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06/01/2016 10:47 CET | Aktualisiert 06/01/2016 10:48 CET

So erlebte eine junge Frau den Horror von Köln

Oliver Berg/dpa
Eine Augenzeugin berichtet ihr Erlebnisse

Die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln haben landesweit Wut und Entsetzen ausgelöst. Das noch junge Jahr hat bereits nach wenigen Tagen seine erste ganz große Debatte: über Gewalt gegen Frauen, Sicherheit im öffentlichen Raum und die Verrohung der Gesellschaft. Für die betroffenen Frauen aber geht es erst einmal um ganz Konkretes, darum, das Erlebte zu verarbeiten.

Im Interview mit "Focus Online" berichtet eine junge Frau, die am Kölner Hauptbahnhof Opfer sexueller Übergriffe wurde. Die Betroffene - von der Redaktion Lisa M. genannt - sagt, sie habe sich in der Silvesternacht "gefühlt, wie in einem anderen Land: total fremd und überhaupt nicht sicher." Gegen 0.30 Uhr sei sie mit ihren Freundinnen am Hauptbahnhof angekommen.

An einer Rolltreppe hätten sie die ersten Übergriffe erlebt: "Eine Freundin, die vor mir lief, ist durchgedreht und hat wild um sich geprügelt mit Händen und Füßen. Meine andere Freundin war hinter mir und hat geweint und geschrien. Die Männer haben einfach überall ihre Finger reingesteckt."

Es habe keine Möglichkeit gegeben, den Bahnhof zu verlassen, ohne durch die Horde der Sextäter laufen zu müssen. Auch in der U-Bahn seien die die Attacken weitergegangen. Obwohl ein Sicherheitsmann in der Bahn gewesen sei, sei Lisa M. auch dort an den Armen und Haaren angefasst worden.

Den Einsatz der Polizei bewertet sie zwiegespalten: Kurz nachdem sie und ihre Freundinnen weinend den Einsatzkräfte ihre Erlebnisse geschildert hätten, habe die Polizei "relativ schnell eine Truppe zusammengestellt". Doch als sie sich gegen 4 Uhr wieder auf den Heimweg machten, sei weit und breit kein einziger Polizist zu sehen gewesen: "Zwischen Dom und Wartesaal stand ein Wagen, aber direkt an den Türen vom Hauptbahnhof war gar keiner", sagt Lisa M. Und bezweifelt gleichzeitig, dass mehr Polizei bei der Masse der Angreifer etwas hätte ausrichten können.

Anzeige hat die junge Frau keine erstattet: "Man kann die Täter sowieso nicht identifizieren, es waren viel zu viele. Und es hätte auch mich zu sehr aufgewühlt, nochmal alles zu schildern und zu durchleben."

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