POLITIK
07/01/2016 05:36 CET | Aktualisiert 07/01/2016 05:42 CET

BND warnt vor einer Falle des IS - doch wir laufen gerade hinein

AP
Ein IS-Kämpfer in einem Propaganda-Video

Der IS hat einen radikalen Strategiewechsel vollzogen. Dieser erhöhe die Bedrohung für westliche Staaten in einem nie dagewesenen Ausmaß. Zu diesem Schluss kommt der Bundesnachrichtendienst nach Angaben aus Regierungskreisen. In den Analysen, die SZ, NDR und WDR einsehen konnten, heißt es, die Lage sei "für die westliche Staatengemeinschaft heute ungleich gefährlicher" als 2001, im Jahr der Anschläge auf New York und Washington.

Die Bedrohung sei so hoch wie nie. Der sogenannte Islamische Staat aber auch al-Qaida beherrschten heute "mehr Raum als jemals zuvor", zudem sei die "Zone der Instabilität vom Hindukusch in die unmittelbare Nachbarschaft Europas vorgerückt", die Zahl der "Terrorfreiwilligen aus dem Westen überschreite alle bisher bekannten Dimensionen".

Der Westen soll geradezu dazu gedrängt werden, militärisch in der Region zu intervenieren

Der IS sei inzwischen in 30 Ländern "präsent". Er habe ein "vitales Interesse an Failed States", heißt es weiter. Er suche wie zuvor schon al-Qaida nun auch den "direkten Kampf" mit dem Westen. Diesen "Strategiewechsel" habe die Terrormiliz bereits im September angekündigt. Gezielt verfolge er seither mit Anschlägen, "seine Gewalt in die Heimat der ihn bekämpfenden Streitkräfte" zu tragen.

Der IS stellt dem Westen eine Falle. Mit Provokationen und Terroranschlägen will er westliche Staaten zu einem Bodenkrieg provozieren. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Annahme, dass der IS mithilfe von Terroranschlägen den Westen vor einer militärischen Intervention warnen wolle, sehne er diese geradezu herbei. Der Westen solle "geradezu dazu gedrängt werden, militärisch in der Region zu intervenieren".

Daher provoziere er gezielt den Westen. Auch die öffentliche Hinrichtung westlicher Geiseln oder die massenhafte Tötung von Jesiden sei bereits eine gezielte Provokation gewesen. Angesichts der Ideologie des IS dürfe man nicht darauf hoffen, dass der IS bei "nachhaltigen militärischen und machtpolitischen Rückschlägen seinen Kampf gegen den Westen einstellen werde".

"Anschläge im Westen dienen dazu, den Hass auf Muslime zu stärken

Vielmehr fühle sich der IS damit nur bestärkt. Zudem helfe es ihm, in eine "Opferrolle zu schlüpfen" und damit wiederum bisher gemäßigte Muslime auf seine Seite zu ziehen. Auch die Anschläge im Westen dienten dazu, den "Hass auf Muslime" zu stärken - und durch die damit einhergehende Polarisierung neue Rekruten zu finden. Die Analysen sollen wenige Tage vor der Eroberung der Stadt Ramadi durch irakische Streitkräfte entstanden sein.

Militärisch lasse sich das Problem nicht lösen. Langfristig, so der BND, werde nicht allein der Einsatz von Militär zur Lösung des Problems führen, vielmehr müsse man der dschihadistischen Ideologie den Boden entziehen. Der Salafismus sei durch die jahrzehntelange Missionierung durch Saudi-Arabien und andere Golfstaaten heute ein "gesellschaftlich relevantes Breitenphänomen". Vor allem aber müssten die Staaten in der Region für "perspektivisch bessere Lebensbedingungen" und ein "hohes Maß an Selbstbestimmung sorgen". Doch gerade dies sei "Mangelware".

Gestern verstärkte der IS seine Angriffe im Irak. Die Terrormiliz griff die Stadt Haditha an. In den vergangenen drei Tagen seien dort 45 Sicherheitskräfte und sunnitische Stammeskämpfer getötet worden, sagte Stadtrat Chalid Salman am Mittwoch. Weitere 30 regierungstreue Kämpfer seien verletzt worden.Vertreter der US-geführten Anti-IS-Koalition sagten, Selbstmordattentäter seien in mit Sprengstoff beladenen Fahrzeugen von drei Seiten auf die Stadt zu gefahren.

Mit Material der AP

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