POLITIK
05/01/2016 05:52 CET | Aktualisiert 05/01/2016 17:55 CET

Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten zur Kölner Horror-Nacht

DPA
Der Kölner Hauptbahnhof

Deutschland ist schockiert. In der Silvesternacht machen Gruppen von Männern vor dem Kölner Hauptbahnhof Jagd auf Frauen, belästigen, begrapschen und beklauen sie hemmungslos.

Hier die 5 wichtigsten Fragen und Antworten zu den Ereignissen in der Silvesternacht.

1. Was ist passiert?

In der Silvesternacht versammelten sich etwa 1000 Menschen vor dem Kölner Hauptbahnhof. Die Gruppe war stark alkoholisiert, Raketen wurden auf Passanten geschossen und Böller geworfen. Aus der Menge haben sich um Mitternacht Gruppen von mehreren Männern gebildet, die Frauen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt hätten. Dabei soll es auch zu einer Vergewaltigung gekommen sein.

2. Welche Straftaten wurden begangen?

Bei der Polizei meldeten sich bisher 80 Menschen, die aussagten, Opfer von Straftaten geworden zu sein. Es lagen bis Montag 60 Anzeigen vor. Doch dabei ging es nicht immer um sexuelle Übergriffe. Denn darunter waren auch Diebstähle von Taschen, Handys und Geldbörsen. Der Polizeipräsident sprach von Sexualdelikten "in sehr massiver Form" und einer Vergewaltigung. Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher noch nicht gemeldet haben.

Das Betatschen der Frauen scheint eine Methode gewesen sein, die als Ablenkung für Taschendiebstähle diente. "Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken - dem Diebstahl von Wertgegenständen", teilte die Polizei mit. Diese Ablenkung scheint sich aber verselbstständigt zu haben: Eine Frau berichtete, dass ihr der Slip heruntergerissen wurde. Einer Zivilpolizistin wurde in die Hose gefasst.

Die Männer waren laut Zeugenaussagen meist in Gruppen von zwei bis drei Personen, teils aber auch mit bis zu 20 Personen auf einmal aufgetreten. Die Ermittler gehen von weiteren Opfern aus, die sich bisher nicht gemeldet haben.

3. Was ist über die Täter bekannt?

Die Ansammlung, in der die Übergriffe stattfanden, soll aus etwa 1000 Menschen bestanden haben. Diese sollen laut Aussage der Polizei stark alkoholisiert gewesen sein. Die Anwesenheit von Polizisten hat sie nicht beeindruckt. Doch von diesen waren wahrscheinlich nur wenige an den sexuellen Belästigungen beteiligt.

Nach Zeugenaussagen soll ein Großteil der Täter aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum stammen. Sie sollen etwa zwischen 15 und 35 Jahre alt sein. Konkreteres wusste die Polizei am Montag nach eigenen Angaben nicht.

Am Sonntag nahmen Polizisten in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs fünf Männer fest, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Ob sie auch etwas mit den Taten in der Silvesternacht zu tun haben, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar.

4. Warum wurde über die Übergriffe so spät berichtet?

Die Polizei hatte die Ansammlung auf dem Bahnhofsplatz in der Silvesternacht nach eigener Darstellung beobachtet. Nach Angaben von Polizeidirektor Temmes waren "alle Einsatzkräfte, die wir zur Verfügung hatten", vor Ort. Der Platz wurde schließlich vorübergehend geräumt, weil Böller in die Menge geworfen wurden - der vielfache Missbrauch sei den Beamten zunächst nicht aufgefallen. "Wir haben erst durch die Anzeigen davon erfahren", sagt Wolfgang Wurm, Präsident der zuständigen Bundespolizeistation Sankt Augustin.

Als zwischen 1.00 und 1.30 Uhr bei der Kölner Polizei und Bundespolizei die ersten Anzeigen erstattet wurden, habe die Polizei von dem "massiven Vorgehen" erfahren, sagte der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, der Deutschen Presse-Agentur.

5. Was wird jetzt unternommen?

Die Kölner Polizei hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Die Gruppe "Neujahr" soll unter anderem Handyvideos und Material von Überwachungskameras auswerten, um die Täter zu finden. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat für Dienstag ein Krisentreffen einberufen. Dabei soll es auch darum gehen, ob die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausgeweitet werden soll. An dem Treffen nehmen der Polizeipräsident Albers, der leitende Polizeidirektor, ein Vertreter der Bundespolizei, der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen und der Leiter des städtischen Ordnungsamts teil.

6. Welche Fragen sind noch offen?

Unklar ist, um wie viele Täter es geht. Gingen die Straftaten nur von einer sehr kleinen Gruppe aus, die hemmungslos ein Opfer nach dem anderen attackierte? Wie viele der 1000 Menschen haben wirklich mit den Straftaten zu tun? Rätselhaft ist auch, warum der Polizei die Sexualdelikte nicht in der Silvesternacht aufgefallen sind? Dass die sexuellen Übergriffe nicht aufgefallen sind, überrascht, da unter den Opfern auch eine Zivilpolizistin war. Wurden sie vielleicht von der Polizei nicht ernst genommen oder heruntergespielt?

Natürlich ist die wichtigste Frage: Wer sind die Täter? Haben die am Sonntag in der Nähe des Hauptbahnhofs festgenommenen fünf Männer, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen, etwas mit den Taten in der Silvesternacht zu tun?

Mit Material der DPA

Hier seht ihr die Szenen auf dem Kölner Domplatz:

Massive Ausschreitungen: Video zeigt das Chaos in der Kölner Silvesternacht

+++ Über die aktuellsten Ereignisse berichten wir im News-Blog. +++

Auch auf HuffPost:

CSU-Mann fordert Fußfesseln für "Gefährder"-Islamisten - sogar ohne Verurteilung

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.