Was passierte, als ein reicher Mann in der Schweiz einem Obdachlosen 6000 Franken schenken wollte

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Ein erfolgreicher Schweizer Unternehmer hat für einen Obdachlosen 6000 Franken (5500 Euro) gesammelt. Eine schöne Nachricht. Die Reaktion des Obdachlosen allerdings macht die Meldung zu einer ungewöhnlichen. Denn:

Der Mann namens Vito hat das Geld abgelehnt. Wie die Schweizer Seite “20 Minuten” berichtet, sagte Vito, sei größter Wunsch sei es, in Ruhe gelassen zu werden. Er habe sich an die Kälte und die anderen Unannehmlichkeiten gewöhnt und möchte einfach so weiter leben. Er will also auch nicht in die Unterkunft, die der Unternehmer schon organisiert hatte.

Das Geld geht nun an andere Bedürftige. Der Unternehmer aus Vernier im Kanton Genf will 40 Schlafsäcke für andere Obdachlose kaufen, einem herzkranken Kind Geld geben, außerdem der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Vito und der Unternehmer sind inzwischen Freunde geworden, so erzählt es jedenfalls der Unternehmer.

Das Gefühl, helfen zu wollen, überkam den Unternehmer, als er seinen Bentley betankte und Vito in der Kälte sah. Allerdings, so erzählte er es der Seite, habe er nicht allein eingreifen, sondern “mit vereinten Kräften” etwas bewirken wollen. Weshalb er über Facebook seine Freunde um eine Spende von einem Franken pro Wintermonat bat. Tatsächlich meldeten sich mehr als 1500 Menschen am Tag, die helfen wollten.

Die Geschichte zeigt, wie schmal der Grat zwischen Hilfsbereitschaft und Bevormundung ist. Ein Problem, das viele Menschen umtreibt, die spenden. So hatte etwa ein Projekt der Deutschen Caritas ähnliche Diskussionen ausgelöst.

Der Caritasverband Altena-Lüdenscheid hatte vergangenes Jahr Gutscheine für Bettler ausgegeben. Wer Obdachlosen helfen wollte, konnte eine Wertmarke kaufen, mit der die Beschenkten dann bei der Caritas die Wäsche waschen, duschen oder essen konnten. So sollte vermieden werden, dass die Spende von möglichen Hintermännern abkassiert oder in Alkohol und Drogen investiert wird. Doch Kritiker fanden, so würden Obdachlose bevormundet.

Andere Aktionen für Obdachlose funktionieren ohne Geld und ohne Bevormundung. So hat der Verein "Be Japy" zum Beispiel in Offenburg selbst gestrickte Mützen von Spendern an Bäume gebunden. Wenn ein Obdachloser friert, kann er sich eine Mütze oder etwas anderes Warmes zum Anziehen von so einem "Warmnachtsbaum" nehmen. Auch auf HuffPost:

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