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Türkei-Experte: "Deutschland sollte ganz besonders getroffen werden"

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Aus Sicht von Udo Steinbach, der über drei Jahrzehnte das Deutsche Orient-Institut leitete, galt der Anschlag von Istanbul wohl auch der Bundesrepublik: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass Deutschland ganz besonders getroffen werden sollte", sagt der Professor im Gespräch mit der Huffington Post.

Schließlich sei die Bundesrepublik ja auch an dem Anti-Terror-Einsatz gegen den IS beteiligt. Mindestens acht von elf Opfern sollen Deutsche gewesen sein.

Klar ist Steinbach zufolge aber auch: "Das Hauptziel der Terroristen war, den türkischen Tourismus zu schädigen.“ Dieser sei eine der Haupteinnahmequellen des Staats am Bosporus. So solle die Handlungsfähigkeit der Türkei im Kampf gegen den IS weiter geschwächt werden. Nach anfänglichem Zögern beteiligte sich Ankara zuletzt an der Offensive einer internationalen Koalition unter US-Führung gegen syrische IS-Stellungen.

Es muss mit weiteren Anschlägen in der Türkei gerechnet werden

Steinbach rät deutschen Urlaubern zur Vorsicht. Der Professor ist überzeugt: "Es muss ganz sicher mit weiteren Anschlägen in der Türkei gerechnet werden." Selbst die Urlaubsziele an der Küste seien nicht sicher. "Besonders unsicher sind jedoch die türkischen Großstädte", sagte der Experte.

Der Experte befürchtet, dass die Türkei "nun noch weiter in den Konflikt dem Islamischen Staat hineingezogen wird". Dabei sei Ankara längst "beinahe im Kriegszustand mit dem IS“.

Aus Sicht von Steinbach ist die Außenpolitik von Staatschef Recep Erdoğan gescheitert. Lange Zeit hatte die türkische Regierung unter Erdoğan mit dem IS sympathisiert. "Zunächst unterstützte man die Al-Nusra-Front, dann den IS.“ Viel zu spät habe sich das Land gegen den IS gewandt.

Bereits im Oktober waren bei einem IS-Anschlag in Ankara auf eine kurdische Friedensdemo fast 100 Menschen getötet worden. "Nach Ankara und Istanbul muss Erdogan nun klar gegen den IS Front beziehen“, fordert Steinbach.

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