LIFESTYLE
23/11/2015 19:28 CET | Aktualisiert 12/04/2016 11:59 CEST

So ticken Frauen beim Sex wirklich. Dieser Porno ist der Beweis

Ich schaue nach links, nach unten, nach rechts. Mein Blick schweift durch einen Raum, in dem gerade drei Frauen miteinander Sex haben. Eine liegt, eine andere stimuliert sie mit der Hand, die dritte bewegt sich über dem Gesicht der liegenden. Eine vierte Frau filmt sie dabei. Ganz ruhig und unaufgeregt. Die drei haben offensichtlich viel Spaß. Ich stehe in der Tür.

Dann entfährt mir ein “Wow” und ich reiche Nina die Virtual Reality-Brille wieder zurück. “Es ist noch die Beta-Version”, erklärt Paulita, “aber wir sind schon sehr stolz.”

Ich habe gerade meinen ersten Virtual-Reality-Porno gesehen. Und es war ganz anders, als viele jetzt denken würden.

Kein Mainstream-Porno

Denn fällt das Wort “Porno”, wissen eigentlich immer alle sofort, wie der aussieht: Lange Nägel, blonde, rasierte Frauen, eine gnadenlose Abfolge des Rein-Raus. Es geht um Praktiken, um Körper. Es ist gestellt: Close Ups, Sex zur Kamera hin. Alles muss aufs Bild.

Aber was mir Nina und Paulita gerade gezeigt haben ist anders. Die beiden sind Teil des “Ersties”-Teams. Eines Teams von Filmemacherinnen, die seit fünf Jahren Pornos drehen, die mit dem rangezoomten Rein-Raus-und-Drauf des Mainstream-Pornos nichts mehr gemein haben.

“Wir wollten etwas machen, das es nicht gibt”, sagen sie. Pornos aus Frauenperspektive. Dazu castet das Team der Ersties Frauen aus ganz Deutschland. Jedes Model dreht mit dem Team einen Clip. Manchmal alleine, manchmal zu mehreren. Zunächst wird ein Interview mit dem Model geführt, die Frauen erzählen von ihren Vorlieben, von geheimen Sehnsüchten, von Lieblingspraktiken.

Im zweiten Teil sieht man den Models beim Sex zu. Aber es ist kein gängiger Porno-Sex. Denn er ist nicht inszeniert. Es gibt keine Drehpausen, in denen Körperöffnungen zur Kamera hin positioniert werden. Stattdessen sieht man auch oft einfach in Gesichter, die Spaß haben. Und manchmal sieht man auch wenig, denn dieser Sex wird nicht zur Kamera hin erlebt.

Ganz normale Frauen

Die Pornos der Ersties sind eher wie kleine Sex-Dokumentationen. Man sieht Close-Ups von Brüsten, die keine normierten Werbe-Brüste sind, sondern ganz unterschiedlich aussehen. Frauen, die vor der Kamera masturbieren und vorher erzählt haben, wie sie das am liebsten machen. Oder mit einem neuen Sex-Spielzeug Erfahrungen sammeln.

Und es ist erstaunlich, wie revolutionär sich diese Filme anfühlen. Denn sie zeigen Sex ohne Anleitung. Sie zeigen ganz unterschiedliche Frauen, die aber alle gleich lustvoll sind und sich dabei zeigen wollen. Nach eigener Regie und nach eigenem Rhythmus. Etwas, das man im Mainstream-Porno nicht zu sehen bekommt.

ersties

“Bei uns melden sich Frauen, die einfach Lust haben, mal etwas auszuprobieren. Die haben eine geheime Sehnsucht und wir geben ihnen den sicheren Raum, diese Sehnsucht auszuleben. Manche Frauen wollen sich auch einfach gerne zeigen. Die schreiben uns und sagen: ‘Ich habe vielleicht nicht den perfekten Körper, aber ich fühle mich wohl’. Wir wollen diese Frauen zeigen. Das Mädchen von nebenan.”

“Wenn wir an nackte Körper denken, denken wir oft an ein ganz bestimmtes Bild”, erklärt Paulita, die selber als Darstellerin in ein paar Filmen mitgewirkt hat. "Wir wollen diese Sehgewohnheiten brechen.”

Wie in dem Erstie-Porno, den die beiden mir gezeigt haben. Wo Frauen zu sehen sind, die sehr selbstbewusst vor der Kamera agieren. Sehr intim zu sehen sind. Frauen, die sich darstellen wollen. Und man merkt, dass man - so natürlich das ist - Frauen so noch viel zu selten gesehen hat.

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