POLITIK
12/01/2016 05:09 CET | Aktualisiert 12/01/2016 06:34 CET

"Teuer und unnötig": Putin will keine Supermacht anführen

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Der russische Präsident Wladimir Putin

Wladimir Putin will nicht Anführer einer Supermacht sein. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung wies der russische Präsident den Vorwurf zurück, dass er einen Großmachtstatus für Russland erreichen wolle. Ein erster Teil des Interviews mit Putin war bereits gestern erschienen.

Er hatte für diese Aussage einen schlüssigen Grund. "Das ist viel zu teuer und unnötig", sagte Putin. Russland sei aber weiterhin eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Gelassen habe er auch auf die Äußerung von US-Präsident Obama reagiert, Russland sei nur noch eine Regionalmacht: "Das habe ich nicht ernst genommen. Jeder Staats- und Regierungschef auf der Welt kann natürlich seine Meinung haben und äußern. Barack Obama sagt ja ebenso, Amerika sei die 'auserwählte Nation'. Auch das nehme ich nicht ernst.“

Er bot der Nato eine neue Zusammenarbeit an. "Russland würde gern wieder mit der Nato zusammenarbeiten, Gründe und Gelegenheiten gäbe es genug.“ Aber es sei wie im richtigen Leben, so Putin: "Eine glückliche Liebe ist nur eine, die erwidert wird. Wenn man nicht mit uns zusammenarbeiten will, na bitte, dann eben nicht."

Auch an den Treffen der großen Industrienationen wolle Russland wieder teilnehmen. Russland sei "jederzeit bereit, wieder an G8-Treffen teilzunehmen", so Putin. Die Treffen, so der Präsident, "waren alles in allem durchaus nützlich, denn es ist immer gut, alternative Meinungen auszutauschen und Russland zuzuhören." Er habe aber in der Vergangenheit den Eindruck gehabt, "dass Russland nie ein vollwertiges Mitglied der G8-Gruppe war. Die Außenminister zum Beispiel trafen sich weiterhin im alten Format der sieben wichtigsten Staaten, G7, ohne Russland."

Putin machte auch einen Vorschlag zur Lösung des Syrien-Krieges. Er hat ein künftiges Asyl für den Diktator Baschar al-Assad in Russland nicht ausgeschlossen. "Es war sicherlich schwieriger, Herrn Snowden Asyl in Russland zu gewähren, als es im Fall von Assad wäre", sagte er. Auch er, Putin, sei "der Meinung, dass Präsident Assad viel falsch gemacht hat im Laufe dieses Konfliktes.

Der Konflikt sei aber von außen angeheizt worden. Er hätte niemals eine solche Größe gewonnen, wenn er nicht vom Ausland befeuert worden wäre - mit Waffen, Geld und Kämpfern. Gleichwohl wolle Russland nicht, dass "Syrien so endet wie der Irak oder Libyen", so Putin. Man sollte deshalb alles daransetzen, "die legitimen Machthaber in Syrien zu stützen". Putin: "Das soll aber nicht bedeuten, dass alles beim Alten bleiben kann. Wenn die Stabilisierung des Landes vorankommt, müssen eine Verfassungsreform folgen und danach vorgezogene Präsidentschaftswahlen. Nur das syrische Volk kann entscheiden, wer das Land in Zukunft regieren soll.“

Weniger versöhnlich äußerte er sich zum Nato-Mitglied Türkei. "Die Türkei ist zwar Mitglied der Nato, aber sie wurde nicht angegriffen. Darum muss die Nato die Türkei nicht schützen, und unsere Probleme mit der Türkei haben auch nichts mit der Nato-Mitgliedschaft dieses Landes zu tun", sagte Putin. "Die türkische Führung hätte sich besser für den Abschuss, der ein klares Kriegsverbrechen war, entschuldigen sollen, anstatt das Nato-Hauptquartier anzurufen."

Die Türkei drohe die Nato in einen Konflikt mit Russland zu ziehen. Wenn die Türkei ihre "ganz eigenen Interessen" in der Region" verfolge, "müssen weder Deutschland noch die Nato sie dabei unterstützen, oder?", fragte Putin. Er hoffe sehr, dass sich solche Ereignisse nicht zu großen militärischen Konflikten auswachsen."

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