POLITIK
03/01/2016 10:33 CET

Experten schlagen Alarm: Deutsche Kohlemeiler stoßen zu viel Quecksilber aus

dpa
Blick auf die qualmenden Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG am 04.01.2015 in Jänschwalde (Archivbild)

Es sind Erkenntnisse, die der Politik Sorgen machen sollten: Deutschland ist in Europa einer der (traurigen) Spitzenreiter bei der Quecksilberfreisetzung. Das berichtet die "Welt" und beruft sich dabei auf eine Studie des Instituts für Okologie und Politik (Ökopol) im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion.

Demnach tragen deutsche Kohlekraftwerke mit 70 Prozent am meisten zum Quecksilberausstoß bei. Allein 2013 haben die Kohlekraftwerke mit den höchsten Quecksilberemissionen zusammen fünf Tonnen ausgestoßen. Nur Griechenland und Polen weisen schlechtere Werte auf.

85 Prozent der Quecksilberemissionen hätten vermieden werden können

Wie dramatisch die Lage ist, verdeutlicht ein internationaler Vergleich: Würden in Deutschland etwa die Quecksilbergrenzwerte aus den USA gelten, dürfte kein einziges der über 50 Kohlekraftwerke am Netz bleiben, berichtet die "Welt".

In den USA gelten deutlich schärfere Quecksilbergrenzwerte als in der EU und in Deutschland. Auch nach einer Verschärfung der Grenzwerte, die im Jahr 2019 in Kraft tritt, würde sie in der EU um das 2,5- bis 6,7-Fache höher liegen, berichtet das Blatt.

Der größte Teil der Quecksilberemissionen in Deutschland stammt der Studie zufolge aus den 16 Braunkohlekraftwerken, der Rest aus den 37 Steinkohlemeilern. "85 Prozent der Quecksilberemissionen hätten durch quecksilberspezifische Techniken vermieden werden können", kritisiert Studienautor Christian Tebert.

Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung

"Die USA – wahrlich kein Hort des Umweltschutzes – haben strengere Quecksilbergrenzwerte als Deutschland: Das ist ein Armutszeugnis für die schwarz-rote Bundesregierung, die hier auf Kosten der Gesundheit von Mensch und Natur nicht handelt", zitiert die "Welt" Peter Meiwald, Sprecher für Umweltpolitik der Grünen-Bundestagsfraktion.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wies die Kritik im Gespräch mit dem Blatt zurück. Deutschland gehöre weltweit zu den wenigen Ländern, die schon seit längerer Zeit Quecksilbergrenzwerte haben, sagte sie. "Deutschland hat sich bei der Neuregelung für niedrige EU-Grenzwerte eingesetzt, auch gegen die Vorbehalte unserer EU-Partner, die nicht alle bereit waren, die Quecksilberemissionen zu senken und zu überwachen."

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