WIRTSCHAFT
13/01/2016 22:17 CET | Aktualisiert 14/01/2016 12:52 CET

Medienbericht: Konzerne wie Aldi machten Werbung auf rechten Hetz-Seiten

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Diese Nachricht sorgt für Zündstoff: Mehrere Großkonzerne wie Aldi oder die Lufthansa sollen laut einem Medienbericht rechtspopulistische Seiten, die gegen Flüchtlinge und Andersdenkende hetzen, mit Werbegeldern unterstützt haben. Die SWR-Sendung "Report Mainz" hat nach eigenen Angaben Internetseiten mit fremdenfeindlichen Parolen über mehrere Wochen lang beobachtet. Dabei tauchten nach Darstellung des Senders immer wieder Werbung namhafter Firmen auf den Seiten auf.

Auf der rechten und als migrantenfeindlichen geltenden Seite "Politically Incorrect“ standen etwa Anzeigen der Lufthansa. Und das, obwohl das islamfeindliche Portal in der Vergangenheit sogar Angela Merkel mit Adolf Hitler verglichen haben soll.

Auf "Kopp Online“ war dem Bericht zufolge unter anderem Werbung von Aldi Süd zu sehen. Die Seite gilt als Hort rechter Verschwörungstheorethiker. In einem Artikel auf "Kopp Online", so der SWR-Vorwurf, habe es sogar geheißen, beim Flüchtlingszustrom handele es sich um den „genialsten Krieg aller Zeiten“.

Aldi und Co. sind allerdings an der peinlichen Panne nur bedingt selbst Schuld. Denn große Unternehmen arbeiten in der Regel mit Dienstleistern zusammen. Diese buchen nicht gezielt eine Webseite für ihre Werbung, sondern bestimmte Kontingente. Damit folgen die Konzerne Internetnutzern auf die Seiten, auf denen sie gerade surfen.

Firmen können beim Dienstleister allerdings bestimmte Seiten sperren lassen. Die eigene Werbung taucht dann dort nicht auf. Die betroffenen Konzerne distanzierten sich auf Anfrage von "Report Mainz" von den Inhalten der Webseiten und betonten, sie hätten nicht absichtlich dort geworben. Alle teilten mit, sie hätten die Anzeigen gestoppt und die Seiten nachträglich sperren lassen.

Auf Anfrage der Huffington Post teilt Aldi Süd mit: "Wie haben zu keinem Zeitpunkt den Auftrag erteilt, Inhalte auf rechtspopulistischen Seiten zu veröffentlichen oder diese dadurch finanziell zu unterstützen". Um dies zu verhindern, setzten die von dem Discounter beauftragten Agenturen bei der Schaltung unserer Werbebanner Mechanismen ein, "die regelmäßig verlässlich dafür sorgen, dass Webseiten mit rechtswidrigem, pornografischem, Gewalt verherrlichendem, hetzerischem oder ähnlich ungewünschtem Inhalt bei der Schaltung von Werbebannern von vorneherein ausgeschlossen werden".

Laut einem Unternehmenssprecher hätten "nach Rücksprache mit den Agenturen diese Mechanismen aber in diesem konkreten Fall offenbar leider versagt". Dies bedauere man sehr.

"Selbstverständlich ziehen wir aus diesem Vorfall alle notwendigen Konsequenzen, damit in Zukunft keine Aldi Süd Werbung auf solchen oder vergleichbaren Seiten erscheint." Neben sogenannten Blacklists, auf denen unerwünschte Seiten geführt würden, habe das Unternehmen die Seiten pi-news.de sowie info.koop-verlag.de auf eine zusätzliche, gesonderte Ausschlussliste gesetzt.

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