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Springer-Chef Döpfner warnt nach Anschlägen in Paris: Deutschland steuert auf "Bürgerkrieg" zu

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Die Attentate von Paris haben die Welt erschüttert. Mehr als Hundert Menschen wurden am Freitag Abend getötet, rund 200 zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die Bürger in Europa stehen unter Schock. Und sie fragen sich ebenso wie die Politiker aller Parteien: Wie sollen wir auf die Anschläge der Terroristen reagieren? Was müssen wir tun, dass so etwas nicht wieder passiert?

Auch für die deutsche Innenpolitik hat der Anschlag Folgen: Noch vehementer als sonst drängen konservative Politiker in Deutschland darauf, Deutschlands Grenzen zu schließen, um den Andrang der Flüchtlinge zu bremsen. Schließlich könnten unter ihnen Terroristen sein.

Genau das fordert auch Mathias Döpfner, Chef des Axel Springer Verlages, in der "Welt am Sonntag". Aber bei ihm geht es noch viel weiter: Er sieht Europa in einem Kulturkampf, den es zu verlieren droht. Ja, er spricht gar von einem drohenden "Bürgerkrieg" in Deutschland in Folge der Pariser Anschläge. Harte Worte.

Aber wie kommt Döpfner darauf? Um das zu verstehen, muss man sich seine Argumente genau ansehen. Hier sind die 4 wichtigsten Thesen von Mathias Döpfner - und warum sie falsch sind.

1. Die Attentate haben gezeigt, dass Europa hilflos ist

Döpfner sieht in den Anschlägen in Paris ein "europäisches Nine Eleven". Vor allem die Tatsache, dass sie nur Monate nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo passiert seien, zeige, wie hilflos Europa ist. Keine Polizei, kein Staat, keine Politiker könnten die Bürger Europas derzeit vor den Fanatikern schützen, resümiert Döpfner.

2. Der Westen ist dabei, den Kulturkampf mit den Islamisten zu verlieren

Der Grund, warum Europa seine Bürger nicht mehr schützen kann, ist für Döpfner klar: Europa tritt gegenüber den radikalen Islamisten schwächlich auf. Der Kontinent sei dabei, sich den Radikalen zu "unterwerfen". Vor allem zeige diese Schwäche sich in Form der "Willkommenskultur in Deutschland".

3. In Deutschland droht ein Bürgerkrieg

Die Einwanderung im Zuge der Syrienkrise will Döpfner lieber heute als morgen stark begrenzt sehen. Jeder, "dem der Verstand nicht abhanden gekommen ist", könne erkennen, "dass es so nicht weitergehen kann". Deutschland verkrafte nicht Millionen Flüchtlinge pro Jahr. Und noch viel schlimmer: Er sieht in Deutschland als Folge der Willkommenskultur einen Hass gegen Flüchtlinge heraufziehen. "Die schrankenlose Weltoffenheit von heute ist nur die Vorhut einer Welle hässlicher Xenophobie."

Und dann kommt der wohl wichtigste Satz des Textes und eine krasse Warnung: "Am Ende stehen Staatskrise, Ausschreitungen und Bürgerkrieg." Zugespitzt könnte man sagen: Riegelt Merkel nicht die Grenzen ab, droht Deutschland das Ende.

4. Europa braucht eine Politik der Stärke

Für Döpfner ist die Lehre aus den Anschlägen klar. Europa muss zu seinen Werten stehen und für sie kämpfen. Döpfner orakelt: "Wenn weiter laviert und toleriert wird, sind die Anschläge von Paris die Vorboten der Unterwerfung" (unter den Islamismus, Anm. d. Red.). Sein Schluss: "Wir brauchen eine wirklich wehrhafte Demokratie. Wir brauchen ein wirklich wehrhaftes Europa."

Was folgt nun daraus?

Sehr konkret wird Döpfner nicht, wenn es darum geht, welche Politik aus den Attentaten folgen soll. Implizit fordert Döpfner aber den großen (kulturellen) Waffengang: Militärisches Engagement in Syrien, eine deutsche Leitkultur, der sich die Einwanderer anzupassen haben, ein Dichtmachen der Grenzen.

Was von solchen Forderungen zu halten ist, hat Kurt Kister, Chefredakteur der "Süddeutschen Zeitung", in einem Kommentar am Samstag beschrieben: "Wer nach Paris einen Ursachenzusammenhang zur Flüchtlingskrise konstruiert, der zündelt und verkennt das Problem."

Und tatsächlich: Dass Deutschland nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen kann, ist klar - und da liegt Döpfner richtig. Indem er aber vor weiteren Flüchtlingen warnt und damit auch vor mehr Terror, befeuert er genau das, wovor er eigentlich warnt: Den Hass auf die Neuankömmlinge.

Aber die Hilfe, die Europa derzeit den Flüchtlingen gewährt, zeugt nicht von Hilflosigkeit, sondern von Hilfsbereitschaft. Und die ist keine Schwäche, sondern ein Zeichen der Stärke. Auch gegenüber den Islamisten, vor denen die Flüchtlinge derzeit fliehen.

Über alle Entwicklungen nach dem Attentat in Paris hält euch unser News-Blog unter diesem Link auf dem Laufenden.

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