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20/11/2015 17:36 CET | Aktualisiert 21/11/2015 08:49 CET

Geiselnahme in Mali beendet - mindestens 27 Tote

Nur eine Woche nach den Anschlägen von Paris wurde das Luxushotel Radisson Blu in der Hauptstadt von Mali angegriffen. Die wichtigsten Aspekte im Überblick:

  • Zu dem Anschlag in Bamako bekannten sich nach Medienberichten zwei mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Gruppen - die Terrorgruppen Al-Murabitun und Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQIM). Die Angreifer wollen vermutlich die gerade begonnene Stabilisierung Malis verhindern.
  • Die selbsternannten Gotteskrieger hatten es offenbar gezielt auf Nicht-Muslime abgesehen. Wer das islamische Glaubensbekenntnis rezitieren konnte, wurde freigelassen, wie ein Polizeibeamter in Bamako sagte. Damit wiederholt sich ein Muster, das schon bei anderen Anschlägen in Afrika zu Tage kam, etwa in Nigeria oder Kenia: Getötet werden sollen vor allem Andersgläubige.
  • Am Freitagnachmittag hatten die Geiselnehmer noch rund 80 Menschen in ihrer Gewalt. Zwölf Franzosen, fünf Türken und zwei Deutsche waren unter jenen, die entkommen konnten. Unter den Geiseln im Hotel waren noch einige Inder, Chinesen, Belgier und womöglich auch Franzosen.
  • Malis Polizei stürmte das Hotel. Am frühen Abend wurde die Geiselnahme für beendet erklärt. Mindestens 18 Menschen sind bei diesem Terror-Akt gestorben.

Zu Mali, einem der ärmsten Länder der Welt:

Der Norden des Landes, dominiert von der Sahara, leben die Tuareg, die seit Jahrzehnten nach mehr Autonomie oder Unabhängigkeit streben. 2012 übernahmen die Tuareg und islamistische Gruppen die Macht in Nordmali. Erst ein militärisches Eingreifen Frankreichs im Januar 2013 ermöglichte die Rückeroberung der Gebiete. Im Juli wurde ein Friedensabkommen geschlossen. Neben einer EU-Mission gibt es in Mali auch einen UN-Blauhelmeinsatz mit mehr als 10.000 Soldaten und Polizisten.

In den vergangenen Monaten ist die Zahl ihrer Angriffe deutlich gestiegen. Erst im August hatten radikale Islamisten ein bei UN-Mitarbeitern beliebtes Hotel nördlich von Bamako in ihre Gewalt gebracht. Nach einer 24-stündigen Geiselnahme waren 13 Menschen tot, darunter fünf UN-Mitarbeiter.

Das ACLED-Projekt der Universität Sussex, das Opferzahlen von gewaltsamen Übergriffen in Afrika zusammenstellt, geht davon aus, dass in diesem Jahr bis zum Freitag bereits 342 Menschen bei Anschlägen oder Angriffen getötet wurden. Seit Beginn der UN-Friedensmission 2013 wurden zudem bereits 56 Blauhelmsoldaten getötet, zumeist im Norden.

Deutsche Soldaten sollen in den Norden Malis

Bei der Stabilisierung des volatilen Nordens soll nun auch die Bundeswehr helfen. Bei einem Besuch in Mali Ende Juli sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, man brauche dazu einen "langen Atem und große Ausdauer". Die CDU-Politikerin zeigte sich jedoch auch zuversichtlich. Die internationale Gemeinschaft könne hier "einen Stabilitätsanker entwickeln".

Aktuell sind in Mali mehr als 200 deutsche Soldaten als Teil der EU-Mission stationiert; das Bundestagsmandat erlaubt den Einsatz von bis zu 350 Soldaten. Im Frühjahr sollen zusätzlich mehrere Hundert Bundeswehr-Angehörige in den Norden geschickt werden. ursprünglich sollte das noch vor Jahresende vom Kabinett gebilligt werden.

Nach den Anschlägen von Paris wurden erneut Fragen laut, was Deutschland im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus leistet. Regierungsmitglieder in Berlin wiesen dann gerne auf den künftigen Einsatz in Nordmali hin. Wie gefährlich Mali sein kann, machte der Anschlag auf das Radisson Blu erneut deutlich. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte am Freitag, es sei noch zu früh, um zu sagen, ob der Überfall in Bamako Auswirkungen auf die Planungen der Bundeswehr haben werde.

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