POLITIK
23/11/2015 21:07 CET | Aktualisiert 24/11/2015 00:02 CET

Alarmierende Zahlen über Armut: Über eine Million Arbeitslose in Deutschland müssen hungern

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Hunger - ein Gefühl, das immer mehr Deutsche wieder kennen

Es sind dramatische Szenen, die sich an vielen deutschen Tafeln in diesen Tagen abspielen. Menschen drängeln sich in Richtung Lebensmittelausgabe, müssen Stunden warten, um überhaupt etwas Essbares zu ergattern. Sicher, vereinzelt wollen Menschen einfach nur Geld sparen, doch glaubt man Vertretern der Essenausgaben, ist es schlicht die pure Not oder sogar Hunger, der sie antreibt.

Laut dem Chef des Bundesverbands der Tafeln, Jochen Brühl, mussten die Tafeln bereits vor der Flüchtlingskrise eine Million Bedürftige in Deutschland versorgen. Wie dramatisch die Lage für Deutschlands Arme ist, zeigen nun aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Das sind die alarmierenden Fakten:

Demnach konnte 2014 jeder dritte Arbeitslose nicht regelmäßig eine vollwertige Mahlzeit zu sich nehmen. Im vergangenen Jahr hätten rund 35 Prozent der Erwerbslosen hierzulande Schwierigkeiten, sich mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten zu können. Das schrieben Zeitungen der Funke Mediengruppe am heutigen Montag. Sie beriefen sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Innerhalb eines Jahres stieg demnach die Zahl der Betroffenen um 48.000 auf 1,07 Millionen.

Die Daten habe die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, vom Statistischen Bundesamt angefordert. Gut jeder fünfte Erwerbslose hatte demnach Probleme, die Miete oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu zahlen. Zwischen 2013 und 2014 habe sich die Zahl der Betroffenen um 62.000 auf 590.000 erhöht. „Die Absicherung im Fall von Erwerbslosigkeit wird immer brüchiger und schwächer“, kritisierte die Arbeitsmarktpolitikerin Zimmermann.

Aus Sicht vieler Hilfsorganisationen hat die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihrer Sozialpolitik versagt. Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, schreibt in einem Gastbeitrag für die Huffington Post, die Hartz-IV-Quote betrage noch immer 10,1 Prozent, die Armutsquote sogar 15,4 Prozent. „Auch nach zehn Jahren Kanzlerinnenschaft Merkel bleibt Deutschland ein sozial tief gespaltenes Land, eine zerklüftete Republik“, so Schneider.

Mit Material von dpa

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