POLITIK
27/11/2015 18:36 CET | Aktualisiert 27/11/2015 19:33 CET

Amazon für Terroristen: So funktioniert das Darknet

Thinkstock

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Der Anschlag von Paris ist zum Teil Made in Germany: IS-Terroristen schossen mit einer Kalaschniknow um sich, die sie bei einem deutschen Waffenhändler bestellt haben sollen. Online sollen sie Kontakt zu Sascha W. aus Baden-Württemberg aufgenommen haben, der ihnen vier Schnellfeuergewehre zuschickte.

Das soll alles anonym passiert sein - über das sogenannte Darknet, eine Art Unterwelt des Internet. Seine Größe lässt sich je nach Schätzung mit der des öffentlich zugänglichen WWWs vergleichen. Gezahlt wird meist mit der Krypto-Währung Bitcoin. Hier sind fünf erstaunliche Fakten über den dunkelsten Ort des Netzes.

Nicht nur Terroristen nutzen den Online-Untergrund

Nicht nur Terroristen nutzen das Darknet. Pädophile beziehen so unerkannt Kinderpornos, Süchtige alle nur vorstellbaren Drogen, Raubkopierer gestohlene Software.

Als die Plattform Silk Road hochgenommen wurde, bekam die Öffentlichkeit einen Eindruck, welche Dimensionen der Handel angenommen hatte. Drogengeschäfte im Wert von geschätzten 1,2 Milliarden Dollar wurden darüber abgewickelt, der Gründer Ross Ulbricht landete lebenslang im Gefängnis.

Der Dienst wird aber nicht nur von Kriminellen genutzt, sondern auch Menschen, die viel Wert auf ihre Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben.

Darum ist das Darknet für Terroristen so attraktiv

Im Darknet können sich Terroristen anonym bewegen. Ihre IP-Adresse ist darin getarnt– darüber ließe sich der Internetnutzer theoretisch zurückverfolgen.

Das Netz ist deswegen nur über bestimmte Dienste verfügbar, etwa über das frei verfügbare Programm "Tor". Damit werden Datenpakete nach dem Zwiebelschalenprinzip - der ursprüngliche Name "TOR“ stand für "The Onion Router“ - zwischen Tor-Servern verschlüsselt weitergeleitet.

Jeder Server kennt so nur seinen Vorgänger und seinen Nachfolger, aber nicht die gesamte Ende-zu-Ende-Verbindung. Dadurch wird die IP-Adresse des Nutzers getarnt.

Es ist wenig darüber bekannt, wie effektiv Ermittler Terroristen im Darknet jagen können

Natürlich versuchen Fahnder, auch das Darknet zu überwachen. Sie haben es aber wegen der Verschlüsselung nicht leicht. Und wer denkt, dass sich der Handel durch so große Aktionen wie im Fall von Silk Road eindämmen lässt, der liegt falsch: Als die Drogenplattform dichtgemacht wurde, kamen Dutzende neue Seiten nach, die zwar kleiner, aber intelligenter den Handel organisierten. Der Handel nahm sogar noch zu, berichtet "Business Insider".

So kommen Terroristen an die Waffen

Theoretisch wie jeder andere auch. Das Darknet sieht so aus wie das öffentlich zugängliche: Zentraler Knotenpunkt ist eine Suchmaschine. Sie heißt nicht Google, sondern Grams. Sie sichtet das Darknet, enthält aber nicht alles, was wirklich spannend ist. In Foren und Chats werden deswegen auch Links zu speziellen Seiten verschickt. Dort lassen sich dann Waffen, Drogen, Falschgeld bestellen. Wie bei Amazon, nur illegal.

In der „Bild“ beschreibt ein Käufer das so: „Die Verpackung ist außen völlig neutral. Nichts lässt optisch auf den Inhalt schließen. Erfühlen lässt sich der Inhalt auch nicht. Der Absender ist wirklich intelligent gewählt und sollte dafür Sorgen, dass jeder unbedarfte Leser die Sendung als langweilig einstufen wird.“

Mohammed K. gilt als "extrem gefährlich": Dieses Foto zeigt den Bombenbauer der Paris-Attentäter

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