Unheimliche Terror-Bilanz: Warum es immer Frankreich trifft

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg Wieder einmal sehen wir grausame Bilder aus Frankreich. So wie 2012, als in der Region Midi-Pyrénées sieben Menschen von islamistischen Terroristen umgebracht wurden, vier davon allein an einer jüdischen Schule. So wie im Januar diesen Jahres, als selbsternannte Gotteskrieger die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo beinahe auslöschten und im Anschluss noch einen jüdischen Supermarkt überfielen. Kaum auszudenken, was im August hätte passieren können, wenn der Attentäter im Thalys-Zug von Brüssel nach Paris nicht im letzten Moment von zufällig anwesenden Veteranen der US-Army gestoppt worden wäre. Frankreich engagiert sich militärisch in Syrien Französische Zivilisten stehen schon seit längerer Zeit im Fokus des islamistischen Terrors. In der perfiden Logik der islamistischen Terroristen hat das gewisse Gründe. Die – wenn man das so nennen will - politische Argumentation für diese Anschläge fußt sicherlich auf dem außen- und sicherheitspolitischen Engagement Frankreichs in der muslimischen Welt. Insgesamt 10.000 französische Soldaten dienen derzeit in Kampfeinsätzen – zum Beispiel in Syrien, aber auch in Mali oder im Irak. Francois Hollande war einer der ersten westlichen Staatschefs, die dem Islamischen Staat mit militärischen Mitteln entgegengetreten ist. Erst vergangene Woche kündigte er an, einen Flugzeugträger in den Persischen Golf zu entsenden. Nicht umsonst sollen die Attentäter im Konzertsaal „Bataclan“ gesagt haben: „Das ist für Syrien!“ Die Attentate waren gut geplant. Das spricht für einen gezielten paramilitärischen Vergeltungsschlag seitens des IS. Soziale Probleme Hinzu kommen die innenpolitischen Probleme Frankreichs. Das Land ist gleich mehrfach gespalten: Arme und Reiche, Gebildete und weniger Gebildete, Einwanderer und Einheimische – sie alle trennt ein gesellschaftlicher Graben, der seit Jahren immer breiter wird. Gerade jetzt, wo Frankreich mit wirtschaftlichen Problemen kämpft. All das fördert Radikalisierung und macht es dem IS und Al Quaida einfacher, unter den muslimischen Zuwanderern Nachwuchs zu rekrutieren. Doch es gibt noch eine zweite Wahrheit. Und das betrifft alle, die glauben, dass Deutschland sicher sei – so lange sich die Bundesregierung aus den Kriegen dieser Welt heraus hielte. Kurz gesagt: Es ist auch ein Stück weit Zufall, dass es nun wieder Frankreich getroffen hat und nicht Deutschland. In regelmäßigen Abständen werden auch hierzulande Terrorzellen ausgehoben – dass es bisher nur 2011 am Frankfurter Flughafen zu einem tödlichen Anschlag kam, ist reines Glück. Wir alle sind gemeint Mal sind es Karikaturen, die den wahnsinnigen Fanatikern als Mordvorwand dienen. Dann ist es wieder der Umgang einzelner westlicher Bürger mit Ausgaben des Koran. Und mitunter auch die Äußerungen eines Papstes. Dahinter steckt fundamentalistischer Hass auf das westliche Wertesystem. Auf offene Gesellschaften, auf Demokratie, auf Menschenrechte. Womöglich auch auf den Wohlstand in Europa und Amerika. Terror ist Kommunikation mittels Gewalt. Die Orte der Anschläge waren so gewählt, dass sich die Bilder des Terrors binnen Minuten rund um den Globus verbreiten konnten. Und die Botschaft der Islamisten wird dabei in Paris genauso verstanden wie in Washington oder Berlin. Sie lautet, dass wir uns ängstigen sollen. Deswegen war der Angriff auf Paris vom 13. November tatsächlich nicht nur ein Angriff gegen Frankreich - sondern gegen uns alle.

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