LIFESTYLE
20/11/2015 10:31 CET | Aktualisiert 22/01/2018 17:16 CET

Er war sicher, dass die "Fette" neben ihm seinen Flug ruinieren würde

Thinkstock
Sie setzte sich im Flugzeug neben ihn.

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Der Platz in einem Flugzeug ist knapp bemessen. Sehr knapp. Richtig ungemütlich wird es, wenn der Sitznachbar zusätzlich mehr Raum beansprucht als vorgesehen.

Auf dem Unterhaltungsportal "hrtwarming.com" erzählt ein Mann, wie eine übergewichtige Frau ihm fast den Flug ruiniert hätte – bis das passierte.

„Hi! Wie geht es dir?“ Die Frau lächelte, als sie sich neben mich setzte. Sie musste sich langsam setzen, während sie ihren massigen Körper in den Sitz quetschte und jeden verfügbaren Platz damit ausfüllte.

Während sie es sich gemütlich machte, legte sie ihren enormen Arm auf unsere gemeinsame Armlehne. Ihr Körper füllte den Raum zwischen uns komplett aus, während ich und mein Sitz zu Belanglosigkeit schrumpften.

Ich zuckte zurück und lehnte mich ans Fenster.

Sie lehnte sich aber zu mir herüber und wiederholte ihren Gruß mit einer aufgeräumten, freundlichen Stimme. Ihr Gesicht überragte meines und zwang mich, sie anzusehen. „Hi“, antwortete ich mit offensichtlichem Ekel.

Ich drehte mich weg, um aus dem Fenster zu starren und stöhnte innerlich über die langen Stunden voller Unbehagen, die mir neben dieser Frau bevorstanden.

Sie stupste mich an. „Mein Name ist Laura. Ich komme aus Großbritannien. Und du? Japan?“

„Malaysia“, fauchte ich.

„Das tut mir so leid! Bitte nimm meine Entschuldigung an. Komm, schüttel meine Hand. Wenn wir sechs Stunden Seite an Seite sitzen, dann werden wir besser Freunde, findest du nicht?“ Eine riesige Hand winkte vor meinem Gesicht. Ich schüttelte widerwillig ihre Hand, noch immer schweigsam.

Laura begann ein Gespräch mit mir, ohne von meinen einsilbigen Antworten Notiz zu nehmen. Sie sprach aufgeregt von sich und ihrer Reise nach Hongkong, um ihre Freunde zu treffen. Sie rasselte eine Liste von Dingen herunter, die sie für ihre Schüler in der Internatsschule kaufen wollte, in der sie unterrichtete.

Ich gab ihr einsilbige Antworten auf ihre Fragen über mich.

Von meinem Unwillen unbeeindruckt, nickte sie, als sie anerkennende Kommentare zu meinen Antworten machte. Ihre Stimme war warm und liebevoll. Sie war rücksichtsvoll und zuvorkommend, als wir Getränke und Essen serviert bekamen. Sie wollte sicherstellen, dass ich genug Platz hatte, um in meinem Sitz zu manövrieren. „Ich will dich nicht mit meiner Elefantengröße erschlagen“, sagte sie mit unverhohlener Ehrlichkeit.

Zu meiner Überraschung öffnete sich ihr Gesicht, das mich Stunden zuvor abgeschreckt hatte, zu einem außergewöhnlichen Lächeln, das gleichzeitig lebhaft und ruhig war. Ich konnte nicht anders, als mich langsam zu öffnen,

Laura war eine interessante Gesprächspartnerin.

Sie war sehr belesen in vielen Themen, von Philosophie bis zu den Naturwissenschaften. Sie konnte ein an sich unwichtiges Thema in etwas verwandeln, was man entdecken und verstehen will. Ihre Kommentare waren humorvoll und inspirierend. Als sich unser Gesprächsthema über Kulturen drehte, war ich freudig überrascht über ihre intelligenten Kommentare und durchdachten Analysen.

Während unseres Gesprächs schaffte es Laura, jedes Mitglied der Crew, das uns bediente, mit ihren Witzen zum Lachen zu bringen.

