Britischer Politiker über Luftangriffe auf Dresden: "Es ist nie eine gute Idee, Bomben auf Zivilisten zu werfen"

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DRESDEN BOMBING
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Ein britischer Politiker sorgt mit einer Äußerung für Aufruhr, mit der er die Kriegsstrategie seines Landes gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg in Frage stellt: Der britische Luftüberfall auf Dresden mit 25.000 Toten beweise, dass ein Zivilangriff "nie eine gute Idee war", behauptet Jeremy Corbyn, der Vorsitzende der oppositionellen Labour Party.

In einem Gespräch mit der britischen Ausgabe der Huffington Post sagte Corbyn, dass die deutsche Stadt, in der es gegen Kriegsende zum Luftangriff kam, "kein militärisches Ziel" gewesen sei.

4000 Bomben, 25.000 Tote

Die britischen und US-amerikanischen Luftstreitkräfte warfen im Februar 1945 über mehrere Wochen hinweg an die 4000 Bomben ab und verursachten damit einen Feuersturm, der eines der kulturellen Zentren Deutschlands zerstörte und einen Großteil seiner Einwohner tötete.

Der damalige Premierminister Winston Churchill gab später im Vertrauen zu, er habe Zweifel gehabt, ob er seine Zustimmung zu den Angriffen geben sollte. Anfang des Jahres drückte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, seine "Trauer" angesichts der Bombardierung Dresdens aus. Er wies Vorwürfe zurück, nach denen er sich dafür entschuldigt habe, dass die britische Luftwaffe die Nazis angegriffen habe.

dresden bombing
Eine Frau zündet zum 70. Jahrestag der Dresden-Bombardierung eine Kerze an.

Von der Huffington Post gefragt, ob er die Angriffe auf Dresden für "sinnlos" oder "unmoralisch" hielte, antwortete Corbyn: "So, wie ich das verstehe, war es kein militärisches Ziel."

Weiter sagte er: "Ich denke, darüber wird offensichtlich viel debattiert. Man will nicht immer alte Wunden aufreißen, aber sollte es nicht klar sein, dass es nie eine gute Idee ist, Bomben auf Zivilisten zu werfen? Man kann ein Volk nicht bestrafen, man muss es für sich gewinnen."

Auch Churchill hatte Zweifel am Bombardement

Ähnlich hatte Corbyn bereits über die britischen Luftwaffeneinsätze in Syrien geurteilt. Er warnte davor, dass sich der Tod von Zivilisten bei solchen Angriffen nicht vermeiden lasse.

Mehr als 700 riesige Bombenflugzeuge der britischen Luftwaffe waren an der Zerstörung Dresdens am Ende des Zweiten Weltkrieges beteiligt. Churchill schrieb Monate später, dass er die Kriegsstrategie ändern wolle: "Es scheint mir der Moment gekommen zu sein, in dem wir uns fragen sollten, ob es richtig ist, deutsche Städte zu zerbomben, nur um die Angst der Bevölkerung noch mehr zu steigern – obwohl wir es natürlich unter verschiedenen Vorwänden tun."

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