POLITIK
17/11/2015 08:48 CET | Aktualisiert 21/05/2016 18:33 CEST

"Hart aber fair": "Wollen sie den Frieden herbeibomben?"

ARD
Die gestrige "Hart aber fair"-Sendung

Der Schrecken über die Anschläge in Paris steckt allen noch in den Knochen. Jetzt ist die Frage: Wie darauf reagieren? "Krieg gegen die Freiheit – wie schützen wir unsere Werte?", war daher das Thema bei der gestrigen "Hart aber fair"-Sendung.

Das waren die Positionen der Gäste im Überblick:

Wolfgang Huber, Theologe: "Ich bin gegen Krieg - aber verstehe Frankreich"

Der ehemalige Chef der evangelischen Kirchen Deutschlands, Wolfgang Huber überrascht alle, indem er sich für Angriffe auf den IS aussprach. Wenn Europa in dieser Weise angegriffen werde, brauche es die notwendige Antwort. "So sehr ich gegen Krieg bin, verstehe ich die Republik Frankreich", sagte Huber mit Blick auf die Luftangriffe der Franzosen.

Außerdem sprach er sich dafür aus, "Sicherheit nicht zu einem nationalen Besitz" zu machen. Auch Menschen außerhalb unserer Grenzen hätten ein Recht darauf.

Gesine Schwan, SPD: "Gewalt nicht als Gegengewalt"

Die SPD-Politikerin setzte sich für eine diplomatische Lösung in Syrien ein. Sie sagte zu Huber: "Ich kann mir solche Gewalt nicht als Gegengewalt vorstellen." Später verfange sie sich mit dem Moderator in einer Debatte über ein mögliches Burka-Verbot. Ob das jetzt eine Rolle spiele, fragte sie ihn. Plasberg, der seine Rolle als neutraler Moderator völlig aufgab, verteidigte sich: "Was wäre so schlimm daran, wenn man sagen könnte: ’Wir bestimmen, wie die Leute hier rumlaufen'?"

Markus Kaim, Sicherheitsexperte: "Nur Bodentruppen können dem IS den entscheidenden Schlag verpassen"

Der Sicherheitsexperte sagte, dass Angriffe aus der Luft alleine den IS nicht besiegen können. "Ob das funktioniert, bezweifele ich", sagte Kaim er zu Frankreichs Vorgehen. Allein Bodentruppen könnten der Terrororganisation den entscheidenden Schlag verpassen. Allerdings glaubt er nicht, dass Europa und die USA dazu bereit wären, einen echten Krieg im Nahen Osten zu führen.

"Wir werden uns noch länger als uns lieb ist, damit arrangieren müssen", sagte er im Hinblick auf den Fanatismus des IS. Der Kampf gegen den Islamischen Staat habe gerade e erst begonnen.

Wolfram Weimer, konservativer Publizist: "Wollen sie den Frieden herbeibomben?"

So, wie der Theologe Huber die Runde überrascht, indem er sich für Militäreinsätze aussprach, so überraschte der konservative Publizist mit seinem Pazifismus. "Wollen Sie den Frieden herbeibomben?", fragt er rhetorisch zu der Forderung nach mehr Angriffen auf den IS.

Er brachte ein neues Mittel ins Gespräch, um den IS in die Knie zu zwingen: Wirtschaftssanktionen gegen Saudi-Arabien: "Die köpfen jede Woche Menschen, finanzieren Terroristen und wir liefern denen die Waffen", sagte er.

Ilse Aigner, stellvertretende Ministerpräsidentin Bayerns: "Terroristen nutzen offen Grenzen aus"

Die CSU-Frau kam in die Sendung, obwohl am Nachmittag noch der bayerische Finanzminister Markus Söder auf der Gästeliste stand. Das brachte Gerüchte auf, Söder sei von der CSU wegen eines kontroversen Twitter-Posts zurückgepfiffen worden, indem er Flüchtlingsfrage und Terrorgefahr verband.

Aigner erwähnte extra, dass sie "die französischen Nationalfarben tragen", während sie an ihrem rot-weiß-blauem Halstuch rumspielte. Sie sagt, sie sei besorgt, dass Terroristen die Situation der "offenen Grenzen" ausnutzen könnten, weil "wir an den Grenzen nicht Kontrollen durchführen".

Etwas perplex reagierte sie auf Weimers Vorschlag zu Wirtschaftssanktionen gegen Saudi-Arabien. "Wenn da geliefert wird", sagt Aigner, "dann gab es vorher schon Verträge", dann sei das sicher schon geprüft und geordnet, sagte sie zu den umstrittenen Waffenlieferungen an den Wüstenstaat. Plasberg vorwurfsvoll: "Ist das nicht ein bisschen billig?" Darauf konnte Aigner wenig erwidern: "Nein, das ist nicht billig!", sagte sie.

Terror in Paris: Gedanken eines Muslims zu den Anschlägen in Paris

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