POLITIK
17/11/2015 21:15 CET | Aktualisiert 18/11/2015 03:50 CET

Länderspiel Deutschland Niederlande abgesagt: Was bisher bekannt ist – und was nicht

dpa
Polizisten vor dem abgesperrten Stadion in Hannover

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Aus Angst vor einem Terrorangriff ist das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande am Dienstagabend kurz vor Anpfiff abgesagt worden. Die wichtigsten Fakten:

1. Ein ausländischer Geheimdienst soll Deutschland gewarnt haben. Das berichtet unter anderem die dpa. Die "Bild"-Zeitung schreibt, es handele sich um den französischen Geheimdienst. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat bestätigt, dass der Hinweis auf ein mögliches Attentat beim Länderspiel in Hannover von einem ausländischen Geheimdienst kam. Er habe am Dienstagmittag die Information erhalten, dass "innerhalb der nächsten 48 Stunden ein Anschlag auf ein Sportereignis in Deutschland stattfinden sollte oder könnte", sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Fernsehen.

2. Offenbar wurde ein Sprengstoff-Anschlag befürchtet. Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe sagte der dpa: "Wir haben konkrete Hinweise gehabt, dass jemand im Stadion einen Sprengsatz zünden wollte." Die "Bild" schreibt: "Es war konkret von Sprengmitteln, Sprengstoffgürteln, automatischen Waffen und Sprengsätzen an den Zufahrtswegen die Rede."

3. In einem Intercity wurde eine Bombenattrappe gefunden. Ein Reisender hatte am Abend im Zug einen verdächtigen Gegenstand bei der Ankunft in Hannover entdeckt und die Bundespolizei alarmiert. Polizisten untersuchten das Paket. Nachdem auch ein Sprengstoffsuchhund angeschlagen habe, seien Entschärfer hinzugezogen worden. Sie fanden beim Röntgen diverse elektronische Bauteile. Bei dem Fund handelte es sich nach Aussagen von Bundespolizeisprecherin Sandra Perlebach um eine gut gemachte Sprengstoff-Attrappe und nicht um eine scharfe Bombe, wie zunächst befürchtet worden war.

Das jedenfalls meldete die Polizei via Facebook:

Liebe Follower,zunächst danken wir allen, die dazu beigetragen haben, dass die Räumung des weiteren Stadionbereiches...

Posted by Polizei Hannover "aktuell" on Dienstag, 17. November 2015

4. Angeblich soll vor einem Iraker und einem Nordafrikaner gewarnt worden sein. Laut "Bild" warnte Frankreich vor einem irakischen Schläfer, eine andere nicht genannte Quelle vor einer Gruppe um einen angeblich namentlich bekannten Nordafrikaner. Die "Welt" schreibt, dass der Geheimdienst vor einem Iraker aus dem Weserbergland gewarnt hätte.

5. Der Polizeichef von Hannover riet den Menschen, sich in den Häusern aufzuhalten.

6. Eine Pressekonferenz des Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) und seines niedersächsischen Kollegen Boris Pistorius (SPD) brachte keine Klarheit. Im Gegenteil. De Maizière äußerte sich derart vage, dass er sogar noch Angst schürte: "Ein Teil der Aussagen, die ich hier machen würde, würden entweder die Bevölkerung verunsichern, unsere eigene Arbeit erschweren oder gegebenenfalls auch dem Hinweisgeber schaden", sagte de Maizière auf die Frage, warum er keine detaillierteren Auskünfte gebe. "Es kann nicht in unserem Interesse sein, demnächst keine Hinweise mehr zu erhalten."

7. Die Räumung des Stadions verlief ruhig. Gegen 19.15 Uhr waren kaum Zuschauer im Stadion. Sie wurden per Lautsprecher aufgefordert, den Stadionbereich zu verlassen. Die Evakuierungszone wurde mit Absperrband mit der Aufschrift "Vorsicht Lebensgefahr" kenntlich gemacht.

8. Die deutsche Nationalmannschaft war laut Deutschem Fußball-Bund noch nicht eingetroffen.Die Nationalmannschaft war im Mannschaftsbus noch etwa fünf Kilometer vom Stadion entfernt, als die Absage kam. Der Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bunds, Reinhard Rauball, sagte, sie sei dann ebenso wie die niederländische Mannschaft an einen sicheren Ort gebracht worden. Inzwischen hätten die Spieler die Heimreise angetreten. "Es ist ein trauriger Tag für den deutschen Fußball."

9. Zahlreiche Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern hatten das Spiel besuchen wollen, darunter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD). Die Entscheidung zur Spielabsage sei "während des Fluges und gleich nach der Landung" getroffen worden, sagte de Maizière. Merkel sei daraufhin zurückgeflogen.

10. Das Länderspiel zwischen Großbritannien und Frankreich in London dagegen wurde nicht abgesagt. Um ein Zeichen gegen den Terror zu setzen, sangen dort alle zusammen die französische Nationalhymne.

11. Das Konzert der "Söhne Mannheims" fand letztlich statt. Zuerst waren widersprüchliche Meldungen kursiert, ob die Vorstellung in der Tui-Arena in Hannover auch abgesagt würde. Die "Hannoversche Allgemeine" zitierte dann Sänger Xavier Naidoo: "„Ich bin froh, dass wir hier spielen können. Doch es ist traurig, dass wir schon an dieser Front kämpfen müssen, um ein Konzert spielen zu können."

12. Der Musiker und Komiker Helge Schneider musste dagegen seine Lesung in Hannover absagen. Er nahm dazu in einer starken Videobotschaft Stellung.

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