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18/11/2015 13:23 CET | Aktualisiert 18/11/2015 17:20 CET

Was Stephen Hawking über den Terror sagt, ist wunderbar richtig

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Die Anschläge auf Paris haben Europa verändert. Seit Freitagabend hat sich ein Gedanke in unseren Köpfen manifestiert: Wir sind nicht sicher. Was in Paris passiert ist, kann jedem von uns passieren.

Nach dem Bombenalarm in Hannover und dem abgesagten Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden, scheint dieser Gedanke sich zu bestätigen.

Der IS, wenn er denn tatsächlich hinter den Paris-Anschlägen steckt, hat uns gezeigt, wozu er in der Lage ist. Und es ist verständlich, dass wir Angst haben. Doch genau davon müssen wir uns lösen, um gegen die Terroristen vorzugehen zu können.

Wir reagieren mit Aggression auf Aggression. Und das ist ein großer Fehler. Einer, auf den Stephen Hawking uns schon seit Jahren hinweist.

"Ich frage mich oft, wie wir auf andere Wesen wirken, die uns aus den Tiefen des Alls beobachten. Wenn wir ins Universum sehen, sehen wir in die Vergangenheit, denn das Licht entfernter Objekte erreicht uns erst viel, viel später.

Was zeigt das Licht, das von unserer Erde heute ausgeht? Wenn jemand unsere Vergangenheit sieht, werden wir dann stolz darauf sein, was sie wir ihm zeigen? Wie wir einander als Brüder behandeln? Wie unsere Brüder unsere Kinder behandeln?" Das fragte Hawkings schon 2014 in einem Kommentar in der "Washington Post".

Wir sind entsetzt über das Grauen, das der IS über uns bringt. Aber sind wir, die wir unsere westlichen Werte hochhalten, komplett unschuldig? Daran hat Hawking berechtigte Zweifel. Er schreibt:

"Heute entwickeln wir schneller denn je. Unser Wissen wächst exponentiell und damit auch unsere Technologien. Aber als Menschen haben wir immer noch die Instinkte, insbesondere die aggressiven Impulse, die wir als Höhlenmenschen hatten. Aggression hatte einmal klare Überlebensvorteile, doch wenn moderne Technologien auf altertümliche Aggression treffen, dann sind die gesamte Menschheit und der Großteil des restlichen Lebens auf der Erde in Gefahr.

Aktuell sehen wir in Syrien moderne Technologien in Form von Bomben, chemischen und anderen Waffen, die eingesetzt werden, um sogenannte intelligente politische Ziele voranzutreiben.

Aber es fühlt sich nicht intelligent an, mitanzusehen, wie 100.000 Menschen getötet werden oder wie auf Kinder gezielt wird. Und es fühlt sich ausgesprochen dumm an, zu verhindern, dass humanitäre Hilfe Kliniken erreicht, in denen Berichten der Kinderrechtsorganisation "Save the Children" zufolge Kindern Körperteile amputiert werden, weil die richtigen Mittel fehlen."

Warum die Worte des Wissenschaftlers gerade jetzt so wichtig sind?

Weil es jetzt darauf ankommt, die richtigen Schritte zu gehen, um dem IS den Nährboden zu entziehen und einen weiteren Krieg zu verhindern. Dafür müssen wir unsere Angst überwinden und unsere Aggression bändigen.

Hawkins sieht in der Aggression eine Bedrohung, durch die einige wenige eines Tages die ganze Menschheit zu Fall bringen könnten. Durch Atomwaffen oder andere dunkle Erfindungen des Fortschritts.

Aber er sieht auch Hoffnung. “Die menschliche Eigenschaft, die ich am liebsten verstärken würde, ist die Empathie. Sie vereint uns in einem friedlichen, liebenden Zustand."

Wir müssen uns klarmachen, dass der IS nicht so stark ist, wie es den Anschein hat. Er kann es nicht militärisch mit Europa aufnehmen. Er schafft es nicht einmal, sein Territorium im Nahem Osten zu halten. Der IS ist schwach und hat gegen uns nur eine Waffe: Angst zu schüren und die Menschen gegeneinander auszuspielen.

Die aufkeimende Islamophobie und der Wunsch nach Vergeltung sind genau das, was der IS will. Er will uns spalten, uns gegeneinander aufhetzen, um sein Weltbild wahr werden zu lassen. Auszüge aus einem Manifest der Terroristen bestätigen das:

"Es gibt keine Grauzonen im Kreuzzug gegen den Islamischen Staat. Die Welt ist in zwei Lager gespalten: in die der Gläubigen und die der Ungläubigen, die sich auf den großen Krieg vorbereiten."

Hawkings Worte sind wichtig, weil sie uns daran erinnern sollten, bedacht und intelligent zu handeln.

Indem wir Verbote gegen Burkas und Moscheen fordern, indem wir zulassen, dass Vorurteile unseren Geist beeinflussen, spielen wir dem IS in die Karten. Genau das sagt auch Nicolas Hénin, ein Franzose, der Monatelang in IS-Gefangenschaft lebte, im "Guardian":

Das zentrale an ihrem Weltbild ist, dass Gemeinschaften nicht mit Muslimen zusammenleben könnten. Und jeden Tag beschäftigten sie sich damit, dafür Beweise zu sammeln. Die Bilder aus Deutschland von Menschen, die Flüchtlinge willkommen heißen, waren besonders schwierig für sie. Toleranz, Zusammenhalt – das wollen sie nicht sehen.

Wir müssen also noch mehr Einigkeit, Toleranz und Liebe zeigen, um diese Krise zu überwinden.


Terror in Paris: Gedanken eines Muslims zu den Anschlägen in Paris

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