POLITIK
05/01/2016 08:37 CET | Aktualisiert 05/01/2016 09:53 CET

4 Folgen, die der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran für den Weltfrieden hat

AP
Eine schiitische Demonstrantin in Saudi-Arabien

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran besorgt die Welt. Nachdem Saudi-Arabien einen schiitischen Geistlichen hingerichtet hatte, setzte in Teheran ein Mob die saudische Botschaft in Brand. Das sunnitische Land brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab.

Diese vier Folgen wird der Streit für den Weltfrieden haben.

1. Die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten auf der ganzen Welt nehmen zu

Nicht nur Saudi-Arabien hat die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen. Auch Bahrain, der Sudan und die Vereinigten Emirate haben sich angeschlossen und ihre Diplomaten aus Teheran abgezogen. Alle drei Staaten sind sunnitisch und pflegen enge Beziehungen zu Saudi-Arabien, das sie als Schutzmacht sehen.

Dadurch dürften auch die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten in gemischt-konfessionellen Ländern wachsen. Zu Beispiel in Bahrain, dem Irak, dem Libanon und möglicherweise auch in Pakistan.

2. Die Ölpreise werden wieder steigen

Der Konflikt hat erst mal zu einem kurzzeitigen Anstieg der Ölpreise geführt. Die Preise waren am Montag zwischenzeitlich wegen der starken Eintrübung der diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran gestiegen. Da beide Länder wichtige Ölexportstaaten sind, halten Analysten durch den Konflikt dämpfende Effekte auf das Ölangebot für denkbar.

Es ist aber auch ein Horror-Szenario vorstellbar. Ein Krieg zwischen den beiden Staaten ist eher unwahrscheinlich, der Iran Saudi-Arabien militärisch unterlegen ist. Eine mögliche militärische Maßnahme wäre aber, dass das Land die Meerenge von Hormus mit Seeminen sperrt, und Saudi-Arabien zu wirtschaftlich aushungert. Durch dieses Seegebiet werden jeden Tag 17 Millionen Barrel Öl verschifft. Das ist etwa ein Drittel des Öls, das weltweit per Schiff transportiert wird. Ein starker Anstieg des Preises wäre die Folge.

Es ist aber auch das Gegenteil denkbar - ein weiteres Fallen des Ölpreises. Er ist zurzeit so niedrig, weil Saudi-Arabien seine Produktion nicht drosselt, um mögliche Konkurrenten aus dem Öl-Markt zu drängen. Und zu denen zählt auch der Iran.

3. Es drohen neue Stellvertreterkriege

Eine direkte militärische Konfrontation zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ist nicht wahrscheinlich. Zwar besitzt der Iran auf dem Papier eine riesige Armee - doch deren Ausrüstung ist hoffnungslos veraltet. Die saudischen Streitkräfte sind dagegen gut ausgerüstet, aber sehr kampfunerfahren. Doch auch die Schiiten in Teheran verehren die heiligen Stätten von Mekka und Medina, die in Saudi-Arabien liegen. Schon deshalb ist ein Angriff auf das Land nicht wahrscheinlich.

Eher vorstellbar ist, dass beide Staaten ihre Interventionen in Stellvertreterkriegen ausweiten. So unterstützt der Iran die Hisbollah und das Assad-Regime in Syrien, Saudi-Arabien dagegen sunnitische Milizen. Im Jemen kämpft Saudi-Arabien gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Auch im Irak sind beide Staaten involviert. Wahrscheinliche werden beide Staaten ihre jeweiligen Klienten mit mehr Waffen versorgen und so die Kampfhandlungen anheizen.

4. Die Friedensverhandlungen für Syrien sind gefährdet

Der Konflikt könnte den Kampf gegen die Terrormiliz IS erschweren. Denn beide Staaten kämpfen im Irak mit dem Westen zusammen gegen die Terroristen. Der Konflikt könnte dieses sehr fragile Bündnis zerbrechen lassen - oder gar in einen Bürgerkrieg umschlagen.

Das internationale Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat hatte zuletzt zu einer leichten Annäherung beider Widersacher geführt. Es wird jetzt befürchtet, dass der Konflikt die Friedensverhandlungen für Syrien, die in diesem Monat beginnen sollen, scheitern lässt.

Die USA halten dies aber für wenig wahrscheinlich. Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran werden nach Auffassung des US-Außenministeriums den möglichen Friedensprozess in Syrien nicht beeinflussen. "Wir sehen keinen Grund, warum der syrische Friedensprozess nicht wie geplant voranschreiten sollte", sagte Ministeriumssprecher John Kirby am Montag in Washington.

Mit Material der DPA

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