Bei dieser Untersuchung schneiden Aldi und Lidl katastrophal ab

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Aldi und Lidl | dpa
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Die Discounter wollen von ihrem Billig-Image wegkommen. Dafür legen sie sich auch ordentlich ins Zeug: schickere Räumlichkeiten, die auch anderes Publikum anziehen sollen, und Gourmet-Produkte, die in edle Verpackungen gehüllt werden.

Aber was steckt hinter der schönen Fassade? Mit gutem Gewissen können Kunden in den Discountern jedenfalls trotzdem nicht einkaufen.

Von wegen günstig! Mit diesem Produkt zocken Aldi und Lidl ihre Kunden ab

Das ist zumindest das Ergebnis des Unternehmens „Rank a Brand“. Die Experten haben 14 Supermärkte genauer untersucht. Die Kriterien: Transparenz, Umweltschutz, Klimaschutz und fairer Handel.

Das Ergebnis: Die Discounter-Riesen Aldi und Lidl erhielten eine kritische Bewertung. Nur die Konkurrenten Kaiser’s und Spar schnitten noch schlechter ab.

Schlechte Bewertung für Aldi und Lidl

Die Supermärkte wurden mittels eines Zahlen-Rankings bewertet. Aldi und Lidl erhielten eine so genannte „E-Label-Bewertung“ - das ist die niedrigste Bewertungsstufe.

Das bedeutet konkret: Der Supermarkt berichte kaum, „wie, klima- und umweltfreundlich das Sortiment hergestellt und angeboten wird.“ Und weiter: "Es ist daher schwierig nachvollziehbar, ob Einkaufen nach Kriterien der Nachhaltigkeit empfehlenswert ist.“

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Das Unternehmen "Rank a Brand“ hat auf seiner Webseite die detaillierten Kritikpunkte veröffentlicht. Wir haben die Ergebnisse für euch zusammengefasst:

1. Fehlende Transparenz

Der Vorwurf: Aldi und Lidl geben den Kunden zu wenig Informationen darüber, wie nachhaltig und umweltbewusst sie arbeiten.

"Zwar werden Schwerpunktthemen wie Energieeffizienz, Fisch, Tierwohl oder Palmöl in der Kommunikation der Händler besonders herausgestellt. Stichhaltig sind die bereitgestellten Informationen dabei aber kaum“, heißt es in dem Bericht.

Und weiter: "Andere Themen wie erneuerbare Energie, (Verpackungs)müll, Ressourceneffizienz oder Fairer Handel werden zudem überwiegend ausgeblendet.“

Auf Anfrage der Huffington Post Deutschland äußert Lidl sich zu den Vorwürfen so:

"Zur Transparenz in der Produktherstellung hat Lidl umfassende Positionspapiere, beispielsweise zum nachhaltigeren Einkauf tierischer Erzeugnisse, veröffentlicht.“

2. Aldi hat Nachholbedarf bei Klimaschutz

Hier kommt die Untersuchung zu einem besseren Ergebnis. Alle untersuchten Supermärkte berichten darüber, welche Maßnahmen sie ergreifen, um das Klima zu schützen – außer Aldi Nord. Die Märkte berichten gezielt darüber, wie energieeffizient sie ausgerichtet sind.

Einziger Kritikpunkt: "In Bezug auf das Thema erneuerbarer Energie bleibt die Berichterstattung der einzelnen Märkte überwiegend unklar.“ Nur die getesteten Biomärkte konnten bei diesem Thema überzeugen.

Lidl kann die Kritik nicht nachvollziehen:

"Lidl setzt seit Jahren konsequent auf ökologische Bauweise seiner Filialen. Das Konzept ist mehrfach ausgezeichnet worden. Filialen dieser ausgezeichneten Generation sparen 18.000 Tonnen CO2 ein – so viel wie ca. 10.000 Autos pro Jahr ausstoßen. In diesen Filialen werden keine fossilen Energieträger genutzt. Die Heizung und Kühlung der Filialen erfolgt mit der Abluft aus Kühlgeräten.“

3. Umweltschutz mangelhaft

Auch beim Umweltschutz schneiden die Discounter nicht gut ab.

Die Experten untersuchten die Aspekte Ressourcen-Effizienz, Abfallaufkommen und Verpackungen – hier konnte keiner der Märkte überzeugen.

Das liege auch daran, dass Lidl und Aldi keine Angaben dazu machen, wie hoch der Anteil an umweltzertifizierten Produkten am Gesamtsortiment ist.

Auch beim Tierwohl gibt es Kritikpunkte: Die Discounter rücken zwar die Industrievereinigung "Initiative-Tierwohl“ in den Vordergrund. Aber Umweltschützer kritisieren die Vereinigung, da die Standards ungenügend seien.

4. Handel nicht immer fair

Zwar haben alle getesteten Supermärkte fair gehandelte Produkte im Sortiment – beispielsweise Kaffee, Tee oder Schokolade. Aber kein Unternehmen gebe preis, wie hoch der Anteil im Gesamtsortiment ist.

Die Discounter engagieren sich aber beim Thema fairer Handel. Sie haben sich der Initiative "Business Social Compliance Initiative“ angeschlossen. Lidl kooperiert noch darüber hinaus noch mit GIZ.

Aber: "Eine konkrete Berichterstattung zu den Ergebnissen der durchgeführten Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Produktionsketten für Non-Food Produkte gibt es allerdings von keinem der untersuchten Märkte.“

Lidl sagt dazu:

"Lidl ist seit Jahren starker Partner des fairen Handels. Als erster Discounter in Deutschland wurden 2006 fair gehandelte und zertifizierte Lebensmittel ins Sortiment aufgenommen.“

Für den Kunden sind die Ergebnisse frustrierend. Denn immer mehr Menschen wünschen sich, nahhaltig zu leben – und achten auf faire und umweltfreundliche Produkte.

Dieses Umdenken birgt also nicht nur eine große Chance für die Discounter, sondern auch für unsere Umwelt.

Aldi hat sich auf Anfrage der Redaktion zu den Vorwürfen bislang noch nicht geäußert.

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