POLITIK
18/11/2015 20:11 CET

Vier Wege, wie wir den IS besiegen können - ohne zur Waffe zu greifen

"Ich würde den Islamischen Staat zu Tode bomben, ich würde alle ihre Öl-Felder zerstören.“ Mit diesem Satz sorgte Donald Trump, US-Millionär und Kandidat im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, unlängst im Fernsehen für Aufsehen.

Doch klar ist: Selbst die größten Trump-Fans wissen. dass man das Isis-Problem nicht einfach löst, wenn man schnell ein paar Bomben über ein paar Ölfeldern abwirft. Mal abgesehen von den katastrophalen Folgen, die eine solche Maßnahme für die Umwelt bedeuten würde, sind die Einnahmen des IS aus den Verkäufen des schwarzen Golds zwar eine extrem wichtige Einnahmequelle, aber längst nicht die einzige.

Wichtige Geldquellen des IS und wie man sie austrocknen kann

Der IS gilt als die wohl reichste Terrormiliz der Welt. Das Vermögen der Organisation wird auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt. 1,5 Milliarden Euro, um Waffen zu kaufen, Terroristen auszubilden, Witwen-Renten zu zahlen und Anschläge zu planen. Der IS ist gefährlich. Einerseits weil er eine mörderische Ideologie verfolgt. Andererseits weil er diese Ideologie bestens finanzieren kann.

Die terroristische Organisation IS ist finanziell sehr gut strukturiert und nach wie vor trägt der Handel mit Erdöl enorm dazu bei. Medienberichten zufolge sollen mindestens 160 Ölfelder im Besitz der Terroristen sein.

Eine Übersicht über die verschiedenen Einnahmequellen des IS und wie sie unterbunden werden können:

Öl-Einnahmen von geschätzt einer Milliarde Euro im Jahr

Luay al-Khatteeb, Gründer des Iraq Energy Institute und Fellow am Brookings Doha Center, schätzte 2014 laut einem Bericht der "taz“, dass der IS Einkünfte aus dem Ölschmuggel in Höhe von 2,8 Millionen Dollar pro Tag erziele. Das wäre auf das Jahr gerechnet eine Milliarde Euro.

Der Verkauf des Öls findet über den Schwarzmarkt statt. Meist gelangt es über Schmuggelrouten in die Türkei, von wo aus es weiterexportiert wird. Vor allem die Eroberung von Baidschi, der größten Ölraffinerie des Iraks brachte dem Terrorregime viel Geld.

1. Türkei muss Ölschmuggel stoppen

Die deutsche Regierung muss dringend Druck auf seinen Bündnispartner Türkei ausüben, damit das Land den Ölschmuggel wirksam unterbindet. Auch sollte Berlin Ankara finanzielle und logistische Hilfe anbieten.

2. Weniger Autofahren und bewusster heizen

Wer weniger Benzin oder Heizöl verbraucht, trägt dazu bei, dass der Islamische Staat möglicherweise bald weniger mit dem Verkauf von Rohstoffen verdient. Denn eine weltweit sinkende Nachfrage bei einer zuletzt gestiegenen Öl-Förderung könnte auch sinkende Einnahmen der IS-Mörderbande zur Folge haben.

Wer also bewusster heizt, schützt nicht nur die Umwelt – vielleicht leistet er auch einen Beitrag im Kampf gegen den Terror.

Auch die Gelder von reichen Spendern am Golf spielen bei der Finanzierung des Dschihad eine Rolle. Auf 47 Millionen Euro schätzt die Rand Corporation in einem Bericht der "taz" die Höhe der bislang geleisteten Spenden an die Islamisten. Im Vergleich zu anderen Einnahmequellen spielt das Geld der Unterstützer zwar eine eher untergeordnete Rolle – doch auch mit 47 Millionen Euro lassen sich viele Waffen kaufen.

Mammon statt Mohamed

Das Zusammenraffen von ausreichend finanziellen Mitteln ist dem IS wichtig. Ganz nach der Devise: Mammon statt Mohamed.

