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22/12/2015 18:31 CET | Aktualisiert 22/12/2015 19:01 CET

Gemeine Behauptung: Caitlyn Jenner soll mit ihrem Leben als Frau unzufrieden sein

Die Frau des Jahres 2015 heißt Caitlyn Jenner – zumindest gewann sie diesen Titel vor etwa zwei Monaten beim „Woman oft the Year Award“ des Frauenmagazins Glamour.

Diese Auszeichnung kommt nicht von ungefähr: Niemand beherrschte in diesem Jahr so sehr die Schlagzeilen der Klatschpresse wie Caitlyn, die sich erst seit einem halben Jahr so nennt.

Denn im Frühling dieses Jahres gab Bruce Jenner medienwirksam auf dem Cover der Vanity Fair bekannt, kein Mann mehr sein zu wollen und nannte sich von nun an Caitlyn.


Das Medienecho war riesig

Caitlyn (beziehungsweise Bruce) Jenner ist weltweit bekannt durch die Reality-Soap „Keeping Up With The Kardashians“ – in der sie als Exmann von Kris Jenner auftrat, der Mutter von Kim Kardashian.

Auch davor führte Caitlyn als Bruce Jenner ein umtriebiges Leben, holte in den 70er Jahren die olympische Goldmedaille im Zehnkampf, fuhr erfolgreich Autorennen und wurde Vater von sechs Kindern.

In dem Interview mit Vanity Fair gab sie aber zu, dass sie schon immer lieber eine Frau gewesen wäre, sich aber vor den Reaktionen auf ihr Coming-Out gefürchtet habe.

Behind the scenes of the most incredible, unforgettable night. It takes a village... #GlamSquad #ESPYs

Ein von Caitlyn Jenner (@caitlynjenner) gepostetes Foto am


Man kann sich vorstellen, wie begeistert die Medien auf die Botschaft des ehemaligen Top-Athleten reagierten. Und Caitlyn nutze das aus:

Sie nahm unzählige Auftritte in der Öffentlichkeit wahr und drehte eine eigene Doku-Serie namens „I am Cait“. Sie wurde als bekannteste Transgender-Frau der Welt bezeichnet und stieß in den USA die Debatte um die soziale Akzeptanz der Transgender-Community an.

Jetzt kocht die Gerüchteküche wieder hoch:

Das us-amerikanische Star-Magazine behauptet jetzt, Caitlyn Jenner sei mit ihrem Leben als Frau unzufrieden und beruft sich dabei auf einen nicht näher benannten „Insider“.

„Caitlyn wollte ihr ganzes Leben lang eine Frau sein. Aber jetzt, wo es passiert ist, ist sie enttäuscht“, erzählte dieser Insider – und er führte seine Geschichte noch weiter aus:

„Caitlyn vermisst den alten Bruce, der nicht jeden Tag Stunden gebraucht hat, um sich schön zu machen.“ Das Star-Magazine spekuliert in dem Artikel sogar darüber, dass Caitlyn Jenner gar keine echte Transsexuelle sei, sondern eher „ein verwirrter Transvestit“.

Diese Gerüchte wandern nun auch durch die deutschen Medien. Das ist unverschämt.

Andere Promi-Seiten wie zum Beispiel Gossipcop und inquisitr.com distanzieren sich bereits von dieser Geschichte: Das Gerücht ist wahrscheinlich an den Haaren herbeigezogen. Der Insider erfunden.

Nun kann man sagen: Das passiert eben, wenn man so stark in die Öffentlichkeit drängt wie Caitlyn Jenner. Das Problem aber ist, dass diese Gerüchte nicht nur Caitlyn selbst schaden, sondern der ganzen Transgender-Community. Viele Transgender leiden unter Diskriminierungen und Geschlechtsumwandlungen sind umstritten.

Mit dem Gerücht lässt das Magazin anklingen, Transgender wäre eine Modeerscheinung, die man nach Belieben an- und ablegen kann.

Das ist es aber nicht und wird den Konflikten, die Transgender-Leute mit sich und der Gesellschaft austragen müssen, in keinster Weise gerecht.

Laut einer amerikanischen Stiftung zur Suizid-Prävention gaben in einer Studie 41 Prozent der befragten Transgender an, einen Suizidversuch hinter sich zu haben. Das ist im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt eine sehr hohe Zahl und zeigt, welche Verantwortung Medien haben, wenn sie über das Thema berichten.

Die Transgender-Community ist immer noch weit davon entfernt, gesellschaftlich akzeptiert zu werden und deswegen auch besonders verletzlich. Natürlich sollte man über Transgender-Themen berichten - aber man muss dabei nicht unnötig Lügen erfinden, die ein schlechtes Licht auf die ganze Community werfen.

Caitlyn Jenner ist nun einmal das Aushängeschild dieser Gemeinschaft, obwohl sie natürlich in keinster Weise repräsentativ für alle Transgender ist. Trotzdem wird sich am Umgang mit ihr entscheiden, wie unsere Gesellschaft mit Randgruppen wie Transgendern umgehen wird.

So thankful for the positive outpouring. I’m excited to start answering some of your awesome Qs. Love you all! Link in bio.

Ein von Caitlyn Jenner (@caitlynjenner) gepostetes Foto am

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