"Wir sollten unsere Eltern töten": Die schreckliche Realität der Kindersoldaten des IS

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KINDERSOLDATEN IS
Sreenshot CNN
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Massenentführungen von Kindern in Krisengebieten sind nichts Neues. Laut eines Berichts der UN befanden sich 2015 nachweislich mindestens 1000 Kinder in Syrien und im Irak in der Gewalt der Terrormiliz "Islamischer Staat". Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Was das in der Realität für diese Kinder bedeutet, zeigt ein aktueller Bericht des US-Nachrichtensenders "CNN". Die Journalisten sprachen mit mehreren Kindern im Irak, die aus der Gefangenschaft des IS fliehen konnten.

Die Geschichte des 12-jährigen Nasir steht dabei exemplarisch für das Schicksal vieler. Noch vor ein paar Monaten war er in einem Propagandavideo des IS zu sehen, erfährt man im Bericht. Das Video zeigt ihn und ein Dutzend anderer Jungen im Alter von gerade Mal fünf bis 12 Jahren in einem der größten Kindersoldaten-Ausbildungslager der Terroristen im syrischen Raqqa.

Nasir sollte zum Selbstmordattentäter ausgebildet werden. Viele der anderen Jungen sollten an der Front kämpfen: "Mit Gottes Gnade werden sie in den kommenden Tagen in der Frontlinie im Kampf gegen Ungläubige stehen", hört man den Ausbilder im Video sagen.

Die Ausbilder versuchen, die Elternrolle zu ersetzen. Nasir erzählt dem CNN-Team, dass die Terroristen ihnen sagten, sie seien ihre neue Familie. "Beim Training sagten sie uns, dass unsere Eltern Ungläubige seien und dass es unsere erste Aufgabe sei, sie zu töten", erzählt der Junge den amerikanischen Reportern.

Dass die Kinder tatsächlich zum Einsatz kommen, bestätigt ein Kommandeur der kurdischen Peschmerga-Kämpfer gegenüber des Senders. Er berichtet von Kindern in den ersten Reihen der IS-Kämpfer. Das Problem: Die Jungen sind gut trainiert und unberechenbar. "Wenn du sie nicht tötest, töten sie dich", sagt der Mann gegenüber "CNN". Seine Einheit steckt in einem Dilemma – denn sie trifft aktuell auf immer mehr Kindersoldaten und ist oftmals gezwungen, das Feuer auf sie zu eröffnen.

Kinder, die entkommen konnten, sind meist auf psychologische Hilfe angewiesen. Laut eines aktuellen Berichts der UN sind umfassende Programme notwendig, um Kindern wie Nasir ins normale Leben zurückhelfen zu können. Laut des Berichts befindet er sich mittlerweile in einem Flüchtlingscamp in Kurdistan, zusammen mit seiner Mutter. Was aus den anderen Jungen aus dem IS-Video wurde, ist nicht bekannt.

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