POLITIK
06/01/2016 12:36 CET

Führende Muslime fordern Rücktritte bei der Kölner Polizei

dpa
Führende Muslime fordern personelle Konsequenzen

Führende Muslime fordern Rücktritte bei der Kölner Polizei. "Wenn die Ermittlungen ergeben, dass tatsächlich 1000 Männer gezielt übergriffig wurden und die feiernden Bürger nicht vor sexuellen Übergriffen geschützt werden konnten, dann erwarte ich für die Verantwortlichen Konsequenzen", sagte Bekir Alboğa vom größten Deutschen Islam-Verband, Ditib, der "Welt". Lamya Kaddor, Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, äußerte sich fast wortgleich.

Auch Ismail Tipi, integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, sprach sich für personelle Konsequenzen aus. Aus "falsch verstandener Toleranz und Multikultiromantik" sei Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren zu einem Sammelbecken für migrantische Straftäter und Islamisten geworden, sagte er der Zeitung.

Deutliche Worte hatte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière gefunden. In den "Tagesthemen" der ARD bemängelte der CDU-Politiker den Einsatz der Kölner Beamten: "Da wird der Platz geräumt - und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten."

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers dagegen schloss einen Rücktritt aus. In einem Interview auf WDR 5 sagte er am Mittwoch: "Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt."

Islamwissenschaftlerin Kaddor warnte in der "Welt" auch vor Ausländerfeindlichkeit. "Mich stört die Ausrichtung auf die angenommene Herkunft der Verdächtigen. Patriarchales Verhalten ist kein spezifisches Problem des Islam, das ist auch in Südamerika und Indien verbreitet, also in nicht muslimischen Ländern."

Der Journalist Eren Güvercin warnte in der HuffPost ebenfalls vor einem Kulturkampf. Er wehrt sich dagegen, das Verhalten eines "asozialen Packs" auf "den Islam" zu übertragen. "Wenn die sexuelle Belästigung von Frauen Teil des muslimischen Frauenbildes ist, ist der stark alkoholisierte Zustand dieser Männer dann auch eine Folge ihrer tiefen Religiosität? Trotz Alkoholverbot im Islam?"

Mit Material von dpa

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