POLITIK
06/01/2016 15:26 CET | Aktualisiert 08/01/2016 15:46 CET

6 Fakten, die ihr jetzt zu den Übergriffen von Köln wissen müsst

Getty Images

Die Übergriffe aus Frauen vor dem Kölner Hauptbahnhof an Silvester sorgen derzeit für hitzige Diskussionen. Oft gehen dabei jedoch die Fakten verloren und werden durch Behauptungen ersetzt.

So kursiert in den sozialen Netzwerken seit Tagen die Annahme, dass es sich bei den Tätern um Asylbewerber handele. Das jedoch ist weder bewiesen noch wahrscheinlich. Und so geht es auch mit anderen angeblichen Tatsachen in diesem Fall.

Die Huffington Post nennt sechs Fakten, die wir bisher wissen.

1. Keiner der Täter ist bisher gefasst

Obwohl Polizeikräfte am Silvesterabend rund um den Kölner Hauptbahnhof präsent waren, gab es in der Neujahrsnacht keine einzige Festnahme. Auch deswegen steht die Kölner Polizei derzeit massiv in der Kritik.

Mittlerweile wollen Sicherheitsbehörden nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers drei Tatverdächtige identifiziert haben. Zu Festnahmen sei es bisher jedoch aufgrund der „schwierigen Ermittlungen“ nicht gekommen. Nähere Angaben über die Verdächtigen sind nicht bekannt.

2. Über die Herkunft der Täter wissen wir daher nichts Genaues

In Zeugenaussagen war oft die Rede von „nordafrikanischen“ oder „arabischen“ Tätern. Die Kölner Polizei äußerte sich ähnlich. Doch genauere Informationen fehlen bisher, was gleichzeitig eine weitere Recherche über den möglichen Aufenthaltsstatus der Täter schwer macht.

Handelte es sich um deutsche Staatsbürger mit arabischen oder nordafrikanischen Wurzeln? Um Touristen? Um Einwanderer mit Arbeitserlaubnis? Oder um Asylbewerber?

3. Es gibt bisher keinen einzigen Hinweis darauf, dass es sich bei den Tätern um Asylbewerber handelt

Diese oft auf rechten Seiten verbreitete Behauptung ist bisher durch nichts bewiesen – allein schon deshalb, weil die Täter noch nicht gefasst sind.

Sollte es sich bei den Tätern übrigens tatsächlich um Nordafrikaner handeln, ist die Asylbewerber-These doppelt fragwürdig – denn Anträge von Marokkanern, Tunesiern und Algeriern sind 2015 derart selten gewesen, dass sie selbst vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in ihren monatlichen Berichten nicht separat ausgewiesen worden sind.

4. Bisher sind über 100 Anzeigen eingegangen, zwei davon wegen Vergewaltigung

Laut Angaben der Kölner Polizei ist im Laufe des Mittwochvormittags die Zahl der Anzeigen wegen Übergriffen an Silvester auf über 100 gestiegen. Drei Viertel davon haben einen sexuellen Hintergrund. Außerdem gibt es zwei Anzeigen wegen Vergewaltigung.

5. Wahrscheinlich waren es nicht 1000 Täter, sondern eher mehrere Dutzend

Die Täter agierten offenbar aus einem größeren Menschenmenge heraus, die sich auf der Dom-Seite des Kölner Hauptbahnhofs versammelte. Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers sagte bereits, dass es "keine 1000 Täter" gäbe. Die Täter hätten vielmehr aus der Menschenmenge heraus agiert.

6. Es ist falsch, dass Medien dieses Thema ignoriert hätten.

Oft wurde behauptet, die Medien hätten dieses Thema ignoriert. Das stimmt nicht. Bereits am Neujahrstag gab es Berichte in allen größeren Kölner Lokalmedien (Express, Kölnische Rundschau, Kölner Stadtanzeiger) und auch in einigen überregionalen Medien (zum Beispiel Focus Online, und die "Welt").

Richtig ist, dass die mögliche ausländische Herkunft der Täter in den ersten Tagen meist nicht erwähnt wurde. Im "Kölner Stadtanzeiger" findet sich jedoch schon am Neujahrstag ein Hinweis auf die Debatte.

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