POLITIK
16/12/2015 10:09 CET | Aktualisiert 16/12/2015 10:52 CET

Putins Rache: Russland begeht furchtbare Kriegsverbrechen - und kaum einer merkt es

dpa
Der russiche Präsident Wladimir Putin und der Chef der russischen Armee, Valery Gerasimov

Auf einmal scheinen sich alle westlichen Politiker einig zu sein: Nur durch eine Zusammenarbeit mit Russland könne Frieden in Syrien erreicht werden. Doch führt man sich vor Augen, was Putins Politik für die Menschen in Syrien bisher bewirkt hat, kommen erhebliche Zweifel auf. Denn bisher hat der russische Präsident deren Situation nur verschlimmert.

Seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets hat Putin die Luftangriffe verstärkt. Der Grund. Er unterstellt dem türkischen Präsidenten Erdogan, dass er in Ölgeschäfte mit dem Islamischen Staat verwickelt sei. Er soll den Abschuss des russischen Flugzeugs am 24. November befohlen haben, um die Geschäfte seiner Familie zu schützen.

Sofort nach dem Abschuss griffen Flugzeuge einen Hilfskonvoi an der türkischen Grenze an - sieben Menschen starben. Seither attackieren russische Piloten alles, was sie für Ölanlagen oder Tanklaster halten - treffen aber offenbar die Falschen.

Putins Piloten scheinen völlig außer Kontrolle zu sein. Kläranlagen, Getreidesilos, Krankenhäuser und Hilfskonvois - nichts ist vor ihnen sicher. Die Menschen in dem Land leiden. "Es ist nur schwer vorstellbar, dass sich die Bedingungen in Syrien – wie sie bereits waren – noch einmal hätten verschlechtern können. Aber sie haben sich verschlechtert", sagte Rae McGrath, Regionalleiter für die Türkei und Nord-Syrien bei der Hilfsorganisation Mercy Corps der "Washington Post".

  • Laut einem Bericht der Zeitung greifen die Piloten besonders häufig Hilfskonvois an. Die bringen Hilfsgüter über die türkische Grenze. Seit dem Beginn der russischen Luftangriffe konnte seine Organisation nur ein Fünftel der Hilfsgüter liefern, die sie sonst transportiert, sagte McGrath. Daher mussten Hilfsorganisationen ihre Arbeit in der Region einstellen oder einschränken, wie ein Bericht des UN-Büros zur Koordination von Humanitären Angelegenheiten in diesem Monat schreibt.
  • Zahlreiche Krankenhäuser wurden von den russischen Bombern angegriffen. Nach dem UN-Report wurden in Syrien mindestens 20 Gesundheitsstationen und Kliniken getroffen, seit Russland seine Angriffe am 30. September begann. 12 von diesen Krankenhäusern wurden von der Organisation "Ärzte ohne Grenzen unterstützt.
  • In der Provinz Idlib wurde ein Getreidesilo zerstört. Außerdem wurden seit dem 24. November zehn Bäckereien getroffen, die zusammen etwa 200.000 Menschen mit Brot versorgt haben. Auch Mühlen und Warenhäuser wurden zerstört.
  • In Aleppo wurde eine Wasseraufbereitungsanlage zerstört. Das Gebiet ist in der Kontrolle des Islamischen Staat. In der Region sind nun 1,4 Millionen Menschen ohne Trinkwasser.
  • In Saragreb griff am 27. November ein Flugzeug eine Getreidemühle und eine Bäckerei an. Die Anlage versorgte 50.000 Menschen mit Brot. Die Maschine griff keine weiteren Ziele in der Region an. Es handelt sich also nicht um einen "Kollateralschaden".

Warum greifen russische Flugzeuge diese zivilen Ziele an? Eine Erklärung könnten die Mitteilungen sein, die das russische Verteidigungsministerium herausgibt. Die "Bild"-Zeitung zeigte Anfang des Monats Experten Luftbilder von Angriffen, welche die Russen verbreitet hatten. Darauf sollten angebliche Ölverarbeitungsanlagen und -Tanks des IS zu sehen sein. Stattdessen identifizierten die Experten eine Kläranlage und ein Getreidesilo. Diese Anlagen sehen Ölfabriken aus der Luft sehr ähnlich.

Diese wahllosen Angriffe machen wenig Hoffnung, dass Putin zu einer Friedenslösung beitragen kann. Jan Egeland ist Vorsitzender des norwegischen Flüchtlingsrates - einer der Organisationen, die ihre Hilfe für Syrien aufgrund der Luftangriffe einstellen musste. Er sagte der "Washington Post": Schulen, Märkte und Bäckereien werden bombardiert und Frauen und Kinder beschossen." Er fügt hinzu: "Wir Helfer fürchten, dass verstärkte militärische Interventionen wieder einmal die Hoffnung auf echte Friedensgespräche untergraben."

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