POLITIK
17/11/2015 13:28 CET | Aktualisiert 23/06/2017 09:54 CEST

Axel Springer trennt sich von Skandal-Autor

Kurz nach den Anschlägen in Paris war das Internet voll von Trauerbekundungen. Von ehrlicher Anteilnahme. Von Aufrufen, bei allem Schrecken jetzt nicht in Hass gegen Muslime zu verfallen.

Es gab aber auch einige andere Stimmen, die sofort versuchten, die Anschläge für ihre Agenda zu nutzen. Eine davon war der ehemalige Spiegel-Journalist Matthias Matussek. Heute schreibt er als Autor für die im Axel-Springer-Verlag erscheinende Tageszeitung "Die Welt".

Matussek postet auf seiner Facebook-Seite kurz nach den Anschlägen folgende Worte:

"Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen."

Ich schätze mal, der Terror von Paris wird auch unsere Debatten über offene Grenzen und eine Viertelmillion unregistrierter junger islamischer Männer im Lande in eine ganz neue frische Richtung bewegen.. :-)

Posted by Matthias Matussek on Freitag, 13. November 2015

Ein besonders makabres Detail: Matussek schließt seinen Post mit einem lachenden Smiley ab (er veränderte das Smiley nachträglich).

Der Shitstorm im Netz folgte prompt. Nicht, dass Matussek das kümmern würde. Geärgert hat ihn aber anscheinend die Reaktion der Kollegen im Springer Verlag. Bild-Chef Kai Diekmann twitterte, dass er Matusseks Post "EKELHAFT" finde. Der noch-Chefredakteur der "Welt Gruppe" Jan-Eric Peters kündigte "interne Konsequenzen" an.

Am Montag hat Matussek in einem weiteren Post auf seiner Facebook-Seite reagiert. Und heizt den Streit mit seinen Kollegen weiter an. Er schreibt:

"Irgendwie unlogisch: Welt-Vize Ulf Poschardt bedankt lauthals, also auf FB, bei den Kollegen Jan-Eric Peters und Kai Diekmann dafür, mich zu beleidigen ("durchgeknallt", "ekelhaft") und mich zu feuern, weil ich Wahrheiten ausgesprochen, habe, nämlich dass über die offenen Grenzen neu diskutiert werden wird und dass der Umstand von mittlerweile 300 000 Unregistrierter im Lande ebenfallszur Diskussion steht. Hömma Ulf, ich bin doch auch irgendwo Kollege..."

Mit seinem Post wendet sich Matussek also auch gegen Ulf Poschardt, den stellvertretenden Chefredakteur der "Welt".

Das hatte Konsequenzen: Wie die Medienseite "Meedia" berichtet, kündigt der Verlag dem Autor jetzt.

Eine Sprecherin des Axel-Springer-Verlags bestätigte gegenüber der Huffington Post: "Wir trennen uns mit sofortiger Wirkung von Matthias Matussek als "Welt"-Autor." Zu den Gründen für Matusseks Aus wollte sie sich nicht äußern.

Mitarbeit Tobias Lill

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