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17/11/2015 16:48 CET | Aktualisiert 18/11/2015 08:44 CET

Millionen Deutsche nehmen dieses Medikament gegen ihre Erkältung - warum das aufhören muss

Pixland via Getty Images
Woman blowing nose

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Seit Jahren warnen Gesundheitsexperten davor, Grippe oder Erkältung mit Antibiotika zu bekämpfen. Eine aktuelle Umfrage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt, wie weit verbreitet falsche Annahmen über das Medikament immer noch sind.

Welche Mythen das genau sind, seht ihr im Video:

Grundsätzlich gilt: Antibiotika helfen bei bakteriellen Infektionen. Erkältungen und Grippe werden aber von Viren verursacht. Derlei Krankheiten mit Antibiotika zu bekämpfen ist demnach zwecklos und verschwenderisch.

Neue Krankheiten entstehen

Wesentlich schlimmer ist jedoch, dass durch den übermäßigen Gebrauch des Medikaments die Bakterien, für die der Wirkstoff eigentlich gedacht ist, Resistenzen dagegen entwickeln. Auf lange Sicht werden also Krankheiten entstehen, die mit Antibiotika nicht mehr zu behandeln sind.

Die antibiotikaresistenten Bakterien sind bereits jetzt zu einem enormen Gesundheitsproblem geworden. Jährlich sterben mehrere tausend Menschen an den resistenten Erregern und Experten rechnen in Zukunft mit steigenden Opferzahlen.

Viel falsches Wissen über Antibiotika

In einer internationalen Umfrage der WHO wurde nun ermittelt, wie breit das Wissen über Antibiotika in der Weltbevölkerung gefächert ist. Dazu wurden jeweils zwischen 500 und 1000 Menschen aus u.a. Russland, Äthiopien, Mexiko, China, Indien und Serbien befragt.

Das erschreckende Ergebnis: 64 Prozent waren der Überzeugung, dass Antibiotika gegen Grippe und Erkältung helfen würden. Weitere 32 Prozent der Befragten dachten sogar, dass sie die Einnahme des Medikaments beenden können, sobald sie sich besser fühlten.

Packung immer zu Ende nehmen

Eine fatale Fehleinschätzung: Antibiotika müssen immer genau nach Anweisung des Arztes oder des Beipackzettels eingenommen werden, heißt: Bis die Arznei-Packung leer ist. Wird eine Packung nicht bis zum Schluss genommen, kann es passieren, dass lediglich die schwächsten Bakterien abgetötet wurden, die stärksten jedoch zu multiresistenten Erregern mutieren und sich vermehren.

Ärzte verschreiben fälschlicherweise Antibiotika

Besonders erschreckend ist, dass Ärzte bei dieser Entwicklung eine zentrale Rolle spielen. Denn viele Patienten bekommen im Fall einer Grippe oder einer Erkältung von ihren Hausärzten die Antibiotika verschrieben, obwohl die Ärzte eigentlich um die Gefahren der Resistenzen wissen sollten.

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Eine Studie, die 2014 im Journal of American Medical Association veröffentlicht wurde, belegt zum Beispiel, dass 71 Prozent der Ärzte eine einfach Bronchitis mit Antibiotika behandeln. In der Regel wird diese Krankheit jedoch durch einen Virusinfekt ausgelöst.

Viele Patienten fragen in solchen Fällen bei ihren Ärzten auch direkt nach einem Antibiotikum. Dem Wunsch kommen die Mediziner dann oft nach.

10 bis 20 Antibiotika-Kuren in der Kindheit

Im Durchschnitt nimmt jeder Mensch vor Erreichen des Erwachsenenalters zwischen 10 und 20 Mal Antibiotika, also im Schnitt eine oder zwei Dosen pro Jahr. Ein viel zu hoher Durchschnitt.

Die Fachzeitschrift New England Journal of Medicine vermutet, dass etwa die Hälfte aller ausgestellten Antibiotika-Rezepte im Jahr 2010 unnötig waren. Inzwischen dürften es noch weitaus mehr sein.

In der WHO-Studie gaben 81 Prozent der Befragten an, die Antibiotika von einem Arzt verschrieben bekommen zu haben. Allerdings ist es zu einfach, den Ärzten die Schuld am übermäßigen Einsatz des Medikaments zu geben. Auch Patienten müssen sich besser informieren und nicht sofort bei der kleinsten Erkältung ein Antibiotikum verlangen.

Welche Hausmittel am besten gegen Erkältung helfen, lesen Sie hier.

Video: Die fünf größten Fehler im Kampf gegen Erkältung

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