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Zwei Polizeiberichte werfen ein völlig neues Licht auf die Ereignisse in Köln

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Zwei Polizeiberichte enthalten politischen Sprengstoff. Die Aussagen von Beamten über die sexuellen Übergriffe auf der Domplatte widersprechen der Darstellung von Kölns Polizeipräsident Albers in zwei kritischen Punkten. In einer Pressekonferenz am Montag hatte der zum einen ausgesagt, dass die Identität der Täter nicht bekannt sei. Zum anderen sagte Albers, dass die Polizei erst im Laufe der Nacht durch Anzeigen von sexuellen Übergriffen erfahren habe.

Polizisten widersprechen dem. Im "Kölner Express" berichtet ein Beamter nun, dass es in der Nacht 15 vorläufige Festnahmen durch seine Gruppe gegeben habe, bei der die Identität der Festgenommenen festgestellt wurde. Die 15 vorläufig Festgenommenen hätten "Aufenthaltsbescheinigungen zur Durchführung des Asylverfahrens" bei sich gehabt, so der Beamte.

Die Festgenommenen stammten aus dem Nahen Osten. Diese Personen seien "definitiv erst wenige Tage oder Wochen" in Deutschland gewesen. Der Polizist sagt, "von diesen Personen waren 14 aus Syrien und eine aus Afghanistan. Das ist die Wahrheit. Auch wenn sie schmerzt.“ Man habe sogenannte Sammellisten erstellt, auf denen die Personalien der Verdächtigen festgehalten worden seien. Diese seien jetzt unter Verschluss und geheim.

Der Beamte sagte weiter: "Wir haben mit Flüchtlingshelfern gesprochen, die in der Nacht dort die arabischen Personen begleitet haben. Auch Sanitäter und Notärzte können bestätigen, dass es sich zum Teil um Asylbewerber gehandelt hat."

Das widerspricht der offiziellen Darstellung der Polizei. Erst gestern hatte ein Polizeisprecher ausgesagt, es gebe keine Belege, dass Asylbewerber unter den Tätern waren. Die Polizei habe drei Verdächtige ermittelt, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf. Jäger gab auch an, dass es in der Nacht keine Festnahmen gegeben habe.

Wer sagt die Wahrheit? Eine Erklärung dieses Widerspruchs könnte sein, dass in der Nacht tatsächlich 15 Asylbewerber festgehalten wurden - aber eben nicht wegen sexueller Übergriffe oder Diebstählen. Ein Festhalten bedeutet noch nicht, dass eine Straftat stattgefunden hat. So darf die Polizei Personen festhalten, um ihre Personalien überprüfen. Oder zu ihrem eigenen Schutz, wenn sie betrunken sind.

Unklar ist, was der Polizist mit einer "vorläufigen Festnahme" meint. Denn in Deutschland sind Festnahmen immer vorläufig. Ein Festgenommener muss innerhalb eines Tages einem Haftrichter vorgeführt werden. Ob dies im Fall der 15 Asylbewerber stattgefunden hat, steht nicht in dem Bericht.

Noch ein weiterer Bericht widerspricht der offiziellen Darstellung. Der "Bild"-Zeitung liegt der Einsatzerfahrungsbericht eines leitenden Polizisten aus der Nacht vor. Er soll eine Hundertschaft bei einem Unterstützungseinsatz am Kölner Hauptbahnhof angeführt haben. Der Beamte berichtet, dass ihm schon bei der Räumung des Platzes über sexuelle Übergriffe berichtet wurde. Zuvor hatte die Polizei berichtet, dass sie erst durch Anzeigen von den Sexualdelikten erfahren habe.

Bei ihrer Ankunft habe die Polizei völliges Chaos vorgefunden. "Wir kamen zu dem Entschluss, dass die uns gebotene Situation (Chaos) noch zu erheblichen Verletzungen, wenn nicht sogar zu Toten führen würde."

Viele Frauen hätten vor Ort sexuelle Angriffe geschildert. "Im Einsatzverlauf erschienen zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen bei den eingesetzten Beamten und schilderten sex. Übergriffe durch mehrere männliche Migranten/ -gruppen. Eine Identifizierung war leider nicht mehr möglich."

Gruppen von Tätern hätten dabei die Polizei von den Opfern abgeschirmt: "Wurden Hilferufe von Geschädigten wahrgenommen, wurde ein Einschreiten der Kräfte durch herumstehende (Mitglieder?) z. B. durch Verdichten des Personenringes/Massenbildung daran gehindert, an die Betreffenden (Geschädigte/Zeugen/Täter) zu gelangen.

Wie sind diese Berichte zu bewerten? In beiden wird weder die Identität noch der Dienstrang der Beamten bekanntgegeben, was eine Einschätzung ihres Wahrheitsgehalts schwierig macht. Überraschend ist, dass sie erst eine Woche nach den Ereignissen und drei Tage, nachdem deutschlandweit über die Vorfälle berichtet wurden, erscheinen. Erfahrungsgemäß neigen Augenzeugen dazu, ihre Berichte mit Aussagen von anderen und Medienberichten zu vermengen, wenn das Gesehene länger zurückliegt.

Der Bericht in der "Bild"-Zeitung ist stellenweise politisch eingefärbt. Er bleibt nicht immer sachlich und versucht, die Ereignisse mit Merkels Flüchtlingspolitik in Verbindung zu bringen. Zum Beispiel, wenn das "breite Grinsen" beschrieben wird, mit dem Migranten den Polizisten sagten, dass Merkel sie "eingeladen" habe.

Sicher ist, dass sie den Druck auf Polizeipräsident Albers erhöhen werden. So forderte gestern Kölns CDU-Chef Bernd Petelkau bereits den Rücktritt des Sozialdemokraten. Auch FDP-Chef Christian Lindner stimmte dem zu: "In Köln braucht Sicherheit einen Neuanfang, auch einen personellen."

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