Reiche Scheichs etwa aus Saudi-Arabien sind Hauptspender. Als die IS-Kämpfer 2014 riesige Gebiete im Irak und Syrien im Handstreich eroberte, war der Jubel in Sponsorenkreisen groß. "Was im Irak passiert, ist eine Revolution des Volkes gegen Unterdrückung und Tyrannei", habe ein kuwaitischer Scheich, der seit zwei Jahren mit Geldkoffern zu "seinen Brigaden nach Syrien" reise, getwittert. Das berichtete zumindest 2014 der "Tagesspiegel“.

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit hatte der IS auch massiv Unterstützung der Regime der Golfstaaten bekommen. "Saudi-Arabien bleibt ein entscheidender Geldgeber von Al-Quaida, den Taliban und anderen Terrorgruppen", sagte die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton laut Wikileaks bereits 2009.

Mittlerweile distanzieren sich die Saudis aber auch Staaten wie Bahrain zumindest offiziell vom IS – und dafür, was die eigenen Bürger privat machten, trage man ja nicht die Verantwortung, heißt es dort gerne.

Doch es bleibt ein Problem: In Saudi-Arabien ist der Wahabismus Staatsreligion. Und mit ihren Öl-Milliarden haben die Saudis in den vergangenen Jahren diese ultra-konservative und menschenverachtende Form des Islams in weiten Teilen der muslimischen Welt verbreitet.

3. Spenden trockenlegen

Kritiker weisen darauf hin, dass die Golfstaaten somit den Nährboden dafür geschaffen haben, dass junge Araber in Europa zu Terroristen werden. Der syrisch-katholische Patriarch Ignatius Joseph III sagte 2014, nachdem der IS tausende Christen in Syrien vertrieben oder getötet hatte: "Woher beziehen diese Terroristen ihre Waffen? Von den fundamentalistischen Staaten am Golf, stillschweigend gebilligt von den westlichen Staatslenkern, weil sie deren Öl brauchen", kritisierte der Geistliche dem "Tagesspiegel“ zufolge.

Handel mit geklauten Antiquitäten

Eine weitere Einnahmequelle, die für den IS inzwischen massiv an Bedeutung gewonnen hat, ist der Handel mit Antiquitäten. Dem "Wall Street Journal“ zufolge verdienen die Terroristen im Jahr rund 100 Millionen Dollar mit dem Verkauf von Kunst. Die Werke stammen oft aus Plünderungen von Privathaushalten und auch staatlichen Einrichtungen.

Ein wichtiger Umschlagsplatz des Verkaufs soll Deutschland sein. Wie genau der Handel mit den Kunstwerken funktioniert, zeigte Ende 2014 die ARD-Dokumentation "Das geplünderte Erbe – Terrorfinanzierung durch deutsche Auktionshäuser“.

So werden in deutschen Aktionshäusern offenbar illegal erworbene antike Kunstschätze aus Syrien und dem Irak verkauft. In das Visier der Reporter geriet etwa ein nobles Antiken-Auktionshaus in München. Versteigert wurden dort teure antike Schätze, unter anderem aus Syrien. Viele der ausgestellten Kunstwaren waren Raubkunst.

4. Schärfere Zoll-Kontrollen und Nachweise

Es geht um viele Millionen Euro – genaue Zahlen kennt niemand. Klar ist: Der deutsche Zoll hat viel zu wenig Personal um den Schmuggel zu stoppen. Die Politik muss hier dringend handeln.

Doch auch wohlhabende Deutsche können etwas tun: Keine antiken Kunstwerke und Statuen aus Syrien und dem Irak kaufen, deren Herkunft (Provenienz) nicht eindeutig geklärt ist.

Der Vorschlag von US-Politiker Donald Trump, "einfach alle Ölfelder auszubomben“, wäre also sicher nicht die alleinige Lösung im Kampf gegen den IS. Außerdem wäre der Preis dafür viel zu hoch, denn wie eingangs angedeutet, wären die Brände von Ölförderanlagen kaum zu löschen. Das hat bereits der Irakkrieg gezeigt. Eine Umweltkatastrophe könnte die Folge von Trumps Bombenplänen sein.

Stattdessen müssen sowohl Politik als auch Bevölkerung genau reflektieren, mit wem sie zu welchen Konditionen Handel betreiben. Denn wenn der Terrororganisation langfristig der Absatzmarkt für ihre Produkte genommen wird, wird das IS-Regime nachhaltig geschwächt.

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