorstellungen an die Flüchtlingssituation herangetreten zu sein: "Wir kriegen kein Best-Of", sagte er im Hinblick auf die eintreffenden Flüchtlinge. "Wir kriegen von allem etwas. Das ist so!" Er wies auf die Probleme hin, welche die junge männliche Migranten schon vor ihrer Reise nach Deutschland hatten. "Die Männer haben in ihren Heimatländern keine Perspektive, hier aber auch nicht, weil sie keine Aussicht auf Asyl haben. Also werden sie schnell kriminell."

Auch auf HuffPost:

Bus mit Flüchtlingen: "Ich nehme alle und schicke sie weiter": Warum Peter Dreier zu Angela Merkel fährt

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.