NACHRICHTEN
11/01/2016 18:40 CET | Aktualisiert 11/01/2016 18:44 CET

Videomaterial sichergestellt: Frau soll in Hamburger Bus belästigt worden sein

dpa

Seit den Vorfällen in Köln an Silvester scheinen sich die Anzeigen wegen sexuellen Übergriffen zu häufen. Am Sonntag soll nun erneut eine Frau in einem Linienbus in Hamburg belästigt worden sein.

Die Tat soll sich im Stadtteil Eidelstedt ereignet haben. Dort seien laut der 24-Jährigen Frau die Täter zugestiegen. Im Polizeibericht ist von 30 bis 40 Männern mit "südländischem Aussehen" die Rede.

Als das Opfer kurz darauf aus dem vollen Bus aussteigen wollte, drängte sie sich an den Männern vorbei, um zur Tür zu gelangen. Dabei wurde soll sie von mehreren Männern an verschiedenen Körperstellen begrapscht worden sein.

Laut der jungen Frau hielt der Bus an ihrer gewünschten Haltestelle nicht an und sie musste noch länger im Fahrzeug verharren und die unerwünschten Berührungen ertragen. Nach der Fahrt erstattete sie Anzeige bei der Polizei. Die Beamten sicherten das Videomaterial aus der Überwachungskamera des Busses, die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen.

Aussicht auf Verurteilung hat der Fall allerdings nach geltendem Recht nur, wenn die Frau sich gegen die Angriffe gewehrt hat - zum Beispiel durch Hilfe-Rufe. Da der Bus seine Fahrt jedoch ungeachtet der Vorfälle fortsetzte, legt das nicht nahe, dass sie viele Mitfahrer auf die Übergriffe aufmerksam machen konnte.

Viele Frauen wehren sich in so einem Überraschungsmoment allerdings nicht. Laut Katja Grieger, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe und „Frauen gegen Gewalt e.V.“ würden viele von Angriffen im öffentlichen Raum überrumpelt und befänden sich in einer "Schockstarre".

Justizminister Heiko Maas hatte gestern angekündigt, dass wegen Fällen wie diesen künftig der Vergewaltigungsparagraph verschärft werden soll. Die Gesetzesänderungen sind zwar schon länger geplant, sollen nach der Silvesternacht nun aber schneller auf den Weg gebracht werden.

An dem Fall aus Hamburg zeigt sich auch, was Köln schon verändert hat: Übergriffe im Bus gab es bisher sicher auch. Laut Grieger würden sich Frauen sich nun aber ermutigt fühlen, Vergewaltigungen und Angriffe ebenfalls anzuzeigen. „Der Aufruf der Polizei, sich zu melden, und die Stimmung in den Medien ‚Wir glauben euch’ hat sicher einen Einfluss“, sagt die Expertin.

Die gesellschaftliche Stimmung, dass sexuelle Gewalt schlimm ist, angesprochen werden muss und man den Opfern glauben sollte, bewege viele zur Anzeige. Und das ist ein erster Schritt, dass sich etwas ändert - mit der Gesetzesverschärfung könnte bald der zweite folgen.

Auch auf HuffPost:

Protokoll der Schande: Polizei zeigt genaue Liste der Belästigungen von Köln

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft