POLITIK
04/01/2016 18:58 CET | Aktualisiert 04/01/2016 20:30 CET

Nach sexuellen Übergriffen und Vergewaltigung in Köln: Ist jetzt der Karneval in Gefahr?

Hans-Peter Merten via Getty Images
Köln, Rhine, Dom, Hohenzollernbrücke, Germany

Diese Nacht dürfte so manche feierlustige Kölnerin nicht so schnell vergessen. Wer am späten Silvesterabend den Hauptbahnhof der Domstadt passierte, wurde zum Teil Augenzeuge beängstigender Szenen. Nach Angaben der Kölner Polizei wurden an diesem Abend Dutzende Frauen am Hauptbahnhof massiv sexuell belästigt und ausgeraubt.

Bisher liegen bereits 60 Anzeigen vor. Mindestens eine Frau soll sogar vergewaltigt worden sein.

"Straftaten einer völlig neuen Dimension“

Über das Ausmaß der Vorfälle zeigten sich die Sicherheitsbehörden geschockt. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers sprach am heutigen Montag bei einer Pressekonferenz von "Straftaten einer völlig neuen Dimension“. Es sei, so der sichtlich entsetzte Kriminaler, ein "unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden“.

Am Silvesterabend versammelten sich auf dem Bahnhofsvorplatz nach den Worten des Polizeipräsidenten etwa 1000 Männer, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen. Dies hätten alle Zeugen übereinstimmend ausgesagt. Ähnlich hatten sich die Polizei und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zuvor in Pressemitteilungen geäußert.

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Aus der Menge hätten sich Gruppen von mehreren Männern gebildet, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt hätten, sagte Albers. Er sprach von Sexualdelikten in sehr massiver Form und einer Vergewaltigung. Unter den 60 registrierten Straftaten waren aber auch Diebstähle von Taschen, Handys und Geldbörsen.

Polizei nahm fünf Personen fest

Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher noch nicht gemeldet haben. Die Polizei hatte die Ansammlung auf dem Bahnhofsplatz nach eigener Darstellung beobachtet und den Platz schließlich vorübergehend räumen lassen, weil Böller in die Menge geworfen wurden - der vielfache Missbrauch sei den Beamten zunächst aber nicht aufgefallen.

Die Kölner Polizei hat nach den Vorfällen eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Am Sonntag nahmen Polizisten in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs fünf Männer fest, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Ob sie auch etwas mit den Taten in der Silvesternacht zu tun haben, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar.

Die Gewerkschaft der Polizei reagierte entsetzt auf die Vorfälle. "So etwas kennen wir bisher nicht“, sagte der NRW-Landesvorsitzende der GdP, Arnold Plickert, der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Die stark alkoholisierten Täter seien "völlig enthemmt und gewaltvoll“ vorgegangen. "Ein Täter hat einer Zivilpolizistin in die Hose gefasst“, berichtete Plickert. Bei den am Einsatz beteiligten Polizeibeamten herrsche eine "tiefe Betroffenheit“.

Karneval bald videoüberwacht?

"Das Verhalten der Täter macht mir große Sorgen, auch im Hinblick auf Karneval", sagte Albers. Nun werde geprüft, ob gewisse Orte bei kommenden Großveranstaltungen temporär videoüberwacht werden müssten, um derartige Straftaten zu verhindern. Inwieweit sich die Vorfälle in der Silvesternacht auf Karneval auswirken könnten, werden die kommenden Wochen zeigen.

"Wir wollen nicht jeden Maskierten überprüfen. Es muss präventive Maßnahmen wie die Videoüberwachung geben, ansonsten findet Karneval nicht statt", sagt Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizei Sankt Augustin.

Mit Material von dpa

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