Psychologie: Die Wahrheit hinter den Masken!

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg Aus der Redaktion Psychologie aktuell. Wie sähe wohl eine Welt aus, in der wir alle ohne unsere Masken des Alltags aufeinander losgehen? Es wäre das Grauen. Unsere gesamte Zivilisation beruht darauf, dass es zwei Versionen von uns allen gibt - oder besser gesagt: zwei Ebenen. Das pure Ich und unsere öffentliche Persona, unsere Maske. Daher haben reale Masken seit je her eine ganz besondere Bedeutung in der menschlichen Kultur und auf unsere Psyche. Die Maske ist so alt wie die Menschheit! Archäologische Untersuchungen haben belegt, daß die Maske eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit ist. Höhlenmalereien in Frankreich und Spanien, die teilweise zwischen 15.000 und 30.000 Jahren alt sind und Tiermasken sowie Tiermaskierungen darstellen, lassen darauf schließen, daß Masken schon für die Menschen der Steinzeit Bedeutung hatten und von ihnen gefertigt und genutzt wurden. Seither ist keine menschliche Kultur bekannt, in denen es keine Masken irgendwelcher Art gab, sei es als Totenmasken, Kultmasken, Theatermasken, Schutzmasken oder Masken mit anderen Funktionen. Die Maske als rituelles Instrument! In den alten Kulturen, sowie bei den heutigen Naturvölkern war und ist die Maske ein rituelles Instrument für kultische Handlungen und wird dementsprechend würdevoll behandelt. In den kultischen Handlungen, die in der Regel mit Musik begleitet werden, verschmilzt der Träger seelisch mit seiner Maske. Gerade die Initationsriten, also kultische Handlungen am Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter, sind hinsichtlich der Rolle der Maske sehr interessant. In vielen Kulturen tragen die Jünglinge bei diesem Übergang Masken. Sie verbergen am Ende ihrer Jugendeit ihr Gesicht für eine bestimmte Zeit hinter einer Maske und setzten sie nach einer Weile und zahlreichen Kulthandlungen als "Männer" wieder ab. Die Maske als Gänsefüßchen? Masken haben aber noch eine andere, psychologisch sehr wichtige Bedeutung: sie lassen soziale Ausnahmezustände zu. Was ist damit gemeint? Ganz einfach: dem Individuum wird für eine bestimmte Zeit erlaubt, Dinge zu sagen und zu tun, die es sonst niemals wagen würde. Dank einer Maskierung, die quasi virtuelle Gänsefüßchen setzt. "Das habe nicht ich gesagt, das war meine Rolle", kann sich der Mensch herausreden. Und wo kommt es vor? Genau, an Fasching, im närrischen Karneval! Die Maske oder Narrenkappe schützte in früheren Zeiten die Untertanen vor negativen Konsequenzen freier Meinungsäußerung - es war ja vermeintlich nicht ernst gemeint. Ein ziemlich geschicktes Überdruckventil in unfreien Gesellschaften. Und welche Maske tragen Sie? Fragen Sie sich doch einfach mal: wer sind Sie wirklich und was ist ihre zivilisatorische Maske? Bei vielen Menschen sind Maske und Ich so sehr verschmolzen, dass sie kaum mehr wissen, wer sie wirklich sind. Das ist das eigentliche Problem. Unsere Masken brauchen wir, denn ohne unsere professionellen Alltagrollen gäbe es keine Zivilisation. Das Ungemach beginnt immer dann, wenn man verlernt den Unterschied zwischen Rolle bzw. Maske und dem wahren Selbst aus dem Blick zu verlieren. Buchtipp: Masken: Macht und Schande. Interesse an Psychologie? Besuchen Sie unseren Redaktions-Blog!

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