POLITIK
25/11/2015 09:37 CET | Aktualisiert 25/11/2015 12:39 CET

Schockierendes Video zeigt Polizisten, wie er einen schwarzen Jungen mit 14 Schüssen tötet

dpa

Ein schwerer Fall von Polizeigewalt erschüttert erneut die USA. Nach der Veröffentlichung des verstörenden Videos einer Polizeiaktion gegen einen schwarzen Jugendlichen werden in Chicago Proteste erwartet und Ausschreitungen befürchtet. In der Nacht zum Mittwoch fanden sich einige hundert Menschen zu Demonstrationen zusammen.

Die meisten blieben friedlich, aber es kam auch zu Handgemengen. In den vergangenen Jahren haben tödliche Schüsse weißer Polizisten auf oft unbewaffnete Schwarze in den USA immer wieder zu Protesten geführt, auch zu schweren Auseinandersetzungen.

Hier seht ihr das Video, das die Proteste ausgelöst hat (der Text geht darunter weiter):

Der Hintergrund: Vor gut einem Jahr, am 20. Oktober 2014, schießt der weiße Polizist Jason Van Dyke auf Laguan McDonald, 17 Jahre alt. 16 Mal drückt er ab. Nur zwei Schüsse treffen McDonald im Stehen. Der Obduktionsbericht zeigt 14 Kugeln im Rücken des Jugendlichen. Am Dienstag klagte die Staatsanwaltschaft van Dyke wegen Mordes an. Danach veröffentlichte die Polizei das Video. Sie sagt, sie war auf die Konsequenzen vorbereitet.

In Chicago waren laut Polizeibericht acht Polizisten vor Ort. Nur van Dyke schoss, etwa 15 Sekunden lang. Das Video zeigt, wie McDonald eine breite Straße entlangläuft, fast tänzelt. Es ist später Abend. In der rechten Hand hält er nach Polizeiangaben ein kurzes Messer, auf dem Video ist das schlecht zu erkennen. Mehrere Polizeiwagen halten, aus einem steigt van Dyke aus.

Es gibt keinen Dialog zwischen Polizist und Jugendlichem. Sechs Sekunden nach Verlassen des Fahrzeugs beginnt van Dyke zu feuern. Er ist mehrere Meter von McDonald entfernt, das Video zeigt keinerlei Bedrohung. Der junge Mann bricht in den ersten Schüssen zusammen, krümmt sich auf dem Asphalt. McDonald wurde verfolgt, weil er zuvor Autoradios aus Trucks gestohlen und den Reifen eines Polizeiwagens zerstochen haben soll.

Die Staatsanwältin Anita Alvarez zeigte sich schockiert von dem Vorfall. Sie sagte am Dienstag, in den 30 Jahren ihrer Arbeit habe sie noch nie ein solches Video gesehen. Es ist nach Angaben von MSNBC das erste Mal seit 35 Jahren, dass in Chicago ein Polizist wegen Mordes (ersten Grades) angeklagt wird.

Die Polizei will beruhigen. Superintendent Garry McCarthy von der Chicagoer Polizei sagte in einer live übertragenen Pressekonferenz mit Bürgermeister Rahm Emmanuel, er verstehe den Zorn derer, die das Video sehen. "Sie haben ein Recht, ärgerlich zu sein, und sie haben ein Recht zum Protest. Aber wir werden nichts zulassen, was kriminell ist."

In einer Erklärung rief auch die Familie des Getöteten Chicago zu Ruhe und Besonnenheit auf. In der Nacht skandierten die Demonstranten "We gon' be alright", eine Zeile aus dem Song "Alright" von Kendrick Lamar. Für viele Schwarze ist dieser Song das "We shall overcome" ihrer Protestbewegung, auch bei "Black Lives Matter" wird er oft zitiert.

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