POLITIK
16/11/2015 06:40 CET | Aktualisiert 16/11/2015 08:32 CET

"Der Weg war gepflastert mit Toten": Kölner Paar überlebte Terror im Bataclan

Screenshot/ Günther Jauch
Sie überlebten den Horror im Bataclan

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Eigentlich wollten sie nur einen schönen Abend auf einem Konzert verbringen. Doch dann brach der Horror los. Julia Schmitz und ihr Mann Thomas aus Köln haben ihn im Pariser Musikklub Bataclan erlebt. Sie waren für einen Geburtstag in der französischen Hauptstadt. Was an diesem Abend im Bataclan passierte, wo mehr als 90 Menschen von Terroristen grausam ermordet wurden, erzählten sie gestern Abend bei Günther Jauch.

Dabei hatte der Tag für die beiden ganz normal begonnen, wahrscheinlich wie ein Tag Tausender Touristen in Paris. Das Paar besichtigte den Eiffelturm, dann die Katakomben, sie waren auch Essen in einem der Restaurants nahe dem Eiffelturm. Am Abend ging es dann in Richtung des Viertels Montmartre ins Bataclan.

"Ich glaubte an einen Gag"

Den Moment als die Attentäter in den Konzertraum stürmten, schildert Thomas Schmitz so: "Ich dachte, ich sterbe jetzt. Hoffentlich tut es nicht weh. Man schließt tatsächlich ab. Ich war mir fast durchgehend sicher, dass wir das nicht überleben.“

Im ersten Moment schien den beiden der Horror noch wie ein Teil des Konzerts. Thomas Schmitz sagte: „Ich glaubte an einen Gag oder ein Element der Show. Als wir aber runtergelaufen sind, fielen Schüsse."

Dann kam die Gewissheit, dass es sich um tödlichen Ernst handelt: "Wir haben einen Attentäter gesehen. Er kam direkt durch den Haupteingang rein, stand völlig gelassen da und hat einfach in die Menge geschossen. Wir konnten nicht anders als umzudrehen und wieder hochzulaufen.“

Ein kleiner Raum war ihre Rettung

Während auf der Tanzfläche Menschen starben, retteten sich Julia und Thomas mit rund 30 anderen Konzertbesuchern in einen anderen Raum und verbarrikadierten sich dort. Julia schildert die Szene so: „Das schlimmste war, als die Attentäter versucht haben, reinzukommen. Wir haben alle gegengedrückt. Dann wurde geschossen. Einiges ist explodiert.“ Rund drei Stunden blieb das Paar mit den anderen im Raum.

Thomas beschreibt die Szene so: „Wir sind reingerannt und haben so viele Leute wie es ging mit reingenommen. Dann wurde direkt alles was schwer und sperrig war, wie Kühlschränke und Sofas, vor die Tür geschoben. Dann haben wir uns auf den Boden gelegt und mit aller Kraft dagegen gedrückt.“

Als noch Personen in den kleinen Raum wollten, ließen sie die noch durch die Tür. Danach verbarrikadierten sie sich.

"Der komplette Weg war gepflastert von toten Körpern“

Als die Polizei das Gebäude schließlich stürmte, versuchte einer der Attentäter nochmals in das Zimmer zu gelangen. Er wurde direkt vor der Tür des kleinen Zimmers von der Polizei erschossen. Dann verhandelte einer der Konzertbesucher im Zimmer mit der Polizei. Die fürchtete wohl, dass sich in dem Zimmer ein weiterer Attentäter versteckt. Erst nach einigen Minuten öffneten sie die Tür.

Dann kam die Polizei und evakuierte die Menschen im Zimmer. Aber der Horror hörte nicht auf. „Wir wurden dann von der Polizei rausgebracht, wurden angeschrien und angetrieben", berichtet Thomas. Und weiter: "Wir mussten alle die Hände heben. Ich wurde sechs Mal durchsucht, weil die Polizei einfach nicht sicher war.“ Julia sagt: „Man will natürlich nicht gucken, aber man sieht sich trotzdem rechts und links um. Der komplette Weg war gepflastert von toten Körpern.“

Das Paar hat die Erlebnisse bisher nicht verarbeiten können. Julia erzählt: „Den Umständen entsprechend geht es uns eigentlich gut. Es fühlt sich an, wie ein Film. Wir hatten noch gar nicht wirklich Zeit, das alles zu reflektieren.“

Einen Entschluss haben die beiden aber schon gefasst. Sie wollen auch künftig auf Konzerte gehen und sich nicht einschüchtern lassen. „Das ist doch genau das, worauf es die Attentäter abgezielt haben. Wir werden nicht einknicken. Es wird sicherlich eine Zeit dauern, bis wir uns wieder auf so ein Konzert wagen, weil einfach so ein Unwohlsein dabei ist. Wir werden aber natürlich weiterhin unser Leben leben. Spaß haben und auf Konzerte gehen.“

In unserem News-Blog lest ihr alle aktuelle Entwicklungen nach den Anschlägen von Paris

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