POLITIK
14/11/2015 19:54 CET | Aktualisiert 15/11/2015 12:52 CET

Wie sich die ARD während der Attentate in Paris lächerlich gemacht hat

Screenshot ARD
Moderator Matthias Opdenhövel (l.) und Experte Mehmet Scholl

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Wer am Freitagabend Das Erste eingeschaltet hatte, erlebte eine Blamage. Zumindest empfanden das etliche Zuschauer so. Denn während andere Medien von den Anschlägen in Paris berichteten, zeigte die ARD noch das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in der französischen Hauptstadt. Und während auf anderen Sendern längst Experten zu Wort kamen, ließ die ARD ihre Sportjournalisten im Stadion mit der Nachrichtenlage allein.

Obwohl es schon Meldungen über Dutzende Tote gab und Explosionen sogar im Stadion zu hören waren, unterbrach das Erste seine Live-Sendung nicht – die Sport-Moderatoren Tom Bartels und Matthias Opdenhövel waren weitgehend auf sich allein gestellt. Und beide gaben offen zu, ratlos zu sein. Kein Wunder.

Die ARD störte das aber offenbar genauso wenig wie die Fragen von Zuschauern in sozialen Netzwerken, warum die Nachrichten-Kollegen nicht die Berichterstattung übernehmen würden. Die sendeten aber nur zwei kurze "Tagesschau"-Ausgaben. In der übrigen Zeit mussten die Sport-Experten sich mit weiteren Spielzusammenfassungen und dem normalerweise munteren Format "Sportschau-Club" über die Runden helfen.

Selbst unter ARD-Leuten sorgte diese für einen Sender dieses Formats lächerliche Darbietung für Kritik. "Monitor"-Chef Georg Restle sagte via Twitter etwa in Richtung der "lieben Kollegen", man möge doch bitte von weiteren Spielberichten absehen. "Es gibt Wichtigeres."

ARD-Chefredakteur Kai Gniffke kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Zunächst sind viele Beobachter davon ausgegangen, dass das Stadion Schwerpunkt des Geschehens war", sagt er am Tag danach auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de. "Entsprechend war es richtig, dass die Sport-Kollegen direkt von dort über die Ereignisse abseits des Spielfelds berichtet haben."

Nicht nur die Leistung der ARD am Freitagabend kam schlecht an. Ausgerechnet Dieter Weirich, der ehemalige Intendant der Deutschen Welle, kritisierte die ARD- (und ZDF-)Berichterstattung über den Terror von Paris grundsätzlich. Oder besser gesagt: Er zerriss sie, wie ein Facebook-Post Weirichs zeigt, den "Bild"-Chef Kai Diekmann twitterte:

Weinrichs Urteil: "Erbärmliche Berichterstattung von ARD und ZDF zu den grauenvollen Attentaten in Paris." Wasser auf die Mühlen derjenigen, die zum Streik gegen Rundfunkgebühren aufrufen...

Frankreich gegen Deutschland: Plötzlich sind im Stadion Explosionen zu hören

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