POLITIK
28/11/2015 22:13 CET | Aktualisiert 29/11/2015 13:55 CET

Versöhnlicher AfD-Mann Höcke auf Parteitag in Hannover: "Ich habe gelernt"

dpa

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Was wurde nicht alles befürchtet. Dass es einen Rechtsruck auf dem AfD-Parteitag in Hannover geben könnte. Einen Putsch gegen Parteichefin Frauke Petry. Gar ein zweites Essen – jener legendäre Parteitag, auf dem sich die AfD in aller Öffentlichkeit zerfleischte und schließlich spaltete.

Doch ein Armageddon gab es auf dem Parteitag nicht. Das lag auch und vor allem an Björn Höcke, der großen Unbekannten im Gefüge der AfD. Höcke gilt als Rechtsaußen. Obwohl er nur Fraktionschef in Thüringen ist, geht sein Einfluss bis hoch in den Bundesvorstand, heißt es. Nicht wenige trauen ihm deswegen zu, dass er mit seinem radikalen Kurs die Partei spalten könnte.

Gekommen, um zu schweigen - aber nicht lange

In Hannover erlebten die Delegierten jedoch einen anderen, einen versöhnlichen Höcke. Er war gekommen, um zu schweigen - zumindest auf der großen Bühne. Den Parteitag besuchte Höcke nur als Gast, nicht als Delegierter. Das ist schon ungewöhnlich für einen wie ihn, der eigentlich gerne redet und eine Schlüsselfigur in der Partei ist.

Statt sich mit Satzungen zu befassen, gab Höcke lieber im Akkord Interviews. Das Interesse an ihm scheint sogar größer zu sein als an Parteichefin Petry. ARD, Phoenix, Deutschlandfunk, 15 Minuten durchatmen. Und weiter geht's.

Höcke äußert sich gemäßigt - weil er muss

Keine Rede mehr von Konflikten mit dem Parteivorstand. Man sei auf einer Linie. Höcke sagt, es sei ihm wichtig, konstruktiv zusammenzuarbeiten. Aus dem Parteivorstand klingt das dann so: "Ich stehe seinen Positionen nicht immer nah, das weiß er aber auch. Meine Position ist liberalkonservativ, seine nationalkonservativ. Und das wird er sich nicht verbieten lassen. Er bekommt viel Kritik, und deswegen muss er überlegen, sich dieser Kritik anzupassen", sagte AfD Co-Chef Jörg Meuthen im Gespräch mit der Huffington Post in Hannover.

Offenbar redet man miteinander. "Ich habe an meinem Stil gearbeitet. Inhaltlich stehe ich für klare Kante, aber ich bin ruhiger geworden. Ich habe viel gelernt", sagte Höcke in Hannover der Huffington Post. Auf den Demonstrationen in Erfurt, die Tausende besuchen, haben er den Ton nicht immer getroffen, das wolle er ändern. Die im Politikgeschäft üblichen geschliffenen Phrasen, über die Höcke gerne verächtlich schimpft, er hat sie mittlerweile auch im Repertoire.

Er braucht sie auch. Mit aller Macht will Höcke eine Spaltung der Partei vermeiden. Im kommenden Jahr sind drei Landtagswahlen. Und wie es aussieht, könnte die AfD in alle Landtage einziehen und das Machtgefüge in drei Bundesländern spürbar verschieben. Einen Streit kann sich die Partei einfach nicht leisten, vor allem nicht mit einer so großen Unbekannten, wie es Höcke ist.

Die AfD erwartet 20 Prozent

Dahinter steckt auch die Strategie, rechtes Gedankengut bis tief in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Wer gemäßigt auftritt, erreicht einfach mehr Menschen. Pöbeln und hetzen, das kann auch gesellschaftsfähig sein – die AfD sieht sich selbst in der Lage, in Umfragen auf 20 Prozent zu kommen. Höcke selbst rechnet sogar mit 25 Prozent.

Das ist gefährlich. Denn inhaltlich hat sich Thüringens Fraktionschef überhaupt nicht verändert. Er ist immer noch der, der es durch einen gruseligen Auftritt im ARD-Talk "Jauch" schaffte in eine breite Öffentlichkeit. Dort legte er sich eine Deutschlandfahne auf die Stuhllehne und verglich Asylbewerber mit "sozialem Sprengstoff“. Der Auftritt war krass. Noch krasser sind seine Reden. Bei seinen zu Tausenden besuchten Demonstrationen in Erfurt redet er das "1000-jährige Deutschland“ herbei.

Auch auf dem Parteitag kommen immer noch Sätze, wegen denen Höcke als Hetzer, gar als neuer Goebbels beschrieben wird: Die anderen Parteien verpassten Deutschland eine "multikulturelle Revolution von oben", diktiert er einem Reporter in den Block. Und weiter: "Deutschland in seiner jetzigen Form soll abgeschafft werden." Die AfD müsse "Deutschland-Abschaffern die Rote Karte zeigen".

Das sitzt. Das lässt keinen Zweifel daran, mit wem man es zu tun hat. Auch im Gespräch mit der Huffington Post drückt Höcke eine Deutschland-Abschaffen-Phrase heraus. "Wir sind mitten in einer manifesten Staatskrise. Wenn wir unser Land wieder stabilisieren wollen, brauchen wir ein anderes Deutschland“, sagte er.

Das klingt schon eher nach dem Höcke, der selbst in der AfD auf einige befremdlich wirkt.

News: Hier zeigt AfD-Politiker Höcke, wie radikal er wirklich ist

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite