POLITIK
09/01/2016 19:52 CET | Aktualisiert 09/01/2016 19:54 CET

Vertraulicher Bericht zu Köln: Polizei sprach bereits in der Silvesternacht von "zu geringem Kräfteansatz"

dpa

Zu den Ausschreitungen in Köln in der Silvesternacht tauchen immer neue Informationen auf. Der Polizeichef der Stadt, Wolfgang Albers, hatte zunächst behauptet, die Einsatzlage sei "entspannt" gewesen - was sich als großer Irrtum herausstellte und ihn schlussendlich sein Amt kostete.

Von einem entspanntem Einsatz kann für die Polizisten im Gegenteil keine Rede sein. Wie überfordert und unterbesetzt die Beamten tatsächlich in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof waren, zeigt sich nun immer deutlicher.

Jetzt ist ein vertrauliches Papier aufgetaucht, das deutlich macht: Die Bundespolizei berichtete bereits in der Tatnacht von schweren Pannen beim Polizeieinsatz. In dem Papier, das der "Welt am Sonntag" vorliegt, heißt es: "Aufgrund des zu geringen Kräfteansatzes, war es zu Spitzenzeiten nicht möglich, die angefallenen Strafanzeigen aufzunehmen.“

Der Bericht spricht zudem bereits eindeutig von Migranten. Anders als von Albers also zunächst behauptet, wusste die Polizei bereits am 31. Dezember (von da stammt der Stempel auf dem Papier), dass es sich bei den Tätern - zumindest zum Teil - um Asylbewerber handelte. "Auffällig war die sehr hohe Anzahl an Migranten innerhalb der polizeilichen Maßnahmen der Landespolizei und im eigenen Zuständigkeitsbereich", heißt es darin.

Es ist sogar die Rede von einer "Masse Migranten". In dem Bericht steht: "Der Bahnhofsvorplatz, Domtreppe war mit mehreren tausend Personen (mit Masse Migranten) gefüllt."

Dennoch wurde der Einsatz nicht verstärkt. Es waren lediglich 142 Beamte der Kölner Polizei vor Ort. Von der Bundespolizei waren es laut dem Bericht 70 Einsatzkräfte.

Albers war vorgeworfen worden, in den ersten Lageberichten bewusst die Nationalität von Männer unterschlagen zu haben, deren Personalien im Bahnhof festgestellt worden waren. Nicht nur Albers, auch die Oberbürgermeisterin von Köln, Henriette Reker, und der Innenminister von NRW, Ralf Jäger, stehen seit den Vorfällen unter massiver Kritik.

In der Nacht von 31. Dezember auf 1 Januar war es am Kölner Hauptbahnhof zu mehreren hundert Fällen sexueller Gewalt und Überfällen auf Frauen gekommen. Bis dato sind fast 400 Anzeigen bei der Polizei eingegangen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

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