Als eine Stewardess unsere Tische abräumte, machte Laura mehrere Witze über ihr Gewicht. Die Stewardess lachte aus vollem Herzen, während sie Lauras Hand nahm. „Sie retten mir wirklich den Tag!“

Die nächsten Minuten hörte Laura aufmerksam zu, als die Stewardess über ihre eigenen Gewichtsprobleme sprach. Die dankbare Frau sagte zu ihr, bevor sie ging: „Ich muss arbeiten. Ich komme später zurück und rede mit Ihnen darüber.“

Ich fragte Laura: „Hast du jemals darüber nachgedacht, Gewicht zu verlieren?“

„Nein, ich habe hart daran gearbeitet, so auszusehen. Wieso sollte ich das aufgeben?“ „Du hast keine Angst, dass du mit deinem Übergewicht Herzkrankheiten bekommst?“

„Nicht ein bisschen. Du bekommst diese Krankheiten nur, wenn du dir die ganze Zeit Sorgen über dein Gewicht machst. Immer sieht man die Werbung der Diätindustrie, die sagt: Befreie dich von deinen überflüssigen Pfunden, damit du so sein kannst, wie du bist. Das ist Müll! Du bist nur frei, wenn du dich so wohl fühlst, wie du bist und wie du jeden Tag und das ganze Jahr aussiehst. Wieso sollte ich mein Geld für Schlankheitskurse verschleudern, wenn ich so viele andere wichtige Dinge tun kann und so viele Freunde habe? Ich esse gesund und gehe regelmäßig spazieren. Ich habe dieses Gewicht, weil ich so geboren wurde. Es gibt mehr im Leben, als sich die ganze Zeit über sein Gewicht Sorgen zu machen.“

Sie nippte an ihrem Wein. „Außerdem gibt mir Gott so viel Glück, dass ich einen größeren Körper brauche, um alles darin zu halten. Warum sollte ich Gewicht verlieren – und damit vielleicht mein Glück verlieren?“

Ich kicherte, überrascht von ihren Argumenten.

Laura fuhr fort: „Die Leute sehen mich oft als fette Frau mit großem Busen, großen Schenkeln und einem großen Hintern, der nie ein Mann einen zweiten Blick zuwerfen würde. Sie sehen mich als Tölpel. Sie denken, dass ich faul bin und keine Willensstärke habe. Sie liegen falsch.“ Sie hielt ihr Glass einer Stewardess hin. „Mehr von diesem großartigen Wein bitte.“ Sie lächelte freundlich. „Ihre Crew macht großartige Arbeit. Möge Gott Sie alle segnen.“

Sie drehte sich zu mir. „Innerlich bin ich eigentlich eine schlanke Person. Ich bin so voller Energie, dass die Leute nicht mithalten können. Das Extrafleisch ist da, um mich runterzubringen, sonst würde ich überall hinrennen und den Männern nachjagen.“

„Jagen denn dich die Männer?“, fragte ich scherzhaft.

„Natürlich tun sie das. Ich bin glücklich verheiratet, aber die Männer machen mir immer noch Anträge. Viele von ihnen haben Beziehungsprobleme und sie brauchen jemanden, dem sie sich anvertrauen. Aus irgendeinem Grund sprechen sie mit mir. Ich denke, ich sollte als Beraterin statt als Lehrerin arbeiten.“

Laura schwieg, bevor sie nachdenklich sagte: „Weißt du, die Beziehung zwischen Männern und Frauen ist so kompliziert. Frauen beten ihre Männer an und nennen sie Liebling, bis sie herausfinden, dass sie angelogen wurden und dann werden sie verbittert. Männer lieben ihre Frauen so sehr, dass sie sie als ihre Seelenverwandte sehen, bis sie einen Blick auf ihre Kreditkartenrechnung werfen und die Frauen zu Teufeln mit Dreizack werden.“

Lauras faszinierendes Gespräch hatte den Flug in etwas Wundervolles verwandelt.

Ich war auch fasziniert von der Art, wie sich Leute zu ihr hingezogen fühlten. Am Ende des Fluges stand fast die Hälfte der Crew neben unserem Platz am Gang und lachte mit Laura. Die Passagiere neben uns machten mit. Laura war im Zentrum der Aufmerksamkeit und füllte das Flugzeug mit liebevoller Wärme.

Als wir uns in der Ankunftshalle des Flughafens von Hong Kong verabschiedeten, sah ich ihr zu, wie sie zu einer großen Gruppe von Erwachsenen und Kindern lief. Grüße, Umarmungen und Küsse wurden ausgetauscht. Laura drehte sich um und winkte mir.

Ich war fassungslos, als ich realisierte: Laura war die schönste Frau, die ich je in meinem Leben getroffen hatte.“

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