POLITIK
27/11/2015 05:18 CET | Aktualisiert 27/11/2015 07:24 CET

Nach dem Su-24-Abschuss erhebt Putin schwere Vorwürfe gegen die USA

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Wladimir Putin unterstellt den USA, beim Abschuss der SU-24 vor drei Tagen geholfen zu haben

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Der russische Präsident Wladimir Putin erhebt schwere Vorwürfe gegen die USA. Er sagte, die Amerikaner hätten den Türken verraten, wann und wo das Kampfflugzeug vom Typ Su-24 auftauchen würde, das am 24. November abgeschossen wurde.

Das US-Militär war über die russischen Flüge informiert. "Die amerikanische Seite, welche die Koalition, der die Türkei angehört, anführt, wusste, an welchem Ort und zu welcher Zeit sich unsere Flugzeuge befinden würden und wir wurden genau dort und zu dieser Zeit getroffen", sagte Putin am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz.

Er unterstellte den USA, der Türkei beim Abschuss geholfen zu haben. "Warum haben wir den Amerikanern diese Information gegeben?", sagte er. "Entweder haben sie nicht kontrolliert, was ihre Alliierten tun, oder sie haben diese Information über die ganze Welt verbreitet."

Putin lieferte sich einen Schlagabtausch mit dem türkischen Staatschef. Über die Medien kritisierten sich Putin und Recep Tayyip Erdogan gegenseitig. Der russische Präsident sagte, er warte auf eine Entschuldigung der Türkei.

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"Ein Stoß in den Rücken": Das sagt Wladimir Putin über den Abschuss des russischen Kampfflugzeugs

Das lehnte Erdogan ab. "Ich denke, wenn es eine Seite gibt, die sich entschuldigen muss, dann sind das nicht wir", sagte er in einem am Donnerstag bereitgestellten Interview des Senders CNN International. "Die, die unseren Luftraum verletzt haben, sind diejenigen, die sich entschuldigen müssen." Erdogan betonte erneut, dass die türkischen Piloten mit dem Abschuss nur ihre Pflicht erfüllt hätten.

Putin schoss verbal zurück. Eine Erklärung Erdogans, dass die Türkei den Jet nicht abgeschossen hätte, wenn sie gewusste hätte, dass er russisch war, wies Putin als "Müll" zurück. Die russischen Flugzeuge seien mit deutlich sichtbaren Hoheitszeichen versehen.

Der Türkei hielt Putin vor, mit dem IS zu kooperieren und dessen Schmuggelöl zu kaufen. "Wir sehen aus der Luft, wohin die Wagen fahren. Sie fahren Tag und Nacht in die Türkei." Schon nach dem Abschuss des Kampfjets Suchoi Su-24 hatte Putin die Türkei "Helfershelfer von Terroristen" genannt.

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew kündigte Strafmaßnahmen gegen die Türkei an. Gemeinsame Investitionen sollten eingefroren werden. Für das bei Russen beliebte Urlaubsland Türkei gab das Außenministerium eine Reisewarnung heraus. Wegen der "aktuellen terroristischen Bedrohung" fordere Moskau alle in der Türkei lebenden Russen zur Rückkehr auf.

Zuvor hatten russische Reisebüros vorerst bis Jahresende Türkei-Fahrten annulliert. Der Türkei entstehe ein Schaden von zehn Milliarden US-Dollar, meinte ein Behördensprecher in Moskau. Die russische Agraraufsicht verschärfte unterdessen die Importkontrollen für türkische Lebensmittel.

Russische Kampfjets bombardierten erneut Stellungen syrischer Rebellen. Sie griffen unter anderem eine Bergregion nahe der Küste an, in der viele Angehörige der ethnischen Minderheit der Turkmenen leben.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, Russland bleibe zwar offen für Kontakte mit der Türkei. Ein Treffen Putins mit Erdogan am Rande der UN-Klimakonferenz in Paris Anfang der nächsten Woche sei aber nicht geplant. Mit dem französischen Präsidenten François Hollande dagegen will Putin den Dialog bei der Klimakonferenz fortsetzen.

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Mit Material der dpa

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