WIRTSCHAFT
07/01/2016 22:58 CET

Investor George Soros: China-Absturz könnte neue Finanzkrise auslösen

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US-Investorenlegende George Soros

In China stürzen die Börsenkurse ein, der Handel wird ausgesetzt. In Deutschland kollabiert der Finanzmarkt, der DAX rutscht ab. Nur ein vorübergehendes Beben? US-Starinvestor George Soros sieht die Turbulenzen als dramatische Vorzeichen - und erwartet eine schwere Finanzkrise.

Er warnte bereits vor früheren Krisen

Soros ist beileibe kein Schwarzmaler oder Untergangsprophet: Er sah auch 2008 und 2011 schwere Verluste voraus - und behielt recht. Die Finanzkrise ab 2008 etwa vernichtete Milliarden von Anleger-Euros, die Finanzwelt lag in Trümmern.

Nun, sagt Soros, geht die Krise von China aus, wie er laut "Bloomberg" auf einem Wirtschaftsforum in Sri Lanka sagte. Denn die Wirtschaft des Landes kämpft mit großen Schwierigkeiten - und die Auswirkungen sind längst in der westlichen Welt zu spüren. Diese 3 Gründe sprechen für einen Börsencrash in nächster Zeit:

1. China sucht nach einem Wachstumsmodell

Vormals war China, nahezu konkurrenzlos günstig durch billigste Arbeitskosten, die Werkbank der Welt. Mit der Produktionsindustrie kamen der Wohlstand und der Aufstieg zur Wirtschaftsmacht - mit der Folge, dass Fertigungsaufträge mittlerweile andernorts deutlich günstiger zu erledigen sind.

Was kommt nach der Werkbank? Als Nation der Vordenker und Ingenieure ist China weit hinter anderen Nationen im Rennen. Das Land habe Schwierigkeiten, ein neues Wachstumsmodell zu finden, sagt Soros. "China hat ein großes Anpassungsproblem", sagt der 85-Jährige. Und: "Ich würde sagen, es läuft auf eine Krise heraus."

2. Die Währungsabwertung sorgt für Schwierigkeiten

Die chinesische Zentralbank kann den Wechselkurs zum Dollar nach eigenem Ermessen festlegen. Das Land hat den Yuan im Vergleich zum Dollar abgewertet, um international billiger zu werden - im Sommer 2015 um drei Prozent. Nun spielen die chinesischen Währungshüter mit dem Gedanken, erneut abzuwerten. Dieser Eingriff in den Währungsmarkt hat Investoren international beunruhigt.

"Der Blick auf die Finanzmärkte zeigt eine ernsthafte Herausforderung, die an die Krise erinnert, die wir 2008 hatten", sagt Soros. Auch andere Parallelen zeigen sich: Die Zentralbank hat - im Gegensatz zur US-Notenbank Fed - den Leitzins gesenkt, um Kredite für Firmen zu verbilligen. Dies ist ein Zeichen, dass die Industrie des Landes an großen Schwächen zu tragen hat.

3. Die Maßnahmen Chinas wirken wie Flickschusterei

Die Probleme in Chinas Produktionssektor wie auch im Finanzmarkt sind unübersehbar. Untätigkeit kann man den chinesischen Behörden nicht vorwerfen - nur wirken die Maßnahmen wie panischer Aktionismus. Um die heimische Wirtschaft zu fördern, hat der Staat Milliarden an Subventionen in die Wirtschaft gepumt. Dies kann jedoch höchstens kurzfristig für Erholung sorgen - schließlich fallen so Anreize für die chinesischen Unternehmen weg, mit Erfindungskraft am internationalen Markt zu bestehen.

Auch die Maßnahme, die eigenen Waren per Währungsabwertung im Ausland zu verbilligen, ist keine Lösung langfristiger Denker. Denn im Gegenzug werden Importe nach China durch diesen Schritt teurer. Das Resultat der Rettungsversuche: Börsenkurse international schossen abwechselnd in die Höhe und in die Tiefe, allein in den Handelstagen dieses Jahres wurden weltweit 2,5 Billionen US-Dollar an Investorengeldern verbrannt (eine Billion sind eintausend Milliarden).

Investor Soros zufolge ist das erst der Anfang.

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