WIRTSCHAFT
15/12/2015 14:11 CET | Aktualisiert 15/12/2015 14:41 CET

Die Geschichte dieses Mannes beweist, dass Veganer die glücklicheren Menschen sind

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Thomas Leidner

Viele von uns stellen sich diese eine, bohrende Frage mindestens einmal in ihrem Leben: „Macht das, womit ich mein Geld verdiene, eigentlich Sinn?“

Meistens verwerfen wir diese Gedanken schnell wieder. Wir sagen uns dann beruhigende Sätze wie „ das Gehalt ist eigentlich ganz passabel“ oder „ich erreiche die Arbeit schnell mit der S-Bahn“.

Auch Thomas Leidner hat sich diese Frage gestellt. Oft. Und viel zu oft ignorierte er seine innere Stimme. Eine Stimme, die ihm sagte, dass ein guter Verdienst als Investmentbanker oder eine komfortable S-Bahn-Linie zum Büro nicht sinnstiftend sind.

Eines Tages beschloss er, diese eine Frage ehrlich zu beantworten: „Mein Beruf ist sinnlos.“

Und er beschloss, es nicht dabei zu belassen. Sondern etwas in seinem Leben radikal zu ändern.

„Ich war fünf Jahre lang ein Kapitalist“, sagt Leidner. Er lacht viel. Er ist ein herzlicher, gut gelaunter Typ.

Er studierte BWL, arbeitete bei Banken und als Versicherungsmakler. „Ein klassischer Karriereweg, bei dem es nur um Geld ging“, sagt er.

Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er als Börsenmakler. Er machte hochspekulative Geschäfte und verdiente gut damit. Aber für einen Preis, den er irgendwann nicht mehr bezahlen wollte.

„Ich verdiente Geld, während andere Menschen und Firmen pleite gingen“, sagt Leidner.

Einerseits war er ein erfolgreicher, junger Mann, der von seinem Job gut leben konnte. Er lebte ein Leben, von dem viele träumen.

Andererseits blieb der extreme Stress von regelmäßigen 80-Stunden-Wochen nicht ohne Folgen für ihn.

„Ich steckte in einer Karrierespirale fest. Ich verlor den Fokus für das normale, einfache Leben“, sagt er. Dabei vernachlässigte er Freunde, Familie und seine Ernährung.

„Du stopfst irgendwas in dich rein, Hauptsache schnell und ohne Aufwand. McDonalds, Burger King oder irgendein fertiger Discounter-Fraß.“ Er machte sich nie Gedanken, was er damit seinem Körper und seiner Gesundheit antat. Bis er sich einer heiklen Magen-Operation unterziehen musste.

Nach acht Jahren in der Branche schmiss er alles hin. „Es kam der Tag, an dem ich mich fragte: Was soll der Schwachsinn hier?“

Er kündigte nicht nur. Er setze sich auch intensiv damit auseinander, wie er sich ab sofort ernähren will. Er schaute Dokumentationen über Tierhaltung und las Bücher über gesunde Ernährung.

„Ich konnte diese oberflächliche Welt meines Berufs nicht mehr mit mir vereinen“, sagt Leidner. Er wollte etwas neues, seiner Meinung nach Sinnvolleres machen. „Veganismus war für mich der einzig richtige Schritt.“

Er entschied sich schließlich, sein eigenes Restaurant aufzumachen: mit veganen Speisen. Dort leben auch sechs Katzen, die er aus dem Tierheim rettete.

Fleisch essen empfindet er inzwischen als überholt: „Fleischesser sind Neandertaler der Neuzeit.“

Doch die Entscheidung, seine Ernährung komplett zu ändern, hatte nicht nur gesundheitliche Gründe. Sie war Teil des Schlussstrichs, den Leidner unter sein früheres Leben gezogen hat. Sein Leben als raffgieriger Investmentbanker, dem außer mehr Geld anzuhäufen, alles egal war.

„Meine Ex-Kollegen aßen nur Fleisch, Termine fanden meistens in einem edlen Steak-Haus statt. Das ist ein typisches Alpha-Tier-Gehabe.“

Von seinem Münchner Restaurant „Katzentempel“ kann er inzwischen gut leben. Er verdient damit nicht so viel wie als Investmentbanker. Aber er ist um einiges reicher: an persönlichem Glück, an Zufriedenheit, an Gelassenheit.

Jetzt hat Leidner sein neustes Projekt gestartet, mit dem er andere Menschen für vegane Ernährung begeistern will. Dafür hat er mit ein paar Freunden einen Restaurant-Führer entwickelt: „vanilla bean“. Die App zeigt Nutzern alle Restaurants in der Umgebung an, die vegane Speisen anbieten.

Die Vision: Restaurantbesitzer motivieren, vegane Gerichte in die Speisekarte aufzunehmen. Die App ist nicht explizit für Veganer, sondern für alle Menschen, die Lust haben, mal vegan zu probieren.

„Heute will ich andere Menschen nicht mehr ausbeuten. Sondern sie inspirieren“, sagt Leidner.

Die App "vanilla bean" gibt es kostenfrei für Android und iOS zum herunterladen.

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Mehr Dinge, die glücklich machen, gibt es hier.

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