POLITIK
10/01/2016 13:33 CET | Aktualisiert 10/01/2016 19:03 CET

Provokante Abrechnung mit den Kölner Sex-Angriffen: "Das hat auch mit dem Islam zu tun"

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Mehr als eine Woche nach der folgenreichen Silvesternacht in Köln sind noch viele Fragen offen. Wer waren die Täter? Haben sie sich abgesprochen? Welche Rolle spielt die Herkunft der Verdächtigen, unter denen sich auch Flüchtlinge befinden?

An Theorien für die massiven Übergriffe auf Frauen nahe dem Kölner Hauptbahnhof im Schatten des weltberühmten Doms mangelt es jedenfalls nicht.

Zeugen und Opfer hatten laut Polizei die Peiniger als Männer mit nordafrikanischem oder arabischem Aussehen beschrieben. Bislang ist ihnen noch nichts endgültig nachgewiesen. Ungeachtet dessen wird über einen denkbaren Zusammenhang zwischen den Übergriffen und der Herkunft der möglichen Täter diskutiert.

samad

Eine Erklärung verbreitet sich dabei rasend schnell im Internet, die der Publizist und Autor Hamed Abdel-Samad auf der Online-Seite des Polit-Magazins „Cicero“ veröffentlicht hat. Sie ist eine im Stil ruhige, aber deutliche Abrechnung mit dem Islam, der laut Abdel-Samad auch eine Erklärung für die Silvesternacht in Köln ist.

Eine Religion, die die Frau als Besitz sieht

Über 95 Prozent aller Frauen in Ägypten – Abdel-Samads Heimatland – würden alltägliche Erfahrungen mit sexueller Belästigung machen. Man könne nicht sagen, dass das nichts mit dem Islam zu tun hätte. „Eine Religion, die die Frau entweder als Besitz des Mannes oder als eine Gefahr für seine Moral sieht, ist mitverantwortlich“, schreibt Abdel-Samad im „Cicero“. Dafür verantwortlich sei eine strenge Sexualmoral, die Hierarchisierung und die Geschlechterapartheid, die oft ins Gegenteil umschlage.

Der Text geht unter dem Video weiter

Die junge Generation würde in der arabischen Welt in einer Dualität aufwachsen. „Zuhause und in der Moschee wird sie moralisch streng erzogen. Im Internet dagegen erleben sie eine Welt, in der es keine Grenzen zwischen Mann und Frau, in der es keine festgeschriebene Moral gibt.“, schreibt Abdel-Samad.

Diese Dualität würde sich vor allem dann zeigen, wenn sie in die westliche Welt fliehen – „viele von ihnen kommen mit dieser Seuche im Gepäck nach Europa“, schreibt der Autor.

„Da ihnen im Westen dann plötzlich die Gemeinschaft fehlt, die ihr moralisches Verhalten überwachen kann, flippen sie aus, organisieren sich in Kleingruppen und bilden Ersatzgemeinschaften. Die einen werden Salafisten, die anderen werden Dealer, Straßendiebe oder Frauenbegrapscher. Die einen sehen in den europäischen Männern nur die Kreuzritter, die den Islam zerstören wollen, die anderen sehen in den Frauen nur die Pornosternchen, die sie früher im Internet gesehen haben.“

Als Konsequenz fordert Abdel-Samad eine offene und ehrliche Debatte über das Thema. „Wir haben ein ernstes Problem. Vertuschen und Schönreden macht alles nur noch schlimmer! Frau Merkel, Herr Innenminister, übernehmen Sie!“

Natürlich bringen Menschen ihre Sozialisation mit

Abdel-Samad ist nicht der einzige, der den Islam für die Übergriffe in Köln mitverantwortlich macht. Auch die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sprach im ZDF von einem „patriarchalischen Problem“ bei den Übergriffen: „Ich denke schon, dass es Auswüchse dieser speziellen Kultur sind. Sicher bringen Menschen ihre Sozialisation mit.“

Der Berliner Autor Ahmad Mansour („Generation Allah“) schrieb: „Solche Taten gibt's leider in unterschiedlichen Kulturen und die Gründe dazu können sehr unterschiedlich sein. Jedoch in manchen arabischen Kulturen führen Erziehungsmethoden, die auf Tabuisierung der Sexualität und Abwertung von Frauen basieren, zu solchen Taten.“

In der Debatte um die Angreifer von Köln fällt auch der Begriff „Parallelgesellschaft“. Ein Thema, mit dem sich die Integrationsforscherin Martina Sauer vom Zentrum für Türkeistudien in Essen befasst. Parallelgesellschaft definiert sie als „ein Leben ohne Kontakte zu Deutschen und ohne Einbindung in die Mehrheitsgesellschaft“.

Was das im Alltag auch bedeuten kann, wissen etwa Politiker aus Berlin-Neukölln zu berichten, dem größten Bezirk der Hauptstadt mit 326.000 Einwohnern. SPD-Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey oder ihr Vorgänger und Parteifreund Heinz Buschkowsky sehen neben einer Mehrheit von integrierten Migranten auch Gruppen mit eigener Sprache und eigenen Normen und Verhaltensweisen.

Ist das gegen den Koran?

Giffey (37) zählte kürzlich Beispiele auf: Immer wieder würden in den Schulen, in denen zum Teil 90 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund hätten, bestimmte Fragen auftauchen: „Darf der Hausmeister durch die Halle laufen, wenn die Mädchen Sport machen? Dürfen Kinder in der dritten Klasse noch gemeinsam vor dem Schwimmen duschen oder ist das gegen den Koran?“

Es gebe Männer, die Frauen nicht die Hand geben würden. „Und wir haben immer noch das Thema Zwangsheirat.“

Die Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes nannte kürzlich die Zahl von 3443 drohenden oder vollzogenen Fällen von Zwangsehen in türkischen oder arabischen Familien im Jahr in Deutschland.

Mit Material von dpa

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