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Chinas Börsenbeben greift auf Deutschland über - 7 Dinge, die ihr wissen müsst

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Die Kurseinbrüche an Chinas Börsen greifen auf die weltweiten Finanzmärkte über. In Frankfurt knickte der Dax ein, in Japan der Nikkei, und auch die Wall Street startete deutlich tiefer. Die Anleger flüchteten in vermeintlich sichere Anlageformen wie Gold. Denn die beiden Länder sind wirtschaftlich eng verwoben. US-Starinvestor George Soros sieht die Turbulenzen als dramatische Vorzeichen - und erwartet eine schwere Finanzkrise.

Warum alles so kam und wie es weitergehen könnte: Hier die sieben wichtigsten Dinge, welche die Deutschen nun wissen müssen.

1. Warum fielen an Chinas Börsen die Kurse?

Konkreter Auslöser des erneuten Börsendramas in China war eine neuerliche Abwertung der Landeswährung Yuan (Renminbi) durch die chinesische Notenbank. Der Schritt könnte auf eine noch größere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten als aus offiziellen Statistiken hervorgehe, sagte Marktanalyst Angus Nicholson vom Broker IG. Eine schwächere Währung erleichtert den Export.

Auch die Veröffentlichung schlechter Daten zur Stimmung in Chinas Wirtschaft trug dazu bei. "Die Wachstumsaussichten für China haben sich eindeutig eingetrübt", sagt Hao Zhou, Analyst bei der Commerzbank. Schon lange bereitet die stotternde Konjunkturlokomotive China den Anlegern Kopfschmerzen. Die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten sind vorbei - die Regierung selbst geht noch von einem Zuwachs um 6,8 Prozent aus. Viele Experten halten allerdings selbst das für viel zu optimistisch.

2. Warum greift das Börsenbeben in China auf den deutschen Markt über?

Der Kursrutsch in China hat gestern auch den Dax mit in die Tiefe gerissen. Der deutsche Leitindex war bereits nach dem Auftakt deutlich unter die Marke von 10 000 Punkten gefallen. Am Ende stand der Dax mit 2,29 Prozent im Minus bei 9979,85 Punkten - und damit auf dem Niveau von Mitte Oktober 2015. Zwischenzeitlich war er sogar um knapp 4 Prozent abgesackt. Im späten Handel erholte sich der Leitindex wieder ein wenig, nachdem die Wall Street anfängliche Verluste etwas reduziert hatte.

Zusammen mit dem Kurssturz vom Jahresauftakt hat der Dax inzwischen über 8 Prozent an Wert verloren. Damit hat das wichtigste deutsche Börsenbarometer nunmehr einen Großteil seines Jahresgewinns 2015 eingebüßt.

China ist für die stark exportorientierten Unternehmen in Deutschland ein wichtiger Absatzmarkt. Dementsprechend groß ist die Sorge, dass Chinas Wirtschaft eine harte Landung hinlegt.

"Der Einbruch an den Börsen im Fernen Osten trifft den deutschen Aktienindex zu einem Zeitpunkt, an dem er ohnehin bereits angeschlagen ist", sagte Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin "Index-Radar" zu bedenken. So lasten unter anderem die Spannungen zwischen den Ölförderern Saudi-Arabien und Iran sowie der Atomstreit mit Nordkorea auf den Kursen.

3. Wie geht es weiter mit dem Dax?

Die China-Turbulenzen gleich zu Jahresbeginn sind ein schlechtes Omen: Experten rechnen in diesem Jahr mit starken Schwankungen bei den Kursen. Sie vermuten aber, dass der Dax spätestens zum Jahresende wieder den Sprung über die Marke von 10.000 Punkten schafft. Denn ein Ende der Billiggeld-Flut insbesondere der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nicht in Sicht. Und das wiederum begünstigt Aktien.

Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des deutschen Groß- und Außenhandels, sieht keinen Grund zur Panik: Mögliche Absatzeinbußen in China könnte die deutsche Wirtschaft in den USA oder in Europa ausgleichen, sagte er dem "Tagesspiegel". Beide Regionen entwickelten sich bis zuletzt positiv - so ist die Arbeitslosenquote in der Eurozone im November auf den niedrigsten Stand seit 2011 gefallen, und die Stimmung in der Wirtschaft ist so gut wie seit vier Jahren nicht mehr.

4. Welche deutschen Branchen werden am meisten unter dem Kurssturz leiden?

Besonders wichtig ist der chinesische Markt für die deutschen Autobauer. Vor allem Volkswagen und die Premiumtochter Audi hängen stark am China-Geschäft. Entsprechend lagen die Aktien von VW, BMW und Daimler am Donnerstag am Dax-Ende mit Verlusten von je fast 5 Prozent. Auch die Zulieferer traf es teils hart.

5. Welchen Zusammenhang gibt es mit der US-Zinswende?

Das ist zumindest denkbar. Im Dezember hatte die US-Notenbank Fed erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen von der Nulllinie angehoben. Einige Experten hatten vor einer Kapitalflucht aus den Schwellenländern gewarnt, denn höhere Zinsen in den USA machen die Geldanlage andernorts weniger attraktiv. Tatsächlich stürzte Chinas Währung Yuan (Renminbi) am Donnerstag auf den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren ab.

6. Welche Verantwortung trägt die chinesische Führung für die Turbulenzen?

Viele Experten sehen eine Mitverantwortung. Seit Jahresbeginn gilt in China eine neue Regelung, nach der bei starken Kurseinbrüchen der Handel vorübergehend ausgesetzt oder sogar ganz eingestellt wird - eigentlich eine Notfallmaßnahme, die aber die Anleger möglicherweise zusätzlich verunsichert.

Mit massiven Aktienkäufen über staatlich kontrollierte Fonds haben die Behörden seit Montag zudem versucht, den Kursverfall aufzuhalten. "Es besteht das Risiko für die chinesische Administration, dass sie das Vertrauen, das ihr bislang für die zahlreichen Reformschritte und die Öffnung des Landes entgegengebracht wurde, verspielt", sagt Dirk Gojny, Analyst bei der National-Bank.

7. Wie will die chinesische Führung die Lage unter Kontrolle bekommen?

Die chinesische Börsenaufsicht kam am Donnerstag zu einem Krisentreffen zusammen. Medienberichten zufolge traf sie dabei allerdings keine konkreten Entscheidungen. Offenbar gibt es aber Überlegungen, ein Verkaufsverbot für einige Großinvestoren zu verlängern, das eigentlich an diesem Freitag auslaufen sollte.

Das Verbot gilt seit einem halben Jahr. Damit hatten die chinesischen Behörden auf erste Marktturbulenzen im Sommer reagiert. Zuvor waren die Kurse in China über Monate massiv gestiegen. Auch Millionen Privatanleger wollten ihr Stück vom Kuchen abhaben - und kauften notfalls auf Pump. Diese Sorglosigkeit wird ihnen nun zum Verhängnis.

Mit Material der DPA

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