POLITIK
26/11/2015 21:51 CET | Aktualisiert 27/11/2015 08:29 CET

Aus Angst: Bekannte Bands sagen Deutschland-Konzerte wegen Terrorgefahr ab

thinkstock
Die Kultur darf sich nicht unterkriegen lassen

Die Terroranschläge in Paris vom 13. November haben Europa verändert. Nicht nur politisch, auch kulturell. Nach dem Massaker im Pariser Club Bataclan während eines Konzerts der US-Rocker von Eagles of Death Metal sind viele Musiker unruhig geworden und wollen auf Grund noch immer gravierender Terrorgefahr vorerst in Europa nicht auftreten.

Wie am Mittwochabend: Da hätten die beiden US-Metallbands Papa Roach und Devil You Know in Düsseldorf spielen sollen. Doch wie die "Rheinische Post" berichtet, haben beide Gruppen ihren Auftritt kurzfristig abgesagt. Die Gründe seien "logistische Herausforderungen und Unsicherheiten" nach den Anschlägen. Beide Bands hätten zudem ihre komplette Europa-Tournee auf Eis gelegt.

Die Bands entschuldigen sich

"Unsere Crew ist ein wichtiger Teil unserer Organisation, und weil sie unglücklicherweise die Tour wegen ihrer logistischen Herausforderungen und Unsicherheiten nicht fortsetzen konnten, konnten wir es auch nicht". Mit diesen Worten entschuldigten sich Papa Roach (größter Hit: "Last Resort") auf ihrer Facebook-Seite für das ausgefallene Konzert.

Noch einen Schritt weiter gingen die fünf Jungs von Devil You Know. Auf Facebook schrieben sie: "Das Wohlbefinden der Bandmitglieder, der Crew und natürlich der Fans hat absolute Priorität für uns, und angesichts der aktuellen tragischen Ereignisse und der anhaltenden Bedrohungen in Teilen Europas mussten wir diese sehr schwierige Entscheidung treffen, um die Sicherheit von allen zu gewährleisten."

Deutschland darf sich nicht einschüchtern lassen

Trotz erster abgesagter Konzerte und erhöhter Anschlagsgefahr sind sich die deutschen Konzertveranstalter in einem Punkt einig: Vor dem Terror einzuknicken, wäre der völlig falsche Weg. Deutschland dürfe sich nicht durch terroristische Gewalttaten in den Grundfesten seiner Gesellschaft erschüttern lassen.

"Wir werden weiterhin den Menschen das geben, was sie als Teil ihres Lebens verstehen, nämlich Sport, Kultur, Parks, Erholung - alles was wir so hier in unserer Welt schätzen", sagt Dieter Semmelmann, Geschäftsführer von Semmel Concerts Entertainment, im Gespräch mit der "Huffington Post".

Längere Wartezeit wegen verschärfter Sicherheitsmaßnahmen

Das Unternehmen aus Bayreuth veranstaltet die Auftritte vieler nationaler und internationaler Showgrößen wie Andrea Berg, Sarah Connor oder Bryan Adams. Sein Unternehmen, eine Tochtergesellschaft des Veranstaltungs-Riesen Eventim, spüre aktuell weder einen Rückgang der Ticketverkäufe, noch gebe es erste Konzertabsagen zu vermelden.

Auf Grund verstärkter Sicherheitsvorkehrungen rät Semmel den Konzertbesuchern, frühzeitig am Veranstaltungsort zu sein, da die Kontrollen länger dauern würden: "Wir versuchen bei unseren Veranstaltungen für unsere Besucher ein größtmögliches Maß an Sicherheit zu gewährleisten."

Veranstalter fordert Polizei auf Konzerten

Auch bei der Berliner MCT Agentur sträubt man sich gegen Resignation und Panikmache. Die Veranstalter, die unter anderem die Tour der Elektro-Pioniere von Kraftwerk und des DJs Paul Kalkbrenner im Programm haben, mussten ebenfalls noch keine Konzerte auf Grund möglicher Terrorgefahr abblasen. "Unsere Sicherheitsvorkehrungen waren schon immer streng, jetzt werden noch vermehrt Bodychecks durchgeführt", erklärt das Unternehmen auf Anfrage.

Der Veranstalter Marek Lieberberg der regelmäßig Stars wie Madonna, Shakira oder Christina Aguilera nach Deutschland holt, fordert derweil mehr Polizeipräsenz auf Konzerten, sofern es Hinweise auf einen Anschlag gäbe. "Für eine terroristische Situation ist keiner von uns gewappnet, und zwar in keinem Bereich des öffentlichen Lebens." Für den Event-Ausrichter ist klar: "Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sich ein Ordner einem islamischen Terroristen entgegenstellt, der mit einer feuernden Kalaschnikow auf ihn zurennt. Das ist doch verrückt.“

Die Eagles of Death Metal wollen zurück an den Ort des Terrors

Der Münchner Konzertveranstalter Frank Bergmeyer ist anderer Meinung. Er ist Inhaber des Münchner Clubs "Strom“ sowie der Musik- und Eventagentur "Propeller“. Zuletzt sagte er der "Süddeutschen Zeitung": "Auf das Publikum wirken schwer bewaffnete Polizisten in Uniform bedrückend“, sagt Bergmeyer. Er müsse sich jedoch nach den Bands richten.

Nach den Terrorattacken in Paris: Hier redet die Band „Eagles of Death Metal“ über die Geschehnisse im Bataclan

Mut machen zudem die Eagles of Death Metal, die Band, deren Name wohl auf ewig mit den Ereignissen von Paris verbunden sein wird. Auch sie hatten verständlicherweise alle weiteren Konzerte ihrer Tournee auch in Deutschland abgesagt, doch Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. In einem bewegenden Interview mit dem "Vice" Magazine äußerte Frontman Josh Hughes unter Tränen und mit zittriger Stimme den innigen Wunsch, eines Tages auf die Bühne des wiedereröffneten Bataclan-Theaters zurückkehren zu wollen.

Auch auf HuffPost:

Terror in Paris: Das sagt der Vater des Drahtziehers von Paris

